Kapitel 107

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Nervös kramte Lucas im kleinen Raum neben dem Rittersaal in dem die Koffer untergebracht waren, in seiner Reisetasche.

„Was suchst du eigentlich?“, erkundigte sich Sabrina die vor der Tür Schmiere stand ungeduldig. „Es wird schon bald dunkel und die ersten gehen schon in ihre Zimmer und möchten schlafen! Übrigens schleicht der Herbergs-Heini noch hier herum. Sagte der nicht, dass er Nachts immer in seine Wohnung im Dorf fahren würde?“

„Keine Ahnung. Aber ich bin ja schon fertig. Ich habe das gefunden was ich suche,“ antwortete Lucas und verließ den Raum. Er hatte seine Jacke über einen Gegenstand gelegt.

„Was hast du da?“, fragte Sabrina und Lucas zog die Jacke ein Stück zur Seite. Ein Dolch kam zum Vorschein.

„Damit kann man Dämonen verletzen und bekämpfen. Den nehme ich heute Nacht mit ins Bett. Nicht dass das Ding wieder neben mir steht und nach mir greift um mich zu töten oder in den Keller zu schleifen. Damit schlafe ich bestimmt ruhiger. Das heißt wenn ich überhaupt schlafen kann!“, antwortete Lucas beunruhigt und versteckte den Dolch wieder unter seiner Jacke als einige Mitschüler vorbei gingen.

„Sieh zu dass du deinen Dolch so hinlegst dass du dir heute Nacht nicht daran weh tust oder dir was wichtiges abschneidest,“ riet Sabrina ihrem Schulfreund ehe sie sich auf den Weg zu den Schlafräumen machten und jeder sein Zimmer betrat.

Lucas versteckte den Dolch schnell unter einer Bettdecke ehe er sich für die Nacht umzog. Am liebsten hätte er dies nicht getan aber wie hätte er erklären sollen dass er vollständig bekleidet zu Bett ging?

Andy saß bereits auf seinem Bett und gähnte. „Also diese Wanderung war wirklich anstrengend. Eigentlich hast du es richtig gemacht als du behauptet hast du wärst krank! Und Sabrina auch. Das mache ich das nächste Mal genauso. Der Tegemann hat uns die ganze Zeit den Berg hoch gescheucht. So was mag ich nicht. Bergab macht mehr Spaß!“

„Finde ich auch, aber wenigstens macht es müde. Ich werde diese Nacht bestimmt schlafen wie ein Baby!“, stimmte Tobias seinem Klassenkamerad zu und kletterte in das Bett über dem vom Mirko der schweigend da saß und mit blassem Gesicht aus dem Fenster sah. „Es wird schon dunkel,“ wimmerte er auf einmal und Andy grinste ihn an.

„Klar, und dann kommen die bösen Buh-Geister und holen den armen kleinen Mirky. Also ich muss dich warnen, schalte niemals im Fernsehen das Kinderprogramm für die Vier bis Sechsjährigen ein. Da wimmelt es nur so vor kleinen Geistern, Vampirchen, Schwämmen die sprechen können....“

„Sei doch ruhig, du hast keine Ahnung!“, maulte Mirko und zog sich seine Bettdecke über den Kopf. „Ich will nach Hause!“

„Ich auch,“ dachte Lucas und dachte darüber nach ob er sich nicht einfach aus dem Staub machen sollte. Er könnte sich anziehen und einfach davon schleichen. Dann würde keine Skelett-Statue Nachts in sein Zimmer schleichen und die Hand nach ihm ausstrecken.

Aber wie sollte er das den Lehrern und seinem Vater erklären? Niemand würde ihm glauben wenn er behauptete er habe einfach Heimweh gehabt. Die Wahrheit würde man sogar noch viel weniger glauben. Und was war mit Andy, Sabrina und Meike? Die mussten noch diese und die nächste Nacht in dieser Burg überstehen.

„Jetzt könnte ich Jonas gut gebrauchen, wenigstens würde er mir glauben. Auch wenn ich mich über ihn geärgert haben, im Angesicht des Todes oder einer Skelett-Dämonenstatue sollte das keine Rolle spielen....aber leider kann ich ihn nicht erreichen, genau so wenig wie irgend jemand anderen! Und irgendwie wäre es doch auch blöd von mir. Klar, er hat auch Mist gebaut. Aber trotzdem....Erst schnauze ich ihn an wegen dieser ganzen Statuen-Geschichte, rede nicht mehr mit ihm, und dann rufe ich um Hilfe.....wenn er nicht helfen würde könnte ich das sogar verstehen.“, dachte Lucas und kletterte in sein Bett.

Herr Tegemann sah noch einmal in das Schlafzimmer. Wieder trug er seinen Teddybärschlafanzug und die Hasenpuschen an den Füßen und er grinste als er Lucas Blick bemerkte. 

