Kapitel 88

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Jonas folgte seinem Vater in das Café das sich gegenüber der Polizeistation befand und nahmen an einem der Tische Platz.

„Geht es dir gut? Sind die einigermaßen anständig mit dir umgegangen?“, erkundigte sich Georg besorgt. 

Die Tatsache, dass sein Sohn Ärger mit der Polizei bekommen hatte machte ihm offenbar mehr zu schaffen als er zugeben wollte.

„Mir geht es gut! Die waren ganz nett!“, versuchte Jonas seinen Vater zu beruhigen auch wenn ihm beim Gedanken an Kommissar Brandt ein Schauer über den Rücken gelaufen war. Irgend etwas hatte dieser Mann an sich, was bei ihm alle Alarmglocken erklingen ließ.

„Nett? Den Eindruck hatte ich nicht! Und ich hoffe du bekommst keinen Ärger bei der Arbeit! Aber deine Mutter kann sich noch auf etwas gefasst machen! Ich werde ihr ihren Wunsch nach Aufmerksamkeit meinerseits erfüllen und sie heute Abend anrufen! Aber der Anruf wird nicht so verlaufen wie sie sich das vorstellt! Die kann was erleben!“, fluchte Georg und griff nach Jonas Arm.

„Aber ich wollte aus einem anderen Grund mit dir sprechen!“, sagte er und Jonas sah ihn fragend an. „Worum geht es denn? Um dich und meine Mutter?“

Georg schüttelte den Kopf. „Nein, es hat nicht unbedingt etwas mit ihr zu tun! Es geht um das was diese Polizisten dir vorgeworfen haben! Ich weiß dass du mit der Skulptur auf der Domplatte nichts zu tun haben kannst! Da sind schon Leute für verhaftet worden! Aber was ist mit den anderen? Versteh mich jetzt bitte nicht falsch! Ich will dich nicht beschuldigen! Aber damals, als Nadine uns diese Sache erzählte dass du auserwählt seist um gegen Statuen zu kämpfen die von Geistern besessen sind hat nicht nur deine Mutter sich erschrocken! Ich dachte einen Moment wirklich du würdest den Verstand verlieren! Und kurz darauf wurde die Statue über der Kirche bei uns in der Stadt zerstört! Genau die Statue die Nadine auch erwähnte!“

„Und jetzt willst du wissen ob ich etwas damit zu tun habe?“, erkundigte sich Jonas unbehaglich. Sein Vater zählte eins und eins zusammen und kam auf die richtige Spur auch wenn er an einer falschen Stelle abbog....

„Jonas, hast du etwas damit zu tun? Glaubst du wirklich du müsstest diese Statuen zerstören weil sie besessen sind? Brauchst du Hilfe? Ich weiß dass du nichts Böses im Schilde führst! Aber wenn es so ist dann sollten wir etwas dagegen unternehmen bevor die Polizei dich verhaftet und ein Richter dich dazu verurteilt etwas gegen....“

„Gegen Wahnvorstellungen zu tun?“, erkundigte Jonas sich. 

Sein Vater machte sich also offenbar Sorgen dass Jonas unter Wahnvorstellungen litt und Statuen die er für Dämonen hielt bekämpfte. Aus Georgs Sicht musste es wohl tatsächlich so aussehen.

Jonas überlegte einen Augenblick ob er seinem Vater die Wahrheit sagen sollte. Jedoch dann entschloss er sich dagegen. Zwar verstand er sich nun besser mit Georg. Eigentlich sogar besser als jemals zuvor in seinem Leben. Trotzdem war er sich nicht sicher ob er ihm wirklich alles anvertrauen konnte. 

Selbst wenn Lucas bestätigen würde was geschehen war, würde Georg nicht eher so wie seine Mutter darauf schließen dass es in seiner Familie erbliche Wahnvorstellungen gab?

„Das mit Nadine damals war wirklich nur ein Scherz! Und natürlich habe ich keine harmlose Statue zerstört!“, sagte Jonas und log nicht einmal. 

Denn harmlos war keine der von ihm zerstörten Statuen bislang gewesen.....

Georg seufzte. „Ich hatte gehofft dass du so etwas sagst! Aber es gibt so viele andere Ungereimtheiten! Ich weiß noch immer nicht warum ihr damals in Bayern wart, Lucas und du! War es wirklich nur wegen der Sache mit deiner Mutter und diesem verrückten Direktor? Dass ihr Angst hattet er würde durchdrehen und euch etwas antun? Immerhin wolltet ihr nicht dass ich und Oma zur Polizei gehen! Die ganze Sache ist so sonderbar!“

„Das tut mir leid! Aber wir waren ziemlich durcheinander damals! Und glücklicherweise ist ja jetzt alles wieder in Ordnung und der Direktor ist verschwunden!“, sagte Jonas verlegen. Georg schien sich wirklich Sorgen zu machen.

„Ich mache mir auch Gedanken über Lucas! Ich habe heute morgen bevor ich zur Arbeit ging in seinem Zimmer gesaugt und wollte auch unter dem Bett sauber machen! Da habe ich in einem Koffer einen Dolch gefunden! Eine wirklich gefährliche Waffe! Ich habe ihn darauf noch nicht angesprochen! Aber es gefällt mir nicht dass mein fünfzehnjähriger Sohn so etwas besitzt! Ich habe ihn zwar wieder zurück gelegt aber...“

„Den Dolch hat Lucas von mir!“, sagte Jonas. „Er war wie gesagt noch ziemlich durcheinander nach dieser ganzen Geschichte mit meiner Mutter und dem Direktor! Er fühlte sich sehr unsicher und da habe ich ihm den Dolch gegeben! Er will ihn natürlich nicht benutzen, fühlt sich aber sicherer damit wenn er unter dem Bett liegt!“

Diese Ausrede hatten sich Lucas und Jonas gemeinsam überlegt für den Notfall dass Georg die Waffe finden würde.

„Es gefällt mir nicht!“, sagte Georg ernst. „Ich weiß nicht einmal, ob so etwas erlaubt ist....“

„Ich weiß es auch  nicht so genau! Andererseits, ein langes Messer im Messerblock ist sicherlich genau so gefährlich sollte ein Einbrecher kommen! Außerdem handelt es sich um eine Nachbildung...“, antwortete Jonas nachdenklich und hoffte seinen Bruder nun nicht in Schwierigkeiten gebracht zu haben.

„Ich verstehe so vieles nicht!“, gab Georg zu. „Und ich habe ein schlechtes Gefühl bei der ganzen Sache! Und du hast mit diesen Statuen wirklich nichts zu tun? Du warst auch nicht in München? So wie Hedwig es behauptet hat?“

Jonas schüttelte den Kopf und fühlte sich immer unwohler in seiner Haut. „Nein, ich habe nichts damit zu tun und war auch nicht in München!“, sagte er leise während sein Vater ihn misstrauisch ansah und zwei Tassen mit Kaffee bestellte.

„Mit Dämonen kann ich ihm nicht kommen! Er würde es niemals glauben,“ dachte Jonas unglücklich und sein Unbehagen steigerte sich noch als er daran dachte dass er bald wieder zwei Statuen und einem verrückten ehemaligen Richter gegenüber stehen würde.

Schließlich brachte Georg seinen Sohn mit dem Wagen nach Hause. „Mach dir nicht zu viele Gedanken! Ich bin nicht verrückt!“, sagte Jonas zum Abschied und drückte kurz den Arm seines Vaters.

Georg lächelte seinen Sohn gequält an. Es war offensichtlich dass er sich Sorgen und auch Vorwürfe machte.....

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