Kapitel 37

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Am nächsten Morgen erwachte Sabrina und fühlte sich wie gerädert. Am liebsten hätte sie ihre Mutter gebeten im Bett bleiben zu dürfen. Jedoch sie wusste dass diese in solchen Dingen unerbittlich war. So lange ihre Tochter nicht aus der Nase blutete und ihren Kopf unter dem Arm trug war sie ihrer Meinung nach in der Lage zur Schule zu gehen.

Stöhnend erhob sich das Mädchen. Sie hatte in der Nacht kaum ein Auge zu getan und war erst gegen Morgen in einen unruhigen Schlaf gefallen in dem sie Statuen mit roten Augen verfolgten.

Sie griff nach der Kamera ihres Vaters und sah sich die Aufnahmen noch einmal an die sie in der vergangenen Nacht gemacht hatte.
„Das ist einfach alles so schrecklich!“, dachte sie schaudernd. „Was ist wenn die Statuen und der Direktor davon erfahren? Dann bin ich erledigt! Am besten ich verhalte mich den Rest der Schulzeit unauffällig und lasse mir nichts zuschulden kommen! Dann lassen sie mich hoffentlich in Ruhe! Und sobald ich mit der Schule fertig bin sehe ich zu dass ich in eine andere Stadt weit weg ziehe!“

Sie löschte die Aufnahmen der vergangenen Nacht. So war es sicherlich das Beste für sie....



Glücklicherweise begann Sabrinas Unterricht an diesem Tag erst nach der großen Pause da die beiden ersten Stunden, der Kunstunterricht, an diesem Tag ausfielen.
Es war bereits hell als Sabrina den Schulhof betrat und überall wimmelte es vor Schülern. Sie warf nur einen flüchtigen Blick auf die vier Statuen und machte einen großen Bogen um sie. Nie wieder würde sie freiwillig in die Nähe von ihnen kommen....

Der Schultag begann für Sabrina mit Mathematik. Frau Igel betrat die Klasse und sah die Schüler ernst an.
„Vorhin war die Mutter von Christian hier. Sie und ihr Mann machen sich die größten Sorgen um ihn! Er ist gestern nach dem Unterricht nicht nach Hause gekommen und die Polizei sucht bereits nach ihm! Wenn jemand von euch etwas weiß dann sagt es bitte! Wir alle wissen dass Christian gestern Schwierigkeiten mit Herrn Engelmann wegen seines Betrugs bei der Arbeit hatte. Aber man kann über alles vernünftig reden!“

Sabrinas Blick fiel auf Lucas. Sie hatte gesehen das dieser am Vortag noch mit Christian gesprochen und dass dieser kurz darauf den Schulhof verlassen hatte. Wusste er etwas? Aber wenn Christian verschwunden war dann hatten ihn zumindestens die Statuen nicht erwischt. Dieser Umstand machte ihr ein wenig Mut.
„Wenigstens wissen und können die auch nicht alles! Aber dem Engelmann begegne ich heute lieber nicht!“, dachte sie und unterdrückte ein triumphierendes Lächeln.


Wütend saß Direktor Engelmann in seinem Büro und starrte auf die Schulakte von Christian Meurer. 
„Dieser kleine Mistkerl ist mir entkommen! Das wird ihm noch leid tun wenn ich ihn in die Finger bekomme! Er ist ein Verbrecher! Er betrügt und ist gewalttätig! Es ist gut wenn er kein Unheil mehr stiften kann! Wehret den Anfängen! Heute greift er mich an und morgen überfällt er alte Leute oder raubt eine Bank aus!“

Es klopfte an der Tür und er rief unfreundlich „Herein!“.

Sicherlich war das wieder diese Frau Hellenberg oder ihre junge Kollegin, dieses kleine Flittchen Julia Becker das unzüchtige Dinge mit ihrem Freund tat ohne verheiratet zu sein! So etwas war eine Sünde und er erinnerte sich an einen ähnlichen Vorfall der sich im Jahre 1582 abgespielt hatte. Damals war eine junge Frau schwanger geworden ohne verheiratet zu sein. Er hatte sie und ihren Liebhaber verhaften lassen.
Die beiden hatten versichert heiraten zu wollen und sogar ihre Eltern hatten sich für sie eingesetzt! Doch er hatte keine falsche Gnade für diese schlechten Menschen gezeigt. Den Mann hatte er sofort hängen lassen. Er hatte ihn und die Frau noch einiger Verbrechen beschuldigt die sie nicht begangen hatten und die Beweise gefälscht. Zwar war das auch verboten jedoch der Zweck heiligte die Mittel und so reichte es für ein Todesurteil. Die Frau hatte ihr Kind im Gefängnis zur Welt gebracht. Mitten in der Nacht wurde es geboren und noch am selben Morgen hatte er sie selbst zum Galgen geschleift da sich die Gefängniswärter und der Henker geweigert hatten es zu tun. Sie hatten gesagt dass das Kind auf ihre Milch angewiesen sei und dass es keine Amme gäbe. Doch falsches Mitleid war fehl am Platze gewesen. Das Kind war in die Obhut ihrer Eltern gekommen und wenige Tage später gestorben.
Tatsächlich hatte man ihn im Dorf darauf hin beschimpft und Freunde der beiden Hingerichteten hatten ihn mit Steinen und mit Dreck beworfen. Dabei er hatte das Richtige getan.
Später hatten sich seine Statuen um diese Menschen gekümmert, lediglich eine Schwester der verdorbenen jungen Frau war zu seinem damaligen größten Feind, Walther, geflohen. Walther der Hexer! Gerne hätte er ihn verhaften und hinrichten lassen oder seine Henker zu ihm geschickt. Jedoch Walther beherrschte die Magie so gut dass er ihn zwar nicht besiegen aber dennoch verhindern konnte von ihm bestraft zu werden.
Er hatte auch anderen geholfen ihrer gerechten Strafe zu entgehen. 
„Er hätte mich auch endgültig besiegen können und wusste ganz genau wie! Aber dazu hatte er nicht den Mut oder vielmehr zu viel falsches Mitgefühl! Aber das kam mir ja zu Gute!“, dachte der Direktor verächtlich.

Noch einmal klopfte es und wieder rief Rektor Engelmann unfreundlich: „Herein!“

Doch zu seiner Überraschung betrat nicht Frau Hellenberg sondern zwei Gesetzeshüter, Polizisten, sein Büro.
„Was kann ich für Sie tun?“, fragte er überrascht. Diese Männer kämpften wie er für das Gute auch wenn sie manchmal nicht streng genug waren!

„Herr Direktor Engelmann?“, erkundigte sich einer der Beamten bei ihm und er nickte. „Ja, der bin ich!“
„Gegen Sie wurde Anzeige erstattet! Heute Morgen meldeten Herr und Frau Meurer ihren Sohn Christian als vermisst! Außerdem sollen Sie ihn gestern geschlagen haben! Die Eltern haben Anzeige wegen Körperverletzung erstattet! Und wir möchten gerne wissen wo Sie gestern waren und ob Sie etwas zum Verschwinden des Jungen sagen können!“, sagte der Polizeibeamte und nahm ungefragt vor seinem Schreibtisch auf einem Stuhl Platz.

„Mich angezeigt? Aber er hat mich auch geschlagen!“, sagte der Direktor aufgebracht. 
Das durfte doch nicht wahr sein! Er hatte einen Schüler gerechterweise geohrfeigt, dieser Bengel griff ihn darauf hin tätlich an und er wurde angezeigt?

„Wenn sich dieser Vorfall so abgespielt hat wie er uns vorhin von drei Zeugen geschildert wurde dann hat der Junge vielleicht sogar aus Notwehr gehandelt! Der Staatsanwalt wird das vielleicht auch so sehen! Schließlich haben Sie ihn zuerst angegriffen! Aber nun geben Sie uns bitte erst einmal ihre Personalien!“, sagte der Polizist und Richter Engelmann wurde blass. Trotzdem nannte er seinen Namen und ein falsches Geburtsjahr.

„Und wissen Sie was zum Verschwinden des Jungen? Wo waren Sie gestern im Laufe des Tages?“, hackte dieser freche Polizeibeamte tatsächlich nach.
„Hier in der Schule! Bis Abends! Das können eine Putzfrau und einige Kollegen bestätigen!“, sagte er wahrheitsgemäß.

Unruhig rutschte er auf seinem Stuhl hin – und her. War das der Dank dafür dass er auf seine Weise die Polizei unterstützte? Endlich, nach einer Viertelstunde die ihm wie eine Ewigkeit vor kam verließen die Beamten sein Büro.

Friedrich Engelmann wischte sich den Schweiß von der Stirn. Wenn die nun seine Personalien genauer überprüften.......



Jonas erschreckte seinen Trainer Jörg zutiefst. „Lass es ein wenig langsamer angehen!“

„Entschuldige, Jörg, aber es ist wirklich wichtig dass ich mich verbessere! Ich bin einfach zu schlecht!“, sagte Jonas und war enttäuscht dass die Schwertkampfstunde schon vorbei war.
„Du übertreibst es wirklich! Du bist doch sehr gut! Also mach mal halblang!“, forderte der Trainer ihn auf und wischte sich mit einem Tuch den Schweiß ab.

„Du jagst mich ganz schön durch die Halle! Deine Freundin Jessica habe ich übrigens vorhin gesehen! Die hat Training in der Gruppe nebenan! Sie müsste jetzt auch fertig sein!“, sagte Jörg grinsend.

Jonas nickte und verließ den Raum. Er musste unbedingt mit Jessica sprechen und sich bei ihr entschuldigen. Er vermisste sie und wusste dass er sich unmöglich benommen hatte. Die Wahrheit würde er ihr nicht sagen können. Aber irgendwie musste es doch eine Möglichkeit geben dass sie trotzdem zusammen sein konnten.

Überrascht sah Jonas dass Jessica bereits vor der Tür auf ihn wartete. Wütend sah sie ihn an.
„Ich muss mit dir reden!“, fuhr sie ihn an.
„Ich mit dir auch!“, antwortete er, jedoch sie unterbrach ihn.
„Kannst du mir mal sagen was eigentlich mit dir los ist? Bis wir nach Holland gefahren sind war alles in Ordnung und plötzlich behandelst du mich wie Luft! Als du vorgestern Schluss gemacht hast war ich ziemlich fertig, aber jetzt will ich endlich mal wissen was eigentlich Sache ist! Und komm mir nicht mit irgend welchen blöden Sprüchen wie „Es liegt nicht an dir“, oder besser noch dem Klassiker „Lass uns Freunde bleiben!“ Dann drehe ich dir auf der Stelle den Hals um!“

„Es tut mir leid!“, sagte Jonas leise. „Ich habe mich wirklich unmöglich aufgeführt. Ich weiß das soll ich nicht sagen aber es lag wirklich nicht an dir! Ich habe ein Problem! Aber darüber kann ich nicht mit dir sprechen!“

„Was für ein Problem denn?“, fragte sie erstaunt und nicht mehr ganz so aufgebracht. 

„Das kann ich dir nicht sagen. Es hat was mit....meiner Vergangenheit zu tun und mit ein paar Sachen die in letzter Zeit passiert sind! Aber ich.....liebe dich und will mit dir zusammen sein!“, sagte er ernst.

„Ich weiß nicht was ich davon halten soll!“, sagte Jessica ehrlich. „Am besten ich komme jetzt mit zu dir und wir reden über alles!“

Jonas nickte. „In Ordnung! Fahren wir zu mir nach Hause!“



Kurz darauf erreichten sie Jonas Wohnung.

„Bitte setzt dich! Ich zieh mir nur ein anderes T-Shirt an,“ bat Jonas und betrat sein Schlafzimmer. Er vergewisserte sich dass sein Schwert sicher im Schrank verwahrt war, während des Trainings benutzte er immer noch eine der Waffen die das Kampfsportcenter zur Verfügung stellte.
Dabei zog er seinen Pullover aus und griff nach seinem Lieblings-Shirt. 

Doch Jessica hatte keine Lust mehr allzu lange zu warten und betrat das Schlafzimmer als er sich gerade sein T-Shirt über den Kopf ziehen wollte.
„Wir müssen das endlich klären!“, sagte sie und erstarrte. 
Bislang hatte sie ihren Freund noch nie mit nackten Oberkörper gesehen. Doch nicht das erschreckte sie. 

An Jonas Schulter befand sich gut sichtbar ein sternförmiges Muttermal. Das konnte doch einfach nicht wahr sein! Sie wusste wo sie es schon einmal gesehen hatte. In den Unterlagen ihres Großvaters....

Die zerstörten Statuen an der niederländischen Küste sowie etwas anderes fielen ihr ein. J. S. Jonas Schneider.

„Jonas, du hast nicht zufällig mit mir Schluss gemacht weil du in Wahrheit gegen Dämonen-Statuen kämpfst und nicht willst dass ich das erfahre?“, fragte sie und hoffte dass er sie nicht auslachen würde.

Doch Jonas Blick sprach Bände. „Doch, genau deshalb habe ich mit dir Schluss gemacht!“, antwortete er überrascht. „Woher weißt du davon?“

„Dein Muttermal! Ich habe Unterlagen von meinem Opa.....ich glaube jetzt müssen wir wirklich reden!“, stellte sie fest.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!