Kapitel 179

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Stefan räkelte sich und erhob sich aus seinem Bett. Die junge Frau die sich im Schlaf an ihn geschmiegt hatte schob er sanft zur Seite. Er sah dass sie im Schlaf lächelte. Das erste Mal seitdem er sie kannte wirkte sie so entspannt und zufrieden.

„Wenn sie aufwacht kommen ihre Erinnerungen an ihre tote Schwester zurück,“ dachte Stefan mit einem Anflug von Unbehagen. 

Gleichzeitig machten sich Schuldgefühle in ihm breit. „Sie würde ganz bestimmt nicht neben mir im Bett liegen wenn sie wüsste welche Rolle ich beim Tod ihrer Schwester gespielt habe....“

Stefan ging in seine Küche und machte sich daran Kaffee aufzusetzen und anschließend den Tisch zu decken. 

Dies hatte er ganz am Anfang der Beziehung zu seiner Ex-Frau Sandra immer gemacht. Irgendwann war es dann damit vorbei gewesen. Irgendwann war der Alltag eingekehrt und seine ständige Abwesenheit wenn er mal wieder einen Dämon jagte hatte die Beziehung belastet. Damals hatte Sandra bereits geglaubt er würde sie betrügen....

„Und jetzt mache ich so was für Michaela! Ich muss verrückt sein! Mit mir stimmt in der letzten Zeit so einiges nicht mehr. Erst mache ich mir einen Kopf darüber dass ich vielleicht zu hart zu Lucas war, dann erledige ich einen Dämon ohne Bezahlung und jetzt mache ich Frühstück für eine hübsche junge Frau mit der ich eine sehr schöne Nacht verbracht habe.....“, dachte der Dämonenjäger unbehaglich.

„Als nächstes werde ich wahrscheinlich für das Tierheim spenden oder den Nachbarn die Einkaufstüten die Treppe hoch tragen,“ fuhr es ihm in den Sinn und er musste bei der Vorstellung lachen. „Man könnte mich fast noch für einen wirklich guten Menschen halten. Und wenn Michaela mich ihren Eltern vorstellt denken die wahrscheinlich sie bekommen einen Traumschwiegersohn......“

„Stefan?“, erklang eine Stimme von der Tür und Michaela betrat die Küche. Sie schlang ihre Arme um Stefan und ihr Blick fiel auf den gedeckten Küchentisch. „Das ist aber wirklich lieb von dir.“

Sie gab ihm einen Kuss und Stefan konnte dem Drang nicht widerstehen diesen heftiger als beabsichtigt zu erwidern.

„Du bist ganz schön stürmisch,“ stellte Michaela lächelnd fest. „Und wenn ich da an die letzte Nacht denke.....normalerweise mache ich so was übrigens nicht. Wir kennen uns noch nicht so lange und eigentlich wollten wir ja nur wieder essen gehen......

Sie seufzte. „Normalerweise halte ich mich an die Regeln aus „Die Kunst den Mann fürs Leben zu finden.“ Darin steht dass man sich erst nach der dritten Verabredung küssen lassen darf. Mehr ist auf keinen Fall drin.“

„Ach, es gibt Regeln dafür wie man uns einfängt und zu willenlosen Werkzeugen macht?“, fragte Stefan grinsend und Michaela kicherte. „Ja, die gibt es wirklich. Aber ich habe sie ja leider gebrochen.....obwohl, wirklich leid tut mir das nicht.

„Mir auch nicht,“ stellte Stefan fest und fragte sich wie weit diese Sache noch führen würde. 

Der Mann fürs Leben war er sicherlich nicht. Zum einen waren Beziehungen in seiner Situation und bei seinem Lebenswandel problematisch und führten eine Lüge nach der anderen nach sich. Und die Wahrheit war noch viel schlimmer, damit würde er jeder Beziehung den Todesstoß versetzen. Das hatte er doch alles schon hinter sich gebracht....

„Dann ist da noch die Geschichte mit ihrer Schwester. Am besten ich verfahre so wie bei den wenigen anderen Gelegenheiten wo ich eine Frau mit nach Hause genommen habe. Ich sage ich rufe sie an und melde mich nicht mehr.....“, dachte Stefan und wusste dass dies so ziemlich das letzte war was er wollte.

Schließlich saßen er und Michaela am Frühstückstisch und er schenkte ihr Kaffee ein während sie ein Brötchen mit Marmelade bestrich. 

„Schade dass ich dich Monika nicht mehr vorstellen kann. Ich bin mir sicher dass sie dich sehr gemocht hätte,“ sagte Michaela nach einer Weile leise. „Ihr hättet euch sehr gut verstanden und du hättest sie auch gerne gehabt.“

Stefan zuckte zusammen. Er hatte Monika kennen gelernt, ihr Angst gemacht und dabei zugesehen wie sie zu einer Dämonenstatue ging. Er hatte Geld von ihr gelangt und es war ihm egal gewesen dass sie geweint hatte bevor sie starb....

„Es ist wirklich schade dass ihr euch nie kennen lernen werde. Das wäre so schön gewesen,“ sagte Michaela traurig und Stefan erhob sich.

„Ich muss mal einen Augenblick an die frische Luft,“ sagte er und ging auf seinen Balkon. Michaela folgte ihm und schmiegte sich an ihn.

„Tut mir leid wenn ich dir mit meinem Gerede über Monika auf die Nerven gehe. Aber ich hing so an ihr. Wir haben uns immer alles erzählt. Am Tag bevor sie starb haben wir noch telefoniert. Ich hatte das Gefühl etwas würde sie bedrücken. Ich hab sie gefragt aber sie hat es mir nicht gesagt....bitte versprich mir dass du ehrlich zu mir bist!“

Stefan antwortete nicht. So ein Versprechen würde er niemals halten können. Bei Michaelas nächster Bemerkung wurde es ihm noch unbehaglicher zumute.

„Um noch ein letztes Mal auf meine Schwester zurück zu kommen, ich habe heute Mittag einen Termin bei einem Privatermittler. Hugo Paulsen heißt er. Er soll einer der Besten sein. Er ist zwar nicht billig aber das ist meine Schwester mir wert......“

„Was hat dieser Paulsen mit deiner Schwester zu tun?“, fragte Stefan leise.

Michaela sah ihn fast schon hoffnungsvoll an. „Es gibt einfach so viele Ungereimtheiten was den Tod von Monika angeht. Die Polizei sagt es war ein Unfall. Aber das glaube ich nicht. Irgendwas stimmt da ganz und gar nicht. Und darum habe ich vor zwei Wochen diesen Herrn Paulsen beauftragt. Er hat mit einer Nachbarin von Monika gesprochen. Sie ist keine direkte Nachbarin sondern wohnt drei Häuser weiter weg. Sie ist von der Polizei gar nicht befragt worden aber sie hat beobachtet wie jemand zu Monika ins Wohnhaus ging. Mit dem ist sie Abends weg gegangen....“

Stefans Magen drohte sich zusammen zu ziehen.....

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