Kapitel 23

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Am nächsten Tag fand im kleinen Kreise die Beerdigung von Anita Frinken statt. Die Beerdigungskosten wurden vom Sozialamt übernommen, da die Verstorbene außer ihrem minderjährigen Sohn weder Verwandte noch Vermögen besaß.

Nur wenige Trauergäste, drei Nachbarn, eine ehemalige Arbeitskollegin sowie Anitas Sohn Lucas und dessen Freunde Andy, Andys Vater, Meike und Sabrina waren erschienen.

Auf Wunsch seiner Ehefrau war auch Georg Schneider dem Begräbnis fern geblieben, Andys Vater, Herr Hügel, hatte seinen Sohn sowie Lucas zum Friedhof gefahren, nicht ohne zuvor Herrn und Frau Schneider einen bösen Blick zu zuwerfen.

„Hat dieser Bengel seinem Freund etwa etwas über unsere Familienverhältnisse erzählt? Das geht die Hügels doch gar nichts an, mit dieser Familie sollten wir besser keinen Kontakt mehr haben!“ hatte Hedwig ihren Mann angezischt und dieser hatte nur da gesessen und Lucas empört angeschaut.

Nun stand Lucas am Grab und warf einen kleinen Strauß Blumen auf den Sarg. Irgendwie erschien ihm alles so unwirklich, seine Mutter konnte doch nicht wirklich tot sein....

„Wir gehen dann schon mal zum Auto,“ sagte Herr Hügel und legte Lucas eine Hand auf die Schulter. „Wir warten dort auf dich, lass dir ruhig noch ein wenig Zeit!“

Lucas antwortete nicht, statt dessen starrte er weiterhin auf das noch offene Grab. Bald würden die Friedhofsgärtner kommen und das Grab zu schaufeln und es mit den beiden Blumengestecken, eines  stammte von den Nachbarn und das andere von ihm, so gut es ging schmücken.

Lucas setzte sich auf die Erde neben das Grab, er ignorierte den kalten, gefrorenen Boden. „Wenn ich krank werde, dann muss ich wenigstens nicht wieder zur Schule gehen,“ dachte er, jedoch dann kam ihm ein anderer Gedanke. 

„Andy, Meike und Sabrina müssen noch immer dahin gehen. Ich muss sie warnen, auch wenn sie mir wahrscheinlich nicht glauben werden. Was ist, wenn noch einmal eine von diesen Statuen lebendig wird?“

Jedoch das musste warten, irgendwie konnte Lucas sich noch nicht von dem Anblick des Sarges in dem offenen Grab losreißen.....

Unterdessen saß Jonas gemeinsam mit seiner Großmutter Johanna im Wohnzimmer der Schneiders. Nur auf Bitten seiner Oma hatte sich Jonas doch noch einmal bereit schlagen lassen, die Eltern zu besuchen.

„Warum hast du mir nie gesagt, dass ich noch einen weiteren Enkel habe?“, fragte Johanna ihren Sohn Georg vorwurfsvoll.

„Ich bin doch die Großmutter und hätte das wissen müssen, und auch dein Vater hätte ein Recht darauf gehabt, es zu erfahren!“

Richard, Johannas Ehemann, war vor neun Jahren verstorben und er hatte genau so wie seine Frau sehr an seinem Enkel Jonas gehangen, während er mit seiner Schwiegertochter Hedwig nie allzu gut zurecht gekommen war und sie stets als oberflächlich bezeichnet hatte. 

„Und was ist mit meinem Recht auf ein geordnetes Familienleben? Das hätte mir noch gefehlt, dass Lucas und Jonas gemeinsam bei dir am ersten Weihnachtstag die Geschenke bekommen hätten!“, empörte sich Hedwig und Georg nickte.

„Das konnte ich Hedwig wirklich nicht zumuten. Außerdem habe ich es auch nicht eingesehen mir die Mühe zu geben ein Kind, das ich nicht wollte, in diese Familie zu integrieren und für endlosen Streit zu sorgen!“

„Was habe ich bei dir nur falsch gemacht, so warst du doch früher nicht,“ murmelte Johanna traurig. „Ich habe ja schon einige Male etwas gesagt, damals, als ihr euch nicht um Jonas gekümmert hat, als er diese Schwierigkeiten in der Schule hatte. Aber dass ich jetzt auch noch erfahren muss, dass mein Sohn fremd geht und dann noch nicht einmal dazu steht, wenn es Folgen hat, das ist bislang der Gipfel dessen, was du dir geleistet hast! Wo ist der Junge überhaupt?“

„Lucas ist bei der Beerdigung seiner Mutter. Sie ist überraschend gestorben vor ein paar Tagen. Wer weiß, was da hinter steckt. Wahrscheinlich war Alkohol im Spiel oder Tabletten. Das ist zumindestens meine Vermutung und bei diesen sozial schwachen Familien ist so etwas ja auch keine Seltenheit! Wer weiß, der Apfel fällt ja nicht weit vom Stamm, nimmt Georgs Bengel auch schon irgend welche Drogen und wir bekommen am Ende noch die Polizei ins Haus“, beantwortete Hedwig die Frage ihrer Schwiegermutter.

