Kapitel 49

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Direktor Friedrich Engelmann überquerte den Schulhof auf der Suche nach Unruhestiftern. Jedoch sämtliche Schülerinnen und Schüler gingen mit gesenktem Blick an ihm vorbei.

„Sehr gut, meine Strafmaßnahmen zeigen Wirkung und mit den Schwersten, meinen Henkern, muss ich noch nicht einmal aufwarten!“, freute er sich und sah auf zwei kleine Mädchen, Fünftklässlerinnen. Eine von ihnen hielt eine dieser grässlichen Barbiepuppen in der Hand und mit wenigen Schritten war er bei ihr und riss ihr die Puppe aus der Hand.

„Wie heißt du, Kind?“, fuhr er das Mädchen wütend an.

„Ich heiße Claudia Michels! Warum habe Sie mir meine Barbie weggenommen?“, flüsterte das Mädchen ängstlich während ihre kleine Freundin davon lief.

„Solches Spielzeug ist sündhaft und schlecht! Es erzieht Kinder, insbesondere Mädchen zur Eitelkeit!“, sagte Herr Engelmann und riss der Puppe den Kopf ab. Dann warf er sie in einen Papierkorb. Das Mädchen begann zu weinen. 

„Wage es nicht die Puppe wieder heraus zu holen,“ drohte der Direktor dem Kind und sie lief weinend davon.

„Hoffentlich habe ich nicht bald schon wieder Ärger am Hals,“ dachte der Direktor wütend und sah zu seinen verbliebenen beiden Statuen. Es hatte zu allgemeiner Verwunderung geführt dass zwei von ihnen verschwunden waren.

„Aber ich habe diesen Wahnsinnigen der Jagd auf sie gemacht hat aufgehalten! Und bald wird Gerrit an seinen Platz zurück kehren! Dann wird mir dieser Dieb niemals mehr entkommen!“, dachte er mit einem Lächeln. 

Er hatte eine schwere Zeit hinter sich. Es hatte ihn einige Mühe gekostet der Polizei zu erklären dass er mit dem Zweitschlüssel in die Wohnung von Jonas gelangt sei. Schließlich hatten die Beamten die Mutter von Jonas dem Verbrecher angerufen und diese hatte seine Aussage bestätigt. 

„Das war auch gut so, sicherlich dachte sie ich würde den Beamten etwas Schlechtes über sie und ihre Familie berichteten,“ dachte er mit einem verächtlichen Lächeln.

„Bald wird hier wieder Recht und Ordnung einkehren und mir wird es auch wieder besser gehen! Es gäbe eine einzige Möglichkeit mich und meine gerechten Henker auf der Stelle zu töten! Aber dazu wird dieser Feigling Jonas niemals in der Lage sein, genau so wenig wie Walther damals!“, dachte er und lachte leise.

Herr Engelmann warf einen Blick auf Frau Hellenberg die gerade ins Schulgebäude nach einer kurzen Pause zurück kehrte. „Sie denkt ich wüsste nicht dass sie heimlich weiterhin Kaffee während der Arbeitszeit trinkt! Aber dafür wird sie bei Gelegenheit bezahlen! Sobald hier alles wieder seinen geordneten Gang geht!“

Der ehemalige Richter griff sich an seinen Magen und stöhnte auf als er dort einen heftigen Schmerz verspürte. 

„Meine alte Krankheit ist zurück gekehrt! Ich muss Gerrit finden und er muss an seinen Platz zurück kehren! Wenn ich nur wüsste wohin er verschwunden ist!“

Drei Tage später wagte Gerrit sich in Begleitung von Lucas das erste Mal aus dem Haus. Allzu weit würde er nicht gehen können jedoch er wollte endlich etwas von der Umgebung sehen.

„Frau Huber braucht neue Dosenmilch hat sie gesagt! Wir gehen in den Supermarkt und besorgen ihr welche!“, schlug Lucas vor und gemeinsam stapften sie durch den Schnee.

Frau Huber hatte beiden ausrangierte Winterjacken und Stiefel gegeben und Gerrit hatte erst gezögert sie anzunehmen. Jedoch ein strenger Blick der Gastwirtin hatte ihn schließlich daovn überzeugt dass es besser war auf sie zu hören...

„Lucas, was ist das für ein Gebäude?“, fragte Gerrit unsicher und Lucas grinste. „Das ist der Supermarkt in dem wir jetzt die Milch besorgen! Da siehst du dann mal wie die Leute heute an ihr Essen kommen!“

Gemeinsam betraten sie den Laden und fasziniert starrte Gerrrit auf die Einkaufswagen sowie kurz darauf auf die Obstwaage. 

„Was ist das?“, fragte er und zeigte auf eine ihm unbekannte Frucht.

