Kapitel 111

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Julia erfuhr durch einen Anruf von Sebastians Mutter was geschehen war. Diese hatte sich verzweifelt an die Ex-Freundin ihres Sohnes gewandt da sie nach Erklärungen für sein Verhalten suchte. Hatte er die Trennung nicht verkraftet? War irgend etwas vorgefallen?

Doch Julia konnte der verzweifelten Mutter nicht weiter helfen. Was hätte sie auch sagen sollen? „Unsere Trennung hat nichts mit dem merkwürdigen Verhalten Ihres Sohnes zu tun. Aber er hat es einfach nicht verkraften können dass es Dämonen auf der Welt gibt die in Statuen fahren und ihm seine Seele rauben könnten. Das ist alles?“

Nein, das hätte sie nicht sagen können. Schließlich erwähnte Sebastian es selbst bereits zur Genüge wie sie erfuhr. 

Er hatte sich vor zwei Tagen, als seine Eltern seine Wohnung betraten und er sie für Dämonenstatuen hielt, aus Versehen selbst ins Bein geschossen und war ins Krankenhaus gekommen. Man hatte ihn operieren müssen da die Kugel leider noch in seinem Oberschenkel steckte. Das hatte Sebastian gut überstanden. 

Viel größere Sorgen bereitete den Ärzten und seinen Eltern aber sein Geisteszustand. Er sprach unentwegt von Dämonen die die Menschen heimsuchten. Litt er an einer Psychose? An Wahnvorstellungen oder Verfolgungswahn? Nun lag er in der psychiatrischen Abteilung des städtischen Krankenhauses und würde in Kürze in ein anderes Krankenhaus, eines das sich auf psychische Erkrankungen spezialisiert hatte, eingewiesen werden.

„Armer Sebastian, sicherlich hat er auf die ganzen Ereignisse sehr heftig reagiert und braucht Hilfe. So wie ein Opfer eines Überfalls Hilfe braucht. Aber diesen Menschen glaubt man wenigstens und man hilft ihnen ihre Ängste zu verarbeiten und die Folgen zu überwinden. Jedenfalls sollte es so sein. Aber Sebastian glaubt man ja nicht einmal das das wovor er Angst hat existiert! Wahrscheinlich werden sie ihm irgend welche Pillen geben. Er tut mir wirklich leid....“, dachte Julia und sagte es auch als sie am Telefon mit ihrer Freundin Britta darüber sprach. 

„Armer Sebastian,“ seufzte diese. „Und niemand glaubt ihm. Aber ein wenig verstehe ich auch dass er Angst hat. Ob du es glaubst oder nicht, Dennis und ich sind durch den ganzen Ort in dem wir jetzt wohnen gefahren und haben geguckt ob irgendwo Statuen stehen. Es gibt zum Glück nur zwei kleine Engelchen auf dem Friedhof, auf Kindergräbern. Als ich die sah habe ich auch gleich angefangen zu weinen. Aber das sind ganz sicher keine Dämonen sondern Statuen die traurige Eltern vor drei Jahren da hin gestellt haben. Sonst gibt es im Ort keine Statuen und auch keine merkwürdigen Todesfälle. Jedenfalls nichts was Aufsehen erregt hätte. Ich habe mich deswegen sogar mit der schlimmsten Klatschbase im ganzen Ort unterhalten und sie ausgefragt. Sie war froh über alles und jeden tratschen zu können. Ich weiß nun dass Oma Schulze in ihrer Jugend was mit Opa Bergmann hatte. Und dass der Dackel von Herrn Etterbusch immer auf den Rasen von Frau Frings kackt. Und dass die Frisörin eine feste Freundin statt einem Freund haben soll auch wenn das bislang niemand beweisen konnte. Aber Todesfälle gibt es bei uns zum Glück keine!“

„Da hast du wirklich Glück gehabt. Ich glaube wir haben von den Dingern auch wirklich genug im Leben gesehen,“ antwortete Julia und kurz darauf beendeten die Freundinnen ihr Gespräch.

Julia legte sich auf ihr Bett und dachte über all das nach was in der letzten Zeit geschehen war. Sie machte sich noch immer Vorwürfe wegen Gerrit aber nicht nur das nagte an ihrem Gewissen. 

„Die Toten in Hedenburg. Es gab dort mehrere Todesfälle durch die Statuen des Direktors. Hätte ich ihm nicht gesagt wo Gerrit steckt und dann so lange den Mund gegenüber Jonas und den anderen gehalten dann wäre er nicht da hin gezogen. All diese Leute könnten noch leben......aber das wollte ich doch nicht. Ich wollte nicht dass jemandem etwas geschieht!“

Es gab Momente da fraßen ihre Schuldgefühle sie fast auf und sie brachte kaum einen Bissen herunter.

„Die Statuen hätten auch ohne meinen Verrat und meinen anschließenden schlimmen Fehler Menschen getötet. Da bin ich mir sicher. Fast jedenfalls. Dann wären nicht in Hedenburg sondern in meiner Stadt oder irgend wo anders Leute gestorben. So oder so hätte es Tote gegeben, ob mit oder ohne mich und dass ich nicht die Klappe halten oder sie im richtigen Moment aufmachen konnte....“

Damit versuchte sie sich zu beruhigen wenn ihr schlechtes Gewissen und ihre Schuldgefühle sie wieder einmal zu erdrücken schienen. 

Konnte sie das überhaupt jemals wieder gut machen? Andererseits, der Direktor war doch der Verbrecher gewesen. Musste er denn unbedingt die Menschen in Hedenburg töten? Sie hatten ihm doch nichts getan und nur weil er ihnen irgendwelche Vergehen an lastete waren sie gestorben. Er hätte es doch nicht tun brauchen. War er nicht der eigentliche Verbrecher? Milderte das ihren Anteil der Schuld ein wenig?

Sie wusste keine Antwort auf diese Fragen. Manchmal wäre sie am liebsten zur Polizei gegangen und hätte sich angezeigt. 

Beihilfe zum Mord. Doch man hätte ihr wohl kaum geglaubt und selbst wenn die Dämonen menschliche Killer gewesen wären hätte man sie wohl nicht wegen Beihilfe angeklagt. „Vielleicht ist es ja meine Strafe dass ich für immer mit dieser Last leben muss,“ dachte Julia.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!