„Und du bist nicht einmal mitgegangen?“, fragte Johanna, die Hedwigs letzte Bemrkungen mit einer Engelsgeduld überhörte, ihren Sohn Georg, der mittlerweile wie ein Häuflein Elend auf dem Sofa saß.

„Immerhin hast du diese Frau doch einmal sehr gut gekannt und etwas hat dich mit ihr verbunden. Ich kann ja verstehen, dass du Rücksicht auf Hedwig nimmst und es ist auch richtig, dass du nicht alles, was ihr euch als Familie aufgebaut habt, unter anderem das Haus, aufs Spiel gesetzt hast. Du hast dich damals für deine bestehende Familie entschieden, aber trotzdem hättest du zu dem, was du angerichtet hast, stehen müssen! Zumindestens Jonas, deinem Vater und mir gegenüber, auch wenn du es nicht in der gesamten Nachbarschaft breittreten wolltest! Ich bin sehr enttäuscht von dir, Georg!“

„Er hat das richtige gemacht, immerhin hat er jeden Monat Unterhalt gezahlt, fünfzehn Jahre lang! Das Geld hätten wir an anderer Stelle gebrauchen können, ein oder zwei Neuwagen im Laufe der Jahre wären davon drin gewesen, von neuen Wohnzimmermöbeln mal gar nicht zu reden! Aber jetzt haben wir diesen Bengel, er ist übrigens ein sehr unverschämter und schlecht erzogener Junge, hier bei uns aufgenommen! Damit erfüllt Georg seine Pflicht doch mehr als genug!“, verteidigte sich Hedwig und wandte sich nun an Jonas, der bislang geschwiegen hatte.

„Da dachte ich, ich hätte dich groß gezogen und damit meine Pflichten erfüllt, und jetzt setzt man mir einfach einen Stiefsohn vor die Nase! Aber dir scheint das ja vollkommen egal zu sein, wie es mir dabei geht! Aber mit dir haben wir ja auch nur Ärger, wenn ich nur daran denke, dass ich mir sogar Gedanken um deinen Geisteszustand machen muss!“

Johanna sah Jonas erschrocken an. „Du hast psychische Probleme? Davon wusste ich ja überhaupt nichts! Aber bei deiner Kindheit ist das ja auch kein Wunder!“ Das letzte sagte sie mit einem vorwurfsvollen Blick auf Hedwig.

„Aber eigentlich wirkst du auf mich doch vollkommen normal!“, fügte sie noch hinzu und griff nach Jonas Hand.

„Oma, mach dir keine Gedanken. Meine Exfreundin Nadine, ich gebe zu, ich bin nicht ganz unschuldig daran, hat meinen Eltern weismachen wollen, ich würde unter Wahnvorstellungen leiden und Jagd auf ...Werwölfe machen. Das ganze war nur ein schlechter Scherz, aber meine Eltern glauben jetzt, das ich glaube, es gäbe Werwölfe und ich müsste sie jagen!“, versuchte Jonas seine Großmutter zu beruhigen.

„Jonas jagt Werwölfe? Sind das nicht diese großen Tiere, die es angeblich im Himalaya gibt?“, erkundigte sich die Großmutter mit einem Lächeln, das Jonas beruhigte. Ganz offenbar hielt die Großmutter ihn nicht für verrückt. 

„Du meins Yetis, Oma!“, antwortete Jonas.

Jedoch nun wandte er sich an seine Eltern. „Und diesen Blödsinn muss ich mir jetzt jedes Mal, wenn ich nach hier komme, vorhalten lassen! Ich kann es bald nicht mehr hören!“

Er sah seine Großmutter an. „Sogar meinen Chef hat sie deswegen schon angerufen. Zum Glück hat der sie nicht für voll genommen und mich statt dessen gefragt, ob sie Probleme hat!“

„Du machst was, Hedwig? Du machst meinen Enkel bei der Arbeit schlecht? Und das, wo er gerade befördert worden ist. Langsam weiß ich wirklich nicht mehr, was ich von euch beiden noch halten soll. Erst verschweigt ihr mir jahrelang ein Enkelkind und dann erzählt ihr mir etwas über Yetis!“, stellte Johanna empört fest.

„Wann kommt Lucas zurück? Ich werde auf alle Fälle hier warten. Ich möchte meinen Enkel kennen lernen. Und erwarte nicht von mir, dass ich diesen Blödsinn von dem armen Heimkind, dass ihr aus Menschenfreundlichkeit aufgenommen habt erzähle, wenn mich jemand fragt! Das muss ich mir in meinem Alter wirklich nicht mehr antun!“

„Aber was sollen denn die Nachbarn sagen?“, fragte Hedwig verzweifelt.

„Denkt doch auch einmal an mich! Jonas, du könntest deine Mutter ruhig einmal unterstützen!“

„Warum sollte ich? Du hast mich auch nie bei irgend etwas unterstützt. Und ich bin sowieso nur wegen Oma hier. Von mir aus könnte ihr hier machen was ihr wollt!“, antwortete Jonas. 

Was kümmerten ihn diese Probleme seiner Eltern? Damit sollten sie gefälligst alleine fertig werden!

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