„Das interessiert mich nicht sonderlich,“ antwortete Jonas unfreundlich. Doch irgendwie bereitete ihm der Gedanke dass Julia so eine One-Night-Stand-Bekanntschaft von Stefan werden könnte Übelkeit.

Drei Stunden später, die Sonne war bereits untergegangen und vor dem Kölner Kunstmuseum befand sich niemand mehr, trafen sich Stefan, Julia und Jonas mit Herrn Bitterfeld, dem Künstler der unter den Dämonenbildern zu leiden hatte.

Unsicher reichte der grauhaarige Mann ihnen nacheinander die Hand.

„Und Sie glauben also wirklich Sie schaffen das? Es wäre so schön wieder ein normales Künstlerleben führen zu können. Immer all die Toten. Das ist so schlimm. Und schuld ist nur mein alter Lehrer, Engelbert Eckbach!“, klagte Herr Bitterfeld traurig während Stefan die Augen verdrehte. 

„Können wir jetzt endlich anfangen? Sie geben uns die Schlüssel fürs Museum, wir gehen zu den Bildern und zerstören sie. Sie haben die anderen doch schon weg geräumt, oder? Schließlich sollen keine unschuldigen Kunstwerke kaputt gehen!“

Herr Bitterfeld nickte. „Ja, das habe ich. Und ich hoffe die Dämonen haben darauf nicht so sehr geachtet. Ich habe wirklich Angst vor dem was sie mit mir anstellen wenn sie mitbekommen dass ich ihnen in den Rücken falle!“

„Das hätte Sie sich halt überlegen müssen bevor sie welche schaffen!“, fuhr Stefan den Künstler ungehalten an.

„Aber ich habe die Dämonen nicht geschaffen,“ seufzte Herr Bitterfeld traurig. „Ich sagte bereits, mein ehemaliger Kunstlehrer, Engelbert Eckbach, ist dafür verantwortlich!“

„Inwieweit?“, erkundigte sich Jonas während Stefan genervt die Augen verdrehte.

„Ein bisschen Hintergrundwissen kann ganz bestimmt nichts schaden,“ fuhr Julia ihn ungehalten an.

Herr Bitterfeld seufzte noch einmal. „Das ganze begann im Jahre 1950. Ich war damals vierzehn Jahre alt und Herr Eckbach war der Kunstlehrer an meinem Gymnasium. Er hatte Kunst studiert und malte selbst Bilder. Aber damit kam er nie über ein gewisses Mittelmaß heraus und niemand kaufte seine Bilder. Darüber war er sehr verbiestert. Das ließ er oft und gerne an uns Schülern aus. Es war wirklich nicht immer leicht mit ihm. Einmal kippte er mir Farbe über mein Bild. Und dann gab es auch noch zu allem Übel einen schrecklichen Direktor an meiner Schule. Dieser hieß Engelmann und er interessierte sich auch für Kunst. Vor dem Lehrerzimmer hatte er eine unheimliche Statue aufgestellt und manchmal denke ich heute dass das vielleicht auch Dämonen waren denn eines Tages fand man zwei Schüler tot vor ihnen. Aber ich schweife ab. Irgendwann war der Direktor nicht mehr da, er wurde wo anders hin versetzt oder er kündigte. Und ich zeigte meine Bilder einem Kunstkenner. Da war ich achtzehn Jahre alt, das war um 1954. Und ab da begann meine Künstlerkarriere. Aber das konnte Lehrer Eckbach nicht verkraften. Ich dummer kleiner Schüler wurde bekannt ohne auch nur einen einzigen Tag Kunst studiert zu haben? Und eines Tages erwischte ich ihn vor meinen zehn neuesten Bildern. Er hatte etwas auf sie drauf gekritzelt und wischte es gerade wieder ab als ich kam. Richtig böse hat er mich angelächelt. Das war 1960. Da fing das Elend dann an denn man fand immer wieder Tote vor eben diesen Bildern. Zuerst stellte ich keinen Zusammenhang dazu her. Doch irgendwann wurde selbst ich, der ich nicht an Übernatürliches glaubte, misstrauisch und dann erreichte mich ein Brief. Diesen hatte mein ehemaliger Lehrer verfasst und er schrieb mir dass er zehn meiner Bilder zu Dämonen gemacht hätte. Und sie würden immer und ewig weiter töten. Es sei ungerecht gewesen dass er niemals meinen Ruhm als Künstler erlangt habe.....

Diesen Brief hat er auf dem Sterbebett geschrieben denn als ich ihn aufsuchen wollte war er bereits tot. Und seitdem leiden ich und die Museumsbesucher unter den Bildern!“

Julia und Jonas waren bei der Erwähnung von Engelmann und seinen Statuen zusammen gezuckt. Anscheinend hatte er nicht das erste Mal als Direktor gearbeitet als er in ihrer Heimatstadt sein Unwesen trieb. Doch nun galt es Herrn Bitterfeld zu helfen.

„Das ist wirklich schlimm. Aber warum lassen Sie die gefährlichen Bilder nicht zu Hause? Warum sind sie in jeder Ausstellung dabei? Oder warum übermalen Sie sie nicht einfach? Oder zerreißen sie?“, erkundigte sich Julia mitfühlend.

Der Künstler schüttelte traurig den Kopf. „Das habe ich schon alles versucht. Ich habe die Bilder, nachdem ich den Brief erhielt, ins Feuer geworfen. Sie sind auch verbrannt aber am nächsten Tag waren sie wieder vollständig unversehrt und die Gesichter starrten mich an als ich die Asche in meinem Garten zusammen kehren wollte.

Danach habe ich es mit Benzin versucht. Ich habe sie damit übergossen und dann angezündet. Das nützte aber auch nichts. Und dann habe ich sie, als eine neue Ausstellung an stand, im Garten vergraben. Aber am nächsten Tag hingen sie wie von Geisterhand im Museum. Dabei lebe ich normalerweise in Bremen. Die Ausstellung fand in London statt. Auch die Entfernung hat die Bilder nicht davon abgehalten zu erscheinen. Ich habe mit einem Hammer auf sie geschlagen und sie mit einem Messer bearbeitet. Dann wollte ich sie mit schwarzer Farbe übermalen. Sogar einen Exorzisten der für die Kirche arbeitete habe ich einbestellt. Der hatte von solchen Dingen schon gehört und er wollte eine Nacht im Gebet vor den Dämonenbildern verbringen. Am nächsten Morgen war er tot. Es hat alles nichts genutzt. Und eines Nachts packte mich selbst der Drang ins Museum zu gehen. Dort warteten die Dämonen auf mich und haben mich übel zugerichtet. Ich solle sie endlich in Ruhe lassen. Ich lag anschließend zwei Monate im Krankenhaus. Danach habe ich es einfach ausgegeben, bis dieser nette Herr hier“, er deutet auf Stefan,“ zu mir kam. Und ich hoffe wirklich Sie können etwas erreichen. Dafür werde ich natürlich auch entsprechend zahlen. Das ist für mich ganz selbstverständlich!“

„Dann sollten wir es langsam mal angehen,“ sagte Stefan und griff nach dem Schlüssel den Herr Bitterfeld ihm reichte.

„Sie kommen am besten zu mir ins Auto und da warten wir auf die beiden. Im Ernstfall können wir so schnell weg fahren,“ sagte Julia zu dem Künstler und während sie ins Auto stiegen machten sich Jonas und Stefan auf den Weg zum Museum.

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