Kapitel 22

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Einen Tag später stand Lucas mit einer Reisetasche im Hausflur der Familie Schneider. 

„Was soll ich denn hier?“, dachte er und sehnte sich nach der Wohnung,in der er jahrelang mit seiner Mutter gelebt hatte und insbesondere nach dieser.

„Dann zeige ich dir mal dein Zimmer,“ sagte nun Georg Schneider, der sein Vater sein sollte. Diesen Mann hatte er vor wenigen Tagen das erste Mal in seinem Leben gesehen und er fragte sich die ganze Zeit über, was seine Mutter eigentlich an ihm gefunden hatte.

Nun betrat eine Frau den Hausflur und musterte ihn von oben bis unten.

Bei ihr musste es sich um Hedwig Schneider, die Ehefrau seines Vaters handeln. „Sie hat er damals betrogen, als er mit meiner Mutter zusammen war, sie hat keinen Grund, nett zu mir zu sein,“ dachte Lucas und tatsächlich sah sie ihn so unfreundlich an, dass er am liebsten aus dem Haus gelaufen wäre.

„Ich bin Hedwig, die Frau deines Vaters! Und du solltest froh sein, dass wir dich bei uns aufnehmen! Wir müssten das nicht tun!“, begrüßte sie ihn und sah ihn scharf an. „Wir erwarten, dass du dich hier benimmst und anpasst! Ich warne dich, ich werde dich genaue im Auge behalten. Komm nicht auf die Idee und lass hier irgend etwas mitgehen!“

„Hedwig, Lucas wird sich schon zusammen reißen, sonst schicken wir ihn ins Heim. Aber es soll keiner sagen, dass wir es nicht wenigstens versucht haben!“, unterbrach Georg seine Frau.

Dann wandte er sich an seinen unehelichen Sohn. „Ich denke, du hast verstanden, was wir von dir erwarten. Ein gutes Benehmen und außerdem möchten wir nicht, dass irgend jemand erfährt, was es mit unseren Familienverhältnissen auf sich hat. Unseren Sohn und meine Mutter mussten wir leider einweihen, auch in der Schule werde ich angeben müssen, dass ich jetzt das Sorgerecht habe und dein Vater bin, aber die Nachbarn geht das alles nichts an! Für die bist du ein Heimkind aus einer sozial schwachen Familie, das wir bei uns aufgenommen haben!“

„Unrecht haben wir mit dieser Behauptung ja auch gar nicht,“ warf Hedwig ein. „Immerhin ist deinen Herkunft mütterlicherseits nicht die Beste, immerhin hatte deine Mutter keinerlei Skrupel sich einem verheirateten Familienvater an den Hals zu werfen! Da darf man vielleicht auch nicht zu viel von dir erwarten! Aber du solltest uns besser keinen Ärger machen!“

„Meine Mutter war in Ordnung. Sag nichts schlechtes über sie,“ antwortete Lucas aufgebracht und Hedwig sah wütend von ihm zu ihrem Mann.

„Und das willst du mir wirklich zumuten? Außerdem hat er eine gewisse Ähnlichkeit mit Jonas! Vielleicht sollten wir ihn doch besser nicht bei uns aufnehmen, denn wenn die Leute das sehen, dass er unserem Sohn ähnlich...,“sagte sie aufgeregt, jedoch Georg unterbrach sie. 

„Jetzt ist er nun einmal hier und bleibt auch hier. Und in ein paar Tagen wird er ja auch wieder in seine alte Schule gehen, dann hast du Vormittags wieder deine Ruhe! Im Übrigen habe ich mir die Zeugnisse angesehen, so schlecht sind die gar nicht!“, sagte Georg bestimmt und forderte seinen Sohn auf, ihm zu folgen.

Auch Hedwig begleitete die beiden ins Obergeschoss.

„Du kannst im Gästezimmer schlafen und es dir nach und nach ein wenig einrichten! Hier drüben ist das Schlafzimmer von mir und Hedwig, daneben das Badezimmer und gegenüber das ehemalige Zimmer von deinem Bruder Jonas,“ sagte Georg und zeigte auf eine Zimmertüre.

„Deines Halbbruders!“, sagte Hedwig bestimmt und schaute Lucas böse an. „Und vergiss nicht, offiziell ist Georg nicht dein Vater und Jonas auch nicht dein Bruder, lediglich in der Schule müssen wir leider die näheren Umstände bekannt geben. Aber die Leute dürfen nichts erfahren! Am besten ist es, du nennst uns Herr und Frau Schneider!“

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