Kapitel 191

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Zwei Stunden später saß auch Michaela dem Privatermittler gegenüber. 

„Herr Paulsen, Sie sagten, ich solle unbedingt früher kommen? Es sei dringend? Und warum wollten Sie jetzt das Geburtsdatum meines Freundes wissen?“, erkundigte sich die junge Frau nervös.

Der Ermittler sah sie ernst an. „Weil Ihr Freund heute Vormittag bei mir war. Er hat mich gebeten, Ihnen zu sagen, dass ich davon ausgehe, dass Ihre Schwester bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen ist. Aber daran hatte ich ja schon ein paar Zweifel. Zuerst dachte ich wirklich, er handelt nur aus Sorge um Sie, aber dann fiel mir die Beschreibung ein, die mir die Nachbarin von Monikas Besucher gegeben hat....“

„Sie glauben, dass Stefan etwas damit zu tun hat? Aber das....ich meine, es gibt doch noch mehr dunkelhaarige Männer in Deutschland. Da kommen siebzig Prozent der männlichen Bevölkerung in Frage!“, sagte Michaela fassungslos.
Der Ermittler schüttelte den Kopf. „In dem Fall gehe ich wirklich davon aus, dass er etwas damit zu tun hat. Er hat mir sogar 3.000,00 Euro gegeben, damit ich Sie belüge und den Fall abschließe! Ich habe den Umschlag in meiner Schublade liegen und kaum angefasst. Für den Fall, dass wir Fingerabdrücke brauchen.“

Michaela wollte es nicht wirklich glauben. So etwas sollte ihr Freund getan haben? „Ich glaube es einfach nicht. Stefan hat Sie bestochen? Damit Sie mir sagen, Monika sei bei einem Unfall gestorben? Aus Sorge? Und auf ihn passt die Beschreibung der Nachbarin? Aber wie ich schon sagte, es gibt noch weitere Männer, auf die die Beschreibung zutreffen würde. Und auch wenn die Sache mit der Bestechung nicht richtig war und ich ihm darum etwas erzählen werde, glaube ich nicht....“

„Ich habe einen Freund bei der Polizei. Manchmal....hilft er mir. Eigentlich darf er das nicht, aber er hat mir etwas zu gefaxt! Ich hab ihn gebeten, Stefans Namen und sein Geburtsdatum einmal in den Computer einzugeben. Wegen Vorstrafen und solchen Dingen. Und jetzt sehen Sie einmal, was mein Bekannter mir vor einer halben Stunde zu gefaxt hat!“

Herr Paulsen reichte Michaela ein Din-4 Blatt und sie starrte voller Schrecken darauf. „Ich kann es nicht glauben! Er ist bereits zweimal vorbestraft wegen Sachbeschädigung und einmal wegen Körperverletzung....“

Herr Paulsen seufzte. Es war ihm anzusehen, dass ihm die junge Frau, die auf der anderen Seite des Schreibtisches saß, leid tat. „Einmal 1999 und einmal 2001. Beide Male hat er Statuen schwer beschädigt. Sie waren zerbrochen. Wie er das geschafft haben soll, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich hat er sie umgestoßen, was genaueres geht hier ja nicht hervor. Beim letzten Mal wurde außerdem ein älterer Herr verletzt, Ihr Freund hat ihn anscheinend angegriffen. Er wurde zu eher geringen Geldstrafen verurteilt. Seitdem gibt es keine Einträge mehr. Aber vielleicht....Ihre Schwester wurde neben einer zerstörten Statue gefunden. Vielleicht wollte sie ihn davon abhalten, diese zu beschädigen und er hat sie angegriffen. Möglicherweise hat er sie gestoßen und sie ist unglücklich gestürzt. Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass er in die Angelegenheit verwickelt ist.“

Michaela war blass geworden und Herr Paulsen griff nach einem Glas und schüttete aus einer Flasche Wasser hinein.
„Hier, trinken Sie das. Und jetzt sollten wir überlegen, wie wir vorgehen. Eigentlich sollten wir damit zur Polizei gehen, damit sie ihre Ermittlungen wieder aufnehmen. Dann wird sich heraus stellen, was Ihr Freund mit dem Tod Ihrer Schwester zu tun hat.“

„Er ist...nicht mein Freund. Er hat sich an mich heran gemacht. Vielleicht wollte er sichergehen, dass ich oder irgendwer nicht heraus findet, was er getan hat. Ich habe ihn das erste Mal auf dem Friedhof getroffen, in der Nähe von Monikas Grab....“, stammelte Michaela und schien den Tränen nahe zu sein.

Herr Paulsen reichte ihr ein Taschentuch. „So etwas hört man immer wieder, dass sich Täter in der Nähe der Angehörigen ihrer Opfer aufhalten. Allerdings könnte es wirklich ein Unfall gewesen sein. Möglicherweise hatte Ihr Freund den Tod Ihrer Schwester nicht beabsichtigt und ihn plagen nun Schuldgefühle.“

„Rufen Sie bitte die Polizei an, Herr Paulsen,“ bat Michaela unglücklich. „Wenn Stefan etwas damit zu tun hat, dann....wie soll ich das eigentlich meinen Eltern beibringen? Die mögen ihn doch auch.“

„Es tut mir wirklich leid,“ sagte der Privatermittler bedauernd. 

