Kapitel 56

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Direktor Engelmann sah Julia eindringlich an. „Vielleicht lasse ich Sie ja sogar am Leben und Sie dürfen Ihre Seele behalten wenn Sie mir weiter helfen!“
„Vergessen Sie es,“ antwortete Julia leise, konnte ein ängstliches Zittern aber nicht unterdrücken. 
Diese Statuen waren einfach zu bedrohlich und die Vorstellung was sie ihr alles antun konnten erschreckte sie zutiefst.

„Frau Becker, ich bin krank geworden durch Gerrits Verschwinden! Sie möchten doch nicht dass Ihrem Vorgesetzten etwas geschieht!Ich bin schließlich ein Mensch und leide unter großen Schmerzen! Natürlich sind Sie eine verdorbene junge Frau die sich ohne verheiratet zu sein jungen Männern hingibt! So etwas habe ich zu meiner Zeit nicht durchgehen lassen! Aber ich biete Ihnen an dass ich über all Ihre Vergehen hinweg sehe wenn Sie mir nur helfen meine Gesundheit wieder her zu stellen!“, sagte der Direktor.

Julia schüttelte den Kopf. Sie hatte nicht mehr den Mut zu antworteten. 
„Verflucht noch mal, ich bin keine Heldin! Ich will am Leben bleiben!“, dachte sie mit einem Anflug von Verzweiflung. „Ich will nicht dass diese Statue sich meine Seele holt und sterben will ich auch nicht!“

„Dann muss ich wohl das tun was nötig ist! Schade! Ich dachte mit Ihnen wäre zu reden!“, sagte der ehemalige Richter bedauernd und wandte sich an seine dämonische Diener. „Ihr könnt ihre Seele haben! Wenn sie doch noch sprechen will dann lasst sie los!“
An Julia gewandt fügte er hinzu: „Aber Sie sollten sich nicht zu lange Zeit lassen um diese Entscheidung zu treffen!“

Julia wurde von einem der Henker herum gerissen. Verzweifelt versuchte sie sich aus seinem Griff zu befreien jedoch es gelang ihr nicht. 
Sie sah dass die drei Jungen, die sich nach wie vor im Hintergrund aufhielten, dem ganzen Schauspiel fasziniert und erschrocken zugleich zusahen. Von ihnen war keinerlei Hilfe zu erwarten.

Der Henker legte ihr seine Hand auf die Brust und stieß ein höhnisches Lachen aus. „Jetzt gehörst du mir! Endlich eine Seele!“

„Ich will nicht!“, dachte Julia und trat um sich. Leider blieben ihre Befreiungsversuche weiterhin erfolglos. Sie starrte genau in die Auge des Dämons und wusste dass sie sterben würde.....

„Ich sage Ihnen was Sie wissen wollen!“, flüsterte sie leise und fiel hart zu Boden als der Henker sie los lies.

„Na also, ich wusste doch, dass Sie vernünftig sind! Und jetzt sprechen Sie, Frau Becker! Erleichtern Sie ihr Gewissen.
Einen Augenblick zögerte Julia noch jedoch als der Henker sich zu ihr hinab beugte und erneut nach ihr greifen wollte gab sie auf.
„Sie sind in Bayern, in einem kleinen Dorf namens Raichelbach. Im einzigen Gasthof im Ort!“, flüsterte Julia und schämte sich zutiefst. 
„So einfach verrätst du also jemanden!,“ dachte sie traurig jedoch allzu viel Zeit darüber nachzudenken blieb ihr nicht.

„Sehr gut, Frau Becker! Und jetzt, wo Sie ihr Gewissen erleichtert haben können Sie in Frieden sterben und Ihre Seele opfern!“, sagte Direktor Engelmann zufrieden.

„Sie haben gesagt.....“, stammelte Julia und kroch von dem Henker weg als er auf sie zu kam.

„Ich habe versprochen Sie am Leben zu lassen, ich weiß! Aber der Zweck heiligt nun mal die Mittel und da habe ich gelogen! Ich fühle mich auch schuldig deswegen! Aber ich schulde es der Gerechtigkeit dass ich jemanden der mit Jonas befreundet ist nicht am Leben lasse!“

„Ich bin nicht mit ihm befreundet,“ kreischte Julia und die Angst gab ihr mit einem Mal ungeahnte Kräfte. Sie erhob sich und lief davon. 
„Hinterher!“, fuhr der Direktor seine dämonischen Diener an und sie machten sich an Julias Verfolgung.

