Kapitel 57

92 8 0

Julia erlangte ihr Bewusstsein wieder während ein Arzt sie untersuchte. Verwirrt sah sie sich um. „Wo bin ich?“, fragte sie verwirrt und der Arzt hob beruhigend seine Hand. „Es ist alles in Ordnung! Sie hatten einen kleinen Unfall! Aber machen Sie sich nicht zu viele Gedanken! Das mit ihrem Bein bekommen wir wieder hin! Sorgen macht mir vor allem dass sie bewusstlos waren! Bitte beantworteten Sie mir ein paar Fragen!“

Gehorsam beantwortete Julia dem Arzt seine Fragen. Er wollte ihren Namen wissen und ob sie sich an den Unfallhergang erinnert. 
„Ja, ich.....wollte die Straße überqueren und habe nicht aufgepasst! Hoffentlich ist sonst niemandem etwas geschehen,“ sagte sie leise. 

Dass sie von Dämonenstatuen verfolgt worden war verschwieg sie wohlweislich. Sicherlich würde dieser Arzt, ein grauhaariger Mann mit einem ebenso grauen Schnurrbart, ihr nicht glauben wenn sie begann von Dämonen und unsterblichen Richtern zu reden....

Der Arzt lächelte sie aufmunternd an. „Machen Sie sich keinen Sorgen! Sonst ist niemandem etwas geschehen! Eine ältere Dame, die den Wagen gesteuert hat, ist furchtbar erschrocken über den Unfall aber es geht ihr und ihrem Mann gut!“

Eine Krankenschwester betrat den Raum und der Arzt wandte sich an sie. „Die junge Dame heißt Julia Becker! Sie wird wohl eine Weile hier bleiben müssen! Wir müssten noch einige Untersuchungen machen und uns um das gebrochene Bein kümmern!“

„Bein gebrochen?“, murmelte Julia erschrocken. Es tat ihr nicht weh, hatte man ihr etwas gegen die Schmerzen gegeben?
„Ja, leider,“ antwortete der Arzt. „Aber das bekommen wir wieder hin! Sollen wir jemanden anrufen?“

„Ja, meinen Freund, nein Ex-Freund Sebastian,“ stammelte Julia den Tränen nahe. Ihr fiel ein was geschehen war bevor sie vor den Statuen floh.
Sie hatte Jonas und seine Begleiter verraten! Würde der Direktor mit seinen Statuen in Raichelbach auftauchen? Hatte sie ein Unheil angerichtet?
„Sebastian will endgültig nichts mehr mit mir zu tun haben wenn er es erfährt! Ich hab schon so viel Mist gebaut mit meiner Eifersucht! Aber wenn er das erfährt dann ist es vorbei! Was soll ich denn nur machen?“, dachte sie verzweifelt während der Arzt und die Krankenschwester sie mitleidig ansahen.



Am nächsten Morgen erschien Sebastian an Julias Krankenbett. Ihr Bein hatte man eingegipst, glücklicherweise würde sie um eine Operation herum kommen.

Sebastian gab ihr einen Kuss auf die Wange was sie überraschte. Machte er sich doch noch etwas aus ihr? War er ihr nicht mehr böse?
„Julia, jag mir nicht noch mal so einen Schrecken ein! Als mich diese Schwester Astrid gestern Nacht anrief bekam ich fast einen Herzinfarkt! Ich wollte ja sofort kommen aber sie meinte dass sie Nachts nicht so gerne Besucher da hätten!“, sagte Sebastian beunruhigt und strich über Julias Wange.

„Es tut mir so leid,“ schluchzte Julia. Alles kam in ihr hoch, ihre Auseinandersetzung mit Sebastian, ihr erschreckendes Erlebnis mit den Statuen, ihr Verrat, die Tatsache dass sie behauptet hatte nicht mit Jonas befreundet zu sein...

„Jetzt wein doch nicht, bestimmt kommt dein Bein bald wieder in Ordnung! Und dass du jetzt erst mal krank geschrieben wirst und nicht in diese Geisterbahn von Schule gehen musst hat doch auch irgendwie sein Gutes! Dass du blau machst wird ja wohl niemand behaupten können wenn er dein Bein sieht!“, versuchte Sebastian sei ein wenig aufzumuntern und griff nach ihrer Hand.

Julia brach endgültig in Tränen aus während Sebastian tröstend auf sie ein sprach.