Michaela nickte. „Mir auch. Aber so ist es vielleicht besser. Wenn ich mir vorstelle, wir wären noch länger zusammen geblieben, dann wäre alles nur noch schlimmer geworden. Vielleicht hätte er mir auch irgendwann etwas angetan. Ich will gar nicht so genau wissen, was er meiner armen Schwester angetan hat!“


Stefan hatte sein Schwert in den Kofferraum seines Wagens geräumt. In der Schweiz trieb eine Dämonenstatue in einem Park ihr Unwesen und schien es auf die Angestellten eines nahen Bürokomplexes abgesehen zu haben. Drei Tote hatte es in den letzten fünf Wochen gegeben und  niemand konnte sich erklären, warum die Angestellten plötzlich das Bedrüfnis gehabt hatten, bei Nacht im Park spazieren zu gehen.

Dank seiner teuren Satellitenanlage hatte Stefan einen Fernsehbeitrag eines Schweizer Regionalssenders gesehen.
„Jonas hat kein Satelittenfernsehen, jedenfalls nicht dass ich wüsste. Hoffentlich weiß dieser Depp noch nichts davon. Sonst kommt er noch am Ende auf die Idee, wieder einmal sein Helfersyndrom aus zu leben und mir ein Geschäft kaputt zu machen. Morgen muss Michaela zu einer Schulung und da werde ich einen Abstecher in die Schweiz machen. Sicherlich lässt sich da einiges verdienen und ich werde mit der Kohle einen schönen Urlaub in der Dominikanischen Republik machen. Zusammen mit Michaela. Die hat neulich gesagt, dass sie da mal hin will,“ dachte Stefan an seine künftigen Pläne, mit denen er seine Urlaubskasse aufbessern wollte.

Stefan kehrte in seine Wohnung zurück und füllte gerade Kaffeepulver in die Kaffeemaschine, als es an seiner Tür klingelte. 
„Das wird Michaela sein,“ dachte er und öffnete. Doch statt dessen standen zwei Männer vor ihm und einer hielt ihm einen Ausweis vor die Nase.

„Mordkommission?“, las Stefan erschrocken. Warum waren die beiden hier?
„Herr Wagner? Stefan Wagner? Wir hätten da ein paar Fragen an Sie! Bitte begleiten Sie uns doch auf unser Revier!“, sagte einer der beiden Polizeibeamten und musterte ihn von oben bis unten.

„Worum geht es denn?“, erkundigte sich Stefan vorsichtig?

„Es geht um Frau Monika Brenner, die Schwester Ihrer momentanen Freundin Michaela! Wir müssten Ihnen wirklich ein paar Fragen stellen. Und bitte kommen Sie jetzt mit!“, sagte der ältere der beiden Beamten ein wenig ungehalten.

„So ein Mist! Der Möchtegern-Sherlock-Holmes hat sich nicht an unsere Abmachung gehalten. Und jetzt sind sie erst recht auf mich gekommen,“ dachte Stefan und warf einen Blick ins Wohnzimmer. 

Leider boten der Balkon oder eines seiner Fenster keinen Fluchtweg, dafür lag seine Wohnung zu hoch.

„Ich komme mit,“ sagte er und gab scheinbar nach. 

Wenigstens legten sie ihm nicht sofort Handschellen an und stopften ihn in einen Polizeiwagen. Wie war das noch einmal? Er hatte die ganze Sache doch mal während seines abgebrochenen Jurastudiums gelernt. Noch galt er lediglich als Zeuge bzw. möglicher Tatverdächtiger. Allerdings konnte sich das schnell ändern und er dachte gar nicht daran, den beiden oder irgend welchen Kollegen auf dem Revier Rede und Antwort zu stehen. Außerdem stand ihm doch ein Anwalt zu. Aber den würde er nicht brauchen.....

Gemeinsam mit den Polizisten verließ Stefan das Haus und einer von ihnen deutete auf sein Auto. Es handelte sich nicht um einen Polizeiwagen, sondern ein ziviles Fahrzeug. 

Nun reagierte Stefan schnell. Er rammte dem einen Beamten seine Faust ins Gesicht. Der überraschte Mann ging zu Boden. Dann stieß Stefan dessen Kollegen zur Seite und versetze ihm einen heftigen Tritt in den Magen.

„Die sind noch viel leichter zu bekämpfen als Statuen,“ dachte Stefan und lief zu seinem Auto. 

Schnell öffnete er die Tür, stieg ein und startete den Motor, während die beiden Polizeibeamten sich gerade wieder auf rappelten.

Der Ältere hielt sich seine blutige Nase, während der andere zu seinem Auto kroch um Verstärkung zu rufen.

„Der Kerl ist uns entwischt,“ fluchte der Beamte mit der blutigen Nase wütend. „Aber den kriegen wir. Wir haben das Kennzeichen. Wenn der sich bei der Frau auch so benommen hat, dann wissen wir ja, wie sie gestorben ist.“

„Ich sag den Kollegen Bescheid, dass nach dem gefahndet wird. Und dass er gefährlich ist. Sie sollen sich auf einiges einstellen,“ antwortete der andere Beamte, während sie Stefans davon brausendem Wagen hinterher sahen.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!