Kapitel 195

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Am Tag nach dem Unwetter waren die Spuren überall zu sehen. Als Jonas zur Arbeit fuhr hatte die Polizei einige Straßen aufgrund umgefallener Bäume gesperrt.

Erst eine halbe Stunde später als gewöhnlich erreichte Jonas den Arbeitsplatz. Doch seinen Kollegen erging es nicht viel besser, erst fünf Minuten nach ihm trat Ingo ein.

„Bei uns im Garten ist ein Baum auf den Sandkasten gefallen und hat eine kleine Rutsche zerquetscht. Die Kinder von meiner Nachbarin standen heute morgen heulend daneben,“ berichtete Ingo und ließ sich auf einen Stuhl fallen. 

„Beim Kölner Dom ist ein Baugerüst umgefallen. Zum Glück war keiner mehr da und niemand hat es auf den Kopf bekommen!“

„Irgendwie war der Sturm unheimlich. So was ist doch nicht normal,“ sagte Jonas nachdenklich.