„Du bist bald wieder gesund! Oder weinst du weil du denkst ich wäre noch böse auf dich? Das war ich auch! Aber das ist doch jetzt nicht wichtig! Als mich diese Schwester anrief da wurde mir klar wie viel du mir bedeutest! Julia, ich liebe dich und in zwanzig Jahren lachen wir über das Missverständnis! Und Lena wirst du mögen wenn du sie kennen lernst!“, versuchte er sie zu beruhigen.
Sebastian holte sich einen Stuhl und setzte sich ans Bett seiner Freundin. „Aber bitte hör auf zu weinen! Es wird alles wieder gut!“

Julia wischte sich ihre Tränen ab. „Es gibt noch mehr was ich dir sagen müsste, aber ich kann es einfach nicht,“ dachte sie unglücklich. 
„Ich habe etwas ganz schreckliches gemacht! Aber ich hatte doch keine andere Wahl! Ich wäre gestorben und damit wäre auch niemandem gedient gewesen! Irgendwann hätte Engelmann sowieso heraus gefunden wo Jonas und Gerrit sind!“

„Ich hole dir jetzt eine Tasse Kaffee von draußen und du versuchst dich inzwischen zu beruhigen, ja?“, fragte Sebastian und verließ den Raum. Wenigstens ihn hatte sie nicht verloren......


Am Nachmittag gesellten sich noch Britta und Dennis zu Julia ans Krankenbett. Glücklicherweise lag sie allein im Zimmer und sie konnten sich ungestört unterhalten.

Britta fiel ihrer Freundin fast weinend um den Hals. „Was machst du denn nur für Sachen? Läufst einfach vor ein Auto! Hast du dich so sehr über den Streit mit Sebastian aufgeregt?“, fragte sie fassungslos und drückte Julia an sich.
„Als ob es nicht reichen würde dass wir Katja verloren haben! Du musst doch meine Trauzeugin werden!“

„Das wird sie auch, Britta!“, sagte Dennis und sah Julia fragend an. „Wo bist du eigentlich vor ein Auto gerannt? Bei euch in dieser 30er Zone? Ist da einer gerast?“
„Nein....ich meine ja!“, stammelte Julia. „Ich habe nicht aufgepasst und wollte schnell auf die andere Straßenseite....“
„Hat der andere etwa Fahrerflucht begangen?“, fragte Britta empört. „Dann sollten wir die Polizei anrufen! Und warum rast er in einer 30er Zone? So was gehört doch eingesperrt!“, fügte sie noch empörter hinzu.

„Nein, es war keine Fahrerflucht und er ist auch nicht gerast, es war eine ältere Dame....“, antwortete Julia vorsichtig. 

„Und die hat dich einfach nicht gesehen? Wie alt ist sie denn? Hat sie überhaupt noch einen Füherschein?“, erkundigte sich Dennis. 
„Nichts gegen alte Leute am Steuer, wenn sie fahren können sollen sie das ruhig machen. Aber meine Oma wollte auch unbedingt noch Auto fahren obwohl sie schon 82 Jahre alt war. Bis sie dann beim Ausparken fast einen Radfahrer angefahren hätte. Da hat sie dann den Führerschein abgegeben und eingesehen dass man mit grauem Star nicht mehr fahren sollte!“

„So alt war die Dame noch nicht,“ antwortete Julia. 

Wie sollte sie aus der Sache nur wieder heraus kommen? Wie sollte sie darum herum kommen die Wahrheit zu sagen, dass sie vor Statuen geflohen und über eine Straße ohne Geschwindigkeitsbeschränkung gerannt war? Dass die ältere Dame wirklich nichts für den Unfall konnte? Und vor allem dass sie nicht vor ihrem Haus sondern vor der Schule angefahren worden war?

„Julia, da stimmt doch was nicht,“ sagte Dennis mit einem Mal und Julia sah ihn erschrocken an. War sie so einfach zu durchschauen?

„Was stimmt nicht?“, fragte sie erschrocken und zuckte zusammen.

„Na, damit! Die haben deinen Namen hier auf dem Schild an dem Bett mit zwei K geschrieben! Bekker statt Becker! Das musst du klar stellen, nicht dass die dich sonst noch mit jemand anderem verwechseln und dich am Ende in den Kreissaal statt zum Röntgen fahren!“, witzelte Dennis und 

Britta lachte. „Das würden die sich aber sehr wundern wenn da kein Baby käme!“

„Nein, nicht jeder bekommt ein Baby!“, antwortete Dennis und lächelte Britta viel sagend an ehe er ihr über die Wange strich.
„Was ist denn mit euch los?“, erkundigte sich Sebastian ehe er sich wieder an Julia wandte. „Die Hauptsache ist jetzt erst einmal dass Julia wieder gesund wird! Und wir kümmern uns unterdessen um Walthers Buch! Wir werden mit diesem Richter und seinen Statuen schon irgendwie fertig werden!“

„Ja, das werden wir!“, sagte Julia leise und fügte in Gedanken hinzu: „Das müssen wir! Irgendwie muss ich wieder gutmachen was ich letzte Nacht angerichtet habe!“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!