„Da haben sich meine Töchter zu Weihnachten einen Scherz erlaubt und mir das geschenkt. Dann haben wir Karten gespielt und ich musste versprechen das anzuziehen wenn ich auf Klassenfahrt gehe. Jedenfalls wenn ich das Spiel verliere.....“

„Und Sie haben verloren,“ stellte Andy fest und schwor sich gerade offenbar niemals mit einem weiblichen Wesen Karten zu spielen.

„Ganz genau,“ sagte der Lehrer und verließ den Raum nachdem er das Licht ausgeschaltet hatte.

Während Andy und Tobias langsam zur Ruhe kamen lag Lucas mit offenen Augen da und hielt den Griff des Dolches fest umklammert. Er fragte sich ob er damit überhaupt etwas gegen den Dämon ausrichten konnte sollte dieser im Zimmer erscheinen.

Die Uhr schlug gerade elf Uhr als Mirko sich im Bett aufsetzte. „Ich halte das nicht mehr aus, ich verschwinde von hier!“, zischte er und erhob sich. Schnell schlüpfte er in seine Hose und sein T-Shirt und suchte im Dunkeln nach seinen Schuhen.

„Du kannst doch nicht wirklich von hier abhauen! Das geht nicht!“, wandte Lucas ein der sich ebenfalls hingesetzt hatte aber Mirko blieb bei seinem Entschluss.

„Das Ding kommt erst zur Geisterstunde. Ich haue jetzt ab, den Berg runter ins Dorf. Da rufe ich mir in der Dorfkneipe ein Taxi und fahre nach Hause. Meine Eltern können die Taxirechnung ja bezahlen. Aber hier bleibe ich keinen Moment länger! Ich will nicht von diesem Rotauge in Stücke gerissen werden!“

„Er reißt dich nicht in Stücke sondern tötet dich und stiehlt deine Seele,“ korrigiere Lucas in Gedanken seinen langjährigen Feind mit einem Anflug von Galgenhumor. 

Aber da diese Aussicht nicht wirklich verlockender war behielt er seine Bemerkung für sich während Mirko aus dem Zimmer stürmte. 

Lucas überlegte einen Augenblick, dann folgte er seinem verhassten Mitschüler. Jedoch als er sich fertig angezogen hatte war Mirko bereits verschwunden.

„Sicherlich ist er schon auf halbem Weg ins Dorf,“ dachte Lucas und zuckte zusammen als er ein Geräusch hörte. 

Es war doch noch nicht Mitternacht, oder? Seine Finger, die den Griff des Dolches umfasst hielten, verkrampften sich. Doch dann sah er dass nur eines der Mädchen einen der Schlafräume verließ und zur Toilette ging.

„Sabrina!“, rief Lucas erleichtert und sie zuckte zusammen. „Musst du hier mitten in der Nacht herum schleichen? Ich wollte nur schnell zum Klo. Ich muss ganz dringend und noch ist es ja nicht Mitternacht und ich will nicht ins Bett machen....“

„Dann geh schnell, ich warte so lange!“, sagte Lucas während Sabrina im Bad verschwand.

Währenddessen hatte Mirko das Burgtor erreicht nachdem er den nächtlichen Burghof überquert hatte. 

Im Dunkeln wirkte der mittelalterliche Bau noch unheimlicher als bei Tageslicht und leichter Nebel wabberte über den Boden.

„Ich hab Schiss! Ich will sofort nach Hause! Es ist mir egal ob alle mich auslachen. Ich will hier weg,“ dachte Mirko und seine Gedanken wanderten kurz zu seiner Freundin Jennifer. „Die muss selbst sehen wie sie zurecht kommt falls die Statue bei ihr auftaucht, das ist ihr Problem!“

Über seine beiden besten Freunde Lutger und Frank dachte er ähnlich. Hauptsache er kam lebend aus dieser Burg heraus und erreichte die sichere Dorfkneipe.

Eine Hand legte sich auf seine Schulter und Mirko schrie kurz auf. Er drehte sich um aber keine Statue stand hinter ihm sondern Herr Bender, der Herbergsleiter.

„Wo willst du denn hin, mein Junge? Das ist gefährlich hier mitten in der Nacht herum zu laufen! Jetzt kommst du erst einmal mit herein und dann sagst du mir was dir Sorgen macht. Du erwähntest heute Nachmittag bereits etwas. Dass du dich bedroht fühlst. Glaub mir, ich kann dir bei deinem Problem helfen und bald brauchst du keine Angst mehr zu haben!“

Der Mann klang sehr verständnisvoll und Mirko nickte. Vielleicht konnte Herr Bender ihn ja mit ins Dorf nehmen, wohnte er nicht dort? Er folgte dem Herbergsleiter zurück in die Burg.

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