Kapitel 99

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Ein paar Tage später überreichte Lucas seiner Klassenlehrerin Frau Igel das Geld für die geplante Klassenfahrt. „Ich hoffe es ist noch nicht zu spät,“ meinte er ein wenig verlegen.

Die Lehrerin schüttelte den Kopf. „Nein, ganz und gar nicht. Ich freue mich dass du mit fährst. Es wäre sonst doch sehr schade gewesen.“

„Sein Papa hat mehr Geld als seine Mama, stellte Mirko mit einem gehässigen Lachen fest als Lucas an ihm vorbei ging. 

„Dafür mache ich nicht in die Hose und habe Angst nachts das Licht auszuschalten,“ antwortete Lucas und Mirko schwieg während seine beiden Freunde Lutger und Frank ihn angrinsten und seine Freundin Jennifer kicherte. „Mein kleines Angsthässchen!“

Lucas kehrte auf seinen Platz neben Andy zurück. „Finde ich gut dass du jetzt doch mit fährst. Ich bin mal gespannt wie diese Jungendherberge so ist. Die letzte war ja ein einziger Reinfall, sogar Ratten rannten da durch die Zimmer und Jennifer hat gekreischt als eine auf ihrem Kopfkissen saß!“

„Ich wusste doch dass ich was versäume, wenn ich nicht mitfahre,“ stellte Lucas mit einem gehässigen Unterton in seiner Stimme fest. Meike und Sabrina, die neben ihm und Andy saßen, kicherten.

„Ist doch schön dass ich die drei hier habe, zum Glück habe ich und Andy keinen Streit seitdem unsere lieben großen Geschwister meinten ihre Beziehung zu beenden,“ dachte Lucas und warf einen Blick auf Mirko und seine Clique. 

„Warum die hier in der Klasse so sehr das Sagen haben und bestimmen wer wo dazu gehört ist mir wirklich ein Rätsel. Es sind doch Flaschen!“

Lediglich Nadja hielt sich seit einiger Zeit mit Spott gegenüber Lucas und seinen Freunden zurück. 

Denn sie hatte sich, als sie einen völlig missglückten Auftritt in einer Casting-Show hinlegte zum Gespött der Schule gemacht.

Lucas grinste beim Gedanken daran wie Nadja zwei Wochen zuvor in einem Minirock unter dem ein Teil der Unterhose hervorschaute und einem knappen bauchfreien Oberteil über das sie sich zuvor Saft geschüttet hatte vor die Jury der Casting-Show getreten war um eine missglückte, ja sogar erschreckende Version von „My heart will go on,“ zu bringen.

„Wenn du singst dann habe ich das Bedürfnis mir eine Kotztüte zu holen,“ hatte ein Mitglied der Jury gesagt und Nadja war bitterlich weinend aus dem Raum gelaufen während sich die Jurymitglieder darüber aufregten wer da alles mitmachen wollte.....

„Jetzt muss sie doch weiterhin zur Schule gehen und es wird nichts mit der Karriere,“ dachte Lucas spöttisch. So herzhaft gelacht wie während dieser Fernsehsendung hatte er seit langem nicht mehr.

In der Pause auf dem Schulhof griff Meike nach Lucas Hand und gab ihm einen Kuss auf die Wange. 

„Seitdem der alte Direktor weg ist dürfen wir das endlich wieder,“ stellte sie fest und Lucas nickte glücklich. „Ja, endlich. Das war wirklich nicht allzu schön. Unter Engelmanns Terrorregime. Anders kann man es ja schon fast nicht mehr nennen. Zum Glück ist er endgültig weg.“

„Du glaubst nicht dass er zurück kommt und noch mal Rektor wird?“, erkundigte sich Meike ein wenig ängstlich. Lucas schüttelte den Kopf und stellte sich Engelmann in einer Zwangsjacke vor.

„Nein, der kommt nicht mehr zurück.“, sagte er und fügte in Gedanken hinzu: „Das zumindestens hat Jonas Aktion gebracht. Wir können wieder über den Schulhof gehen ohne Angst zu haben umgebracht zu werden weil wir rauchen, mit Barbiepuppen spielen, unsere Freundin küssen.....“

Leider hatte er kaum noch Kontakt zu seinem Bruder. Zwar telefonierte dieser von Zeit zu Zeit noch mit Georg jedoch er selbst hatte mit Jonas kaum noch ein Wort gewechselt seitdem sie aus Raichelbach zurück gekehrt waren. 