„Das sind Bananen! Ich kauf dir eine! Die sind nicht schlecht!“, sagte Lucas und wog eine auf der Waage ab.

„Woher kommen die? So was gab es früher nicht! Die anderen Sachen fast alle schon! So Möhren habe ich mal auf dem Markt.....gestohlen. Zusammen mit einem Freund! Wir hatten seit Tagen nichts gegessen und...“, berichtete Gerrit und kam ins Stocken. Offenbar war es ihm unangenehm von diesem Diebstahl zu sprechen.

„Was ist dann passiert? Habt ihr die Möhren bekommen?“, fragte Lucas interessiert. 

Gerrit schüttelte den Kopf. „Nein, haben wir nicht! Wir wurden erwischt! Ich bin entkommen aber meinem Freund hat Richter Engelmann, damals hatte er die Statuen noch nicht, eine Hand abhacken lassen. Er ist daran gestorben!“

Lucas schluckte schwer. Auf einmal sah er die unschuldigen Möhren mit ganz anderen Augen an.....

Als nächstes besorgten sie die Dosenmilch und Gerrit lehnte sich müde an ein Regal in dem verschiedene Kaffeesorten standen. „Was ist das?“, erkundigte er sich neugierig.

„Das ist Kaffee! Ingo hat so was besorgt als wir hier her gefahren sind! Das kennst du auch nicht, nicht wahr?“

Gerrit schüttelte den Kopf. „Nein, leider nicht! Ich komme mir irgendwie so dumm vor! Du musst denken dass ich ein Trottel bin!“

„Nein, das denkt keiner von uns! Ich würde mich in der Zeit in der du gelebt hast umgekehrt wahrscheinlich gar nicht zurecht finden! Du machst deine Sache ganz gut und schreist immerhin nicht erschrocken los wenn jemand ein Radio auf dreht!“, versuchte Lucas den anderen zu trösten.

Gerrit nahm eine Packung Kaffee aus dem Regal und betrachtete sie interessiert als sich ihm auf einmal ein Mann näherte. 

„Willst du den kaufen? Der ist gut!“, sagte dieser mit lauter Stimme und Gerrit zuckte zusammen. „Nein, ich hab kein Geld....“, stammelte er erschrocken und ließ den Kaffee fallen. Leider platze die Packung auf und das Pulver verteilte sich auf dem Boden.

„Das tut mir leid!“, sagte Gerrit und wurde noch blasser als er sowieso schon war. „Das wollte ich nicht!“

Eine Verkäuferin mit einem Kehrblech kam heran und sah ihn vorwurfsvoll an. „Das musst du aber bezahlen!“

„Bezahlen? Lucas, wie soll ich denn,“ stammelte Gerrit und schien sich nach einem Fluchtweg umzusehen. 

„Ich bezahle das schon! Es war doch keine Absicht! Also reg dich nicht so auf! So schlimm ist das doch gar nicht!“, antwortete Lucas.

Lucas sah Gerrit besorgt an. Dieser schien wirklich Angst zu haben. Rechnete er jetzt mit einer schweren Strafe? Lucas packte den anderen am Arm und zog ihn zur Kasse. Dort bezahlte er die Büchsenmilch und das Pfund Kaffee im Wert von 1,99 Euro. Es war ein Sonderangebot gewesen....

„Niemand tut dir hier etwas! Man hackt niemandem mehr Hände ab!“, versuchte Lucas den anderen vor der Tür zu beruhigen.

„Und was ist mit anderen Strafen? Mich haben sie als ich dreizehn war einmal ausgepeitscht weil ich auf dem Markt ein paar Eier habe fallen lassen! Das war auch keine Absicht gewesen und jemand hat mich angestoßen aber der Händler hat gesagt ich würde sie stehlen! Und einer Frau haben sie alle Haare abgeschnitten und die Fingernägel heraus gezogen nachdem sie...“

„Gerrit, so was macht man wirklich nicht mehr! Und schon gar nicht wegen einem Pfund Billigkaffee! Also reg dich nicht so auf! Du bist hier wirklich in Sicherheit!“, redete Lucas noch auf ihn ein als sie zum Gasthof von Frau Huber zurück kehrten.

„Was ist los? Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?“, fragte die Wirtin besorgt und drückte den verängstigten Jungen kurz an sich.

Sie hatte ihn in den letzten Tagen ins Herz geschlossen.

Lucas berichtete von dem Pfund Kaffee und sie schüttelte den Kopf. „Das ist wirklich nicht schlimm! Ich habe mal einen Kasten Bier fallen lassen! Das war eine Sauerei damals und die mussten sogar putzen! Also mach dir keinen Kopf wegen dem Pfund Kaffee! Die Sache ist erledigt! Und jetzt komm rein! Ich habe gekocht! Es gibt Kaiserschmarrn!“

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