Kapitel 176

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Besorgt sah Georg auf seinen Sohn der sich auf sein Bett gelegt hatte und eine Hand an die Stirn hielt.

„Lucas, was ist los? Hast du Kopfschmerzen?“

„Ja,“ sagte Lucas mit kläglicher Stimme und bereute es sofort denn Georg sah ihn fast schon ängstlich an.

„Deinem Kopf ging es doch schon wieder besser! Nicht dass das noch Nachwirkungen von deiner Gehirnerschütterung sind! Wir sollten besser zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen!“

Lucas schüttelte den Kopf. „Nein, es hat nichts mit meiner Gehirnerschütterung zu tun. Ich bin einfach nur ein wenig spät ins Bett gekommen und hab nicht so gut geschlafen!“

„Du solltest dich wirklich noch ein wenig schonen. Sicherlich habt ihr die halbe Nacht über ferngesehen! Ruh dich aus,“ sagte Georg mitleidig und drückte sanft den Arm seines Sohnes dem es vor lauter schlechtem Gewissen fast wieder übel wurde.

Dass sein Vater sich solche Sorgen machte ging ihm nahe. „Er macht sich wirklich was aus mir. Und wenn ich ihm jetzt sage dass ich einfach nur einen Kater habe weil ich in der Disko war und zu viel Wodka Lemon getrunken habe? Dann ist er sicherlich total enttäuscht....“

„Sag mal, rauchen Andys Eltern eigentlich? Deine Kleidung riecht so nach Zigarettenqualm. Ich dachte immer die wären Nichtraucher?“, erkundigte sich Georg und verzog das Gesicht.

„Nein, die rauchen nicht....,“ sagte Lucas unglücklich und sein Vater verließ nun endlich das Zimmer. „Wenn das mit deinen Kopfschmerzen nicht besser wird dann fahren wir zum Arzt! Mit so was soll man nicht spaßen,“ sagte Georg und Lucas hätte sich am liebsten unter seiner Bettdecke verkrochen.

Während Lucas sich von seinem Ausflug erholte saßen sich Julia und Jonas am gleichen Abend in einem italienischen Restaurant in der Nähe der St. Andreas Kirche gegenüber.

„Also ich nehme was  Überbackenes mit Nudeln,“ sagte Julia während Jonas die Speisekarte nach einer geeigneten Pizza durchsuchte.

In diesem Moment schlug die Kirchturmuhr und Julia zuckte unbehaglich zusammen. „Das klingt noch genau so unheimlich wie früher. Wenn wir Schulmesse hatten. Und nachdem wir wussten was da wirklich los war....“

„Es ist vorbei! Jetzt ist es einfach nur noch eine Kirche mit einer ganz gewöhnlichen Glocke,“ versuchte Jonas seine Begleitung zu beruhigen.

„Trotzdem, es macht mir immer noch Angst. Ich will immer noch nicht im Dunkeln da vorbei gehen. Ich war vor vier Wochen noch mal im „Mallorca“. Und da hab ich einen Umweg zum Taxistand gemacht, durch die helle Fußgängerzone. Um nichts in der Welt wäre ich da allein vorbei gegangen!“

„Allein solltest du sowieso nicht Nachts durch die Stadt laufen, von irgendwelchen Dämonen mal ganz abgesehen,“ stellte Jonas mit gerunzelter Stirn fest. „Hier treiben sich immerhin auch Leute rum die einen ganz gerne überfallen oder so. Da stand doch neulich was in der Zeitung. Drei Jugendliche haben eine alte Dame am hellichten Tag im Kaufhaus auf der Toilette überfallen und ihr das Portemonaie geklaut!“

„Ich gehe auch nicht mehr allein weg. Aber da musste ich einfach mal raus. Und mit Britta und Dennis ist ja nichts mehr anzufangen! Britta redet nur noch über Babys. Irgendwie ist das zwar niedlich. Aber sie interessiert sich für gar nichts anderes mehr. Und Dennis geht nicht ohne Britta aus....“, sagte Julia seufzend.

Jonas lachte. „Also wenn du eine Begleitung suchst, wir beide können nächste Woche gerne mal in die Disko gehen. Von mir aus auch hier ins „Mallorca“ obwohl es in Köln bessere Diskos gibt.“

Mit einem bösen Lächeln fügte er hinzu : „Vorausgesetzt natürlich es ist dir nicht zu peinlich mit mir da hin zu gehen! Es könnte uns ja jemand sehen.....“

Julia stimmte nicht in sein Lachen mit ein. Statt dessen griff sie nach seiner Hand. „Jonas, vergiss das endlich. Ich gehe gerne mit dir irgendwo hin.“

Jonas erwiderte den Händedruck. „Ich mit dir auch!“

Nach dem Essen brachte Jonas Julia nach Hause und während der Heimfahrt dachte er an den Abend.

„Irgendwie hat sich zwischen Julia und mir was verändert. Es gab Zeiten da hätte ich sie am liebsten mit dem Gesicht ins Klo getaucht oder ihr heimlich die Haare abgeschnitten. Und umgekehrt war es genau so. Aber jetzt....wo soll das noch hin führen?“

Ein weiterer Gedanke kam Jonas und das Lächeln das seine Lippen umspielt hatte verschwand. „Soll ich ihr erzählen dass ich zum Teil ein Dämon bin? Bevor es wirklich ernst zwischen uns wird?“

Am späten Nachmittag des nächsten Tages betrat Stefan den Friedhof. Er wusste selbst nicht wirklich warum er gekommen hatte. Warum nur zog es ihn erneut an diesen Ort? Zu Monikas Grab?

„Es war ein dummer Unfall und der war nicht beabsichtigt!“, sagte er sich selbst und setzte sich schließlich auf die gleiche Bank im Schatten auf der er bei seinem letzten Besuch gesessen hatte.

„Was ist nur los mit mir? Erst mache ich mir Gedanken ob es richtig war was ich mit Lucas und Jonas abgezogen habe und dann erledige ich sogar umsonst einen Dämon! Mit mir stimmt wohl irgend was nicht!“

Tatsächlich hatte Stefan einen Dämon der auf einem Feld in Bayern sein Unwesen trieb besiegt und keine Bezahlung dafür angenommen. Dabei hatte er noch ein paar Möchtegerndämonenjägerinnen das Leben gerettet.*

Er schmunzelte bei dem Gedanken. „Die werden niemals eine Konkurrenz für mich sein, im Gegensatz zu Jonas!“

„Kann ich mich zu Ihnen setzen?“, erklang eine Stimme neben ihm und er sah auf. Er erkannte die junge Frau die er beim letzten Mal auf dem Friedhof getroffen hatte. Monikas Schwester.

„Sicher, setzen Sie sich ruhig,“ sagte er und schenkte ihr ein kurzes Lächeln.

Sie trug ein Jeanskleid das ihr fast bis an die Knöchel reichte und hatte sich ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden.

„Waren Sie wieder am Grab Ihres Onkels?“, erkundigte sich die junge Frau und Stefan sah sie einen Augenblick erstaunt an. 

„Onkel?“, fragte er ehe es ihm die Geschichte wieder einfiel die er ihr bei ihrem letzten Treffen erzählt hatte.

„Ja, sicher. Ich war am Grab meines Onkels,“ sagte er schnell und sie nickte. „Ich habe meine Schwester wieder besucht. Arme Monika, unsere Mutter ist jetzt zur Kur gefahren, sie braucht dringend ein wenig Erholung. Dort werden sich hoffentlich auch ein paar auf Trauerfälle geschulte Leute um sie kümmern. Es geht ihr immer noch sehr schlecht!“

„Das tut mir sehr leid,“ sagte Stefan unbehaglich aber sie schüttelte den Kopf. „Ich will Sie nicht mit diesen Dingen belasten. Wir kennen uns ja gar nicht und ich jammere Fremden normalerweise nicht die Ohren voll!“

„Das ist schon in Ordnung,“ sagte Stefan und fühlte sich immer unwohler in seiner Haut. „Wenn die wüsste dass ich....nein, ich bin nicht Schuld an Monikas Tod. Diese Statue war schuld. Wegen ihr ist sie hingefallen. Und warum musste sie auch über ihre eigenen Füße stolpern als das Ding sie an sprang? Warum hat sie keine anderen Schuhe angehabt sondern die Dinger mit dem kleinen Absatz? Das hätte gar nicht passieren dürfen! Ich hätte die Statue schon noch rechtzeitig erledigt.....“

„Dieser Friedhof macht mich traurig. Möchten Sie mit mir einen Kaffee trinken gehen? Fünf Minuten von hier entfernt gibt es einen kleine Biergarten. Dort könnten wir auch etwas essen.....“, sagte die Frau und Stefans erster Impuls war es diese Einladung abzulehnen.

Enttäuscht sah die junge Frau ihn an. „Entschuldigen Sie bitte. Ich wollte nicht aufdringlich sein. Aber wie ich sehe tragen Sie keinen Ehering. Und da dachte ich es wäre....“

„Aber ich bezahle den Kaffee und das Essen,“ sagte Stefan und nahm ihre Einladung damit an. Sie lächelte ihn freundlich an. „Beim Essen können wir uns in Ruhe unterhalten. Ich heiße übrigens Michaela.“

* siehe „Dämonische Statuen, Jessicas Geschichte“, Kapitel 38. Für den Verlauf dieser Geschichte ist es allerdings nicht nötig die andere zu lesen. Stefan kam dort drei Dämonenjägerinnen, unter anderem Jonas Ex-Freundin Jessica, zur Hilfe als die fast von einem Dämon besiegt wurden.

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