„Er zieht sich vollkommen von uns zurück. Und warum? Jagd er immer noch Statuen? In den Nachrichten gab es keinen Hinweis mehr. Also war zumindestens wohl keine größere Aktion mehr dabei wie in München. Aber so genau habe ich nun auch nicht alle Lokalmeldungen verfolgt....ich weiß einfach nicht was er so treibt. Und ich laufe ihm auch nicht hinterher,“, dachte Lucas mit Unbehagen. „Obwohl es schade ist. Ich mochte Jonas. Und ohne diese Dämonengeschichte hätten wir ein gutes Verhältnis haben können....“

„Nun mach nicht so ein Gesicht,“ lachte Meike und kniff Lucas in die Wange. Er zog leicht an ihrem Haar. „Nicht ärgern!“

„Ich ärgere doch nicht. Du machst das....“, verteidigte sich Meike und gab ihm nun statt einem Kneifer einen weiteren Kuss auf die Backe.

Georg sah ungehalten auf als seine Frau Hedwig den Besprechungsraum seiner Firma betrat. Er befand sich gerade in einer Besprechung mit seinem Chef und drei weiteren Kollegen.

„Georg, da bist du ja. Das kann doch nicht dein Ernst sein,“ keifte Hedwig ihren Mann an und die Kollegen sowie der Vorgesetzte sahen verwundert von Georg zu seiner Frau.

„Was willst du hier, Hedwig? Das können wir nachher klären. Im Moment ist es wirklich ungünstig...“, sagte Georg und wollte seine Frau aus dem Raum schieben. 

Jedoch sie schüttelte seinen Arm ab. „So was kannst du mit mir nicht machen.“

Sie wandte sich an die Kollegen. „Wissen Sie dass mein Mann mich kurz vor der Silberhochzeit sitzen lässt? Weil er einen Bastard mit einer anderen Frau gezeugt hat. Er hat mich betrogen während ich all die Jahre treu zu Hause saß und seinen Sohn großgezogen habe. Alle zerreißen sie sich jetzt das Maul über uns. So jemand ist doch sicherlich auch für Ihre Firma nicht tragbar, nicht wahr? Ich meine jemand der nicht mal sein Privatleben in Ordnung halten kann der kann doch kein guter Mitarbeiter.....“

Georg zog seine Frau aus dem Raum und schloss die Tür hinter sich. „Bist du jetzt vollkommen verrückt geworden? Mach auf der Stelle dass du von hier verschwindest. Und du solltest dir außerdem überlegen dass es sich negativ auf deinen Unterhalt auswirkt wenn ich meine Arbeit verliere!“

„Das wird dir noch mal leid tun, Georg Schneider. Dir und dieser Ratte Lucas. Er hat unsere Ehe kaputt gemacht. Wäre er nicht in die Familie gekommen dann...,“ fluchte Hedwig aber ihr Mann unterbrach sie.

„Das klären wir ab jetzt nur noch über unsere Anwälte. Und lass dich nicht noch einmal hier blicken....“

„Du willst dich nicht mit mir auseinander setzen. Ich will unsere Familie retten. Aber daran hast du ja kein Interesse. Genau so wenig wie Jonas. Nicht einmal hat er mich angerufen in der letzten Zeit. Ihr seid doch alle gleich.....“, fuhr Hedwig ihn an.

„Lass mich bloß in Ruhe. Und meine Söhne auch!“, sagte Georg so laut er konnte ohne noch mehr Aufsehen zu erregen. 

Einige Mitarbeiter waren bereits stehen geblieben und sahen sich die Ehestreitigkeit mit Interesse an. Schließlich verließ Herr Bayenburg, der Chef, den Besprechungsraum und wandte sich an Hedwig.

„Frau Schneider, ich darf Sie wirklich bitten unsere Firma nun zu verlassen. Sie stören den Arbeitsablauf. Und von weiteren Besuchen darf ich Sie bitten abzusehen. Ihre privaten Probleme regeln Sie bitte zu Hause....“

Beleidigt drehte Hedwig sich um und verließ kurz darauf endlich die Firma. Georg atmete erleichtert auf. Zum Glück gingen weder sein Chef noch die Kollegen näher auf die Angelegenheit ein. Auch wenn er sich sicher war das einige nur mühsam ein Grinsen unterdrückten....

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