Die junge Frau lief so schnell sie konnte. Sie wusste, jetzt ging es um ihr nacktes Leben. Über alles andere, ihren Verrat, Jonas und ihre Beziehung zu Sebastian konnte sie sich später Gedanken machen. Alles was bis vor einer Stunde noch wichtig in ihrem Leben gewesen war verlor jede Bedeutung.

„Ich muss mich beeilen,“ dachte sie verzweifelt als sie die Schritte der Dämonen hinter sich hörte. 
Sie erreichte das Schulhoftor und schlug es beim Hinaus rennen hinter sich zu. Zwar hatte sie keine Hoffnung dass so etwas die Statuen aufhalten würde aber gegen alle Erwartungen gelang es.

Für einen Augenblick blieben die beiden Henker stehen, jedoch dann rissen sie die Tür auf und folgten Julia die inzwischen den Schulparkplatz überquerte und auf die nahe Straße zu hielt. 

Sie erreichte die Straße und hörte die Schritte. Gleich würden sie sie packen und töten....

Julia achtete nicht auf die wenigen Autos die zu der späten Stunde noch unterwegs waren. Sie lief auf die Straße und hörte die Schritte der Dämonen nicht mehr. Hatten sie die Verfolgung aufgegeben? 
Wagten sie sich nicht ihr zu folgen da noch Menschen in ihren Autos auf der Straße fuhren?

Mit einem Mal fühlte sie einen heftigen Schmerz in ihrem Bein und wurde zu Boden geschleudert und über den Boden geschleift....
Bremsen quietschten und eine aufgeregte Frauenstimme rief: „Oh nein! Was machen Sie denn da!“

War sie vor ein Auto gerannt? Julia spürte wie ihr die Sinne schwanden.

Eine Männerstimme erklang. „Ich habe es genau gesehen, beruhigen Sie sich gute Frau, sie konnten nichts dafür! Sie ist einfach so über die Straße gerannt....ich rufe einen Krankenwagen!“
Julia bemerkte als letztes dass jemand über ihren Arm strich. 

Sie wagte es nicht die Augen zu öffnen. „Machen Sie sich keine Sorgen, junge Frau! Gleich kommt ein Arzt!“, sagte die Frauenstimme und Julia verlor das Bewusstsein.



Wütend hatte Friedrich Engelmann vom Schultor aus den Unfall beobachtet. Seine Dämonenstatuen hatten sich in die Schatten des Schulgeäudes zurück gezogen als Julia über die Straße lief.

„Fast nie fahren um diese Zeit irgend welche Autos hier vorbei und heute Nacht müssen es direkt drei auf einmal sein! Zu allem Unglück werden gleich wahrscheinlich auch noch die Polizei und der Notarzt hier auftauchen!“

Die Insassen von drei Fahrzeugen, ein älteres Paar und zwei Männer, hatten sich um die verletzte Julia versammelt und einer sprach in ein Handy. 

Herr Engelmann kehrte auf den Schulhof zurück und sah seine beiden Statuen wütend an. 
„Da seid ihr ja wieder! Ihr hättet sie nicht entkommen lassen dürfen! Jetzt können wir nur hoffen dass sie den Unfall nicht überlebt und Jonas warnt! Aber vielleicht schämt sie sich zu sehr und wird schweigen!“

Er wandte sich an Lutger, Mirko und Frank. „Ihr werdet mir helfen! Lutger, du bist der größte und stärkste der von euch! Du und Mirko werdet mit mir einen kleinen Ausflug unternehmen! Frank, du gehst nach Hause und wirst schweigen! Und glaub mir, niemand wird dir glauben wenn du anfängst von Dämonenstatuen zu berichten! Also halt den Mund, sonst werden meine beiden Diener dir einen Besucht abstatten! Hast du das verstanden?“

Frank nickte. „Ja, ich bin ruhig! Ich verrate nichts!“, stammelte er und warf einen ängstlichen Blick auf die Henkerstatuen die wieder auf ihren Socken gestiegen waren.
„Ach ja, morgen wirst du dir bei Frau Hellenberg im Büro Reinigungsmittel holen und die Farbe von meinen Dienern wischen!“, fügte der Direktor noch hinzu und Frank nickte eifrig. „Natürlich werde ich sie sauber machen! Selbstverständlich!“

Friedrich Engelmann lächelte und wandte sich an Mirko und Lutger. 
„Ihr beiden werdet jetzt mit mir kommen! Ein paar Dinge müssen wir noch holen, und dann machen wir eine Reise ins schöne Bayern! Sicherlich ist Raichelbach ein malerischer kleiner Ort! Und dort gibt es etwas das mir gehört!“, sagte er und warf einen Blick auf seine beiden Henker. 
„Bald habt ihr Gerrit wieder bei euch! Und ich werde wieder gesund werden!“

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