Kapitel 103

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Der Morgen dämmerte bereits, als im Krankenhaus das alltägliche Leben begann. 

Jonas, der auf den unbequemen Besucherstühlen eingedöst war, öffnete die Augen und sah zwei Krankenschwestern an sich vorbei eilen.

Ein Mann und eine schwangere Frau betraten die Eingangshalle und machten sich auf in die Richtung die mit „Kreissaal“ ausgeschildert war während eine Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm in Richtung Kinderstation eilte.

Ein älterer Herr mit einem Gipsbein fuhr in einem Rollstuhl an ihm vorbei in die nun offene Cafeteria.

„Ich trinke jetzt erst mal einen heißen Kaffee und gönne mir ein Brötchen. Und dann sehe ich nach Ingo,“ dachte Jonas. 

Er betrat die Cafeteria und suchte sich einen freien Platz. Überwiegend saßen Pfleger und Krankenschwestern dort und gönnten sich offenbar eine kurze Frühstückspause.Eilig tranken sie ihren Kaffee.

„Viel Zeit zum Frühstücken haben die hier auch nicht,“ dachte Jonas als sich zwei Krankenschwestern zu ihm an den Tisch setzten. 

„Entschuldigen Sie bitte, ist hier noch frei?“, fragte eine von ihnen freundlich und er nickte.

Sie war vielleicht Anfang vierzig und trug ihr schwarzes Haar als modische Kurzhaarfrisur. Ihre Kollegin war ein wenig älter als sie und hatte sich ihr Haar zu einem blonden Dutt hoch gesteckt.

„Also das war schon etwas heute morgen als ich meine Saskia zum Kindergarten gebracht habe, die war richtig traurig,“ berichtete die dunkelhaarige Schwester und die andere sah sie neugierig an.

„Was war denn mit deiner Tochter?“, erkundigte sie sich und goss sich ihren Kaffee ein.

„Auf dem Weg zum Kindergarten müssen wir doch an dieser weißen Kirche vorbei. Und da hat sie bitterlich geweint. Max und Moritz sind kaputt! Die lagen zertrümmert in einer Ecke!“

„Max und Moritz? Du meinst diese niedlichen beiden Mönche? Wer macht den so was? Die mochte ich als Kind immer schon ganz gerne. Auch wenn meine Oma immer meinte man solle bei Nacht nicht zu denen gehen. Aber bei Tag waren die immer so putzig. Vor allem das Bierbäuchlein von dem einen...“

„Ja, meine Saskia mochte die auch gerne. Armer Max, armer Moritz,“ seufzte die andere Krankenschwester.

„Max und Moritz, wie niedlich, ach wie süß, sie klauen Seelen,“ dachte Jonas spöttisch. Aber für die Kindergartenkinder und deren Eltern oder andere Passanten musste es ja so aussehen als habe er ein paar harmlose, hübsche und beliebte Statuen zerstört....

Nachdem er seinen Kaffee getrunken hatte verließ Jonas die Cafetria und machte sich auf den Weg zu Ingos Zimmer. 

„So früh sind hier eigentlich keine Besucher erwünscht,“ schimpfte eine müde wirkende Krankenschwester als er das Krankenzimmer betreten wollte.

„Ich habe die halbe Nacht hier gesessen und gewartet. Und ich möchte auch nicht bleiben sondern eigentlich meinen Kollegen abholen!“, antwortete Jonas so freundlich er konnte und schließlich nickte die Schwester. „So lange Sie nicht stören......“

Jonas betrat das Zimmer in dem außer Ingo noch ein weiterer Patient lag. Dieser las eine Zeitung und nickte ihm kurz grüßend zu.

Jonas wandte sich an Ingo. Dieser saß, vollständig bekleidet, auf seinem Bett und starrte vor sich hin.

„Ingo, geht es wieder? Kannst du mit nach Hause kommen?“, erkundigte sich Jonas besorgt. Ingo sah blass aus aber allzu verwunderlich war dies ja nicht nach den Erlebnissen der letzten Nacht.

„Ich fahre mit Ute. Ich habe sie angerufen und sie holt mich ab!“, antwortete Ingo knapp.

„Aber deine Freundin braucht doch nicht den ganzen weiten Weg nach München zu kommen,“ wandte Jonas ein. „Du kannst doch mit mir mitfahren!“

Ingo schüttelte den Kopf und sah Jonas fast schon ängstlich an. „Nein, ich bleibe hier bis Ute kommt. Und ich glaube du gehst jetzt auch besser....“

„Bist du böse auf mich wegen letzter Nacht? Ich wollte nicht dass so was passiert und als ich sah dass dieser Dämon auf dir saß bin ich gekommen so schnell es ging. Schneller war es leider nicht möglich,“ flüsterte Jonas und warf einen besorgten Begriff auf den anderen Patienten. 

Doch dieser hatte sich die Kopfhörer aufgesetzt und hörte Musik während er in seiner Zeitung lag.

„Ich bin dir nicht böse, aber.....bitte geh jetzt,“ sagte Ingo unbehaglich und rückte ein Stück weg als Jonas sich zu ihm aufs Bett setzen wollte. „Geh jetzt!“, sagte er ein wenig lauter als die Krankenschwester, die einige Spritzen auf einem Tablett trug, herein kam.

„Sie stören also doch! Ich habe gerade den Arzt getroffen, Herr Steingruber wird nachher von seiner Lebensgefährtin abgeholt. Und Sie sehen doch dass er sich in Ihrer Gesellschaft nicht allzu wohl fühlt. Also gehen Sie wirklich besser!“, forderte sie Jonas zum Gehen auf und deutete auf die Tür ehe sie sich an den anderen Patienten wandte. „Wir müssen noch mal Blut abnehmen,“ teilte sie diesem mit.

„Soll ich wirklich von hier verschwinden?“, erkundigte sich Jonas traurig bei Ingo und dieser nickte, antwortete aber nicht sondern sah Jonas statt dessen wieder mit diesem ängstlichen Blick an.

„Ich habe ihm doch nichts getan, das war diese Statue,“ dachte Jonas als er das Krankenhaus verließ und sich auf den Heimweg nach Köln machte. 

„Ich werde am Montag auf der Arbeit mit Ingo sprechen. Momentan ist er wohl ein wenig durcheinander. Aber was hat er plötzlich gegen mich? Ich habe doch wirklich nichts getan und wollte nicht dass ihm etwas geschieht.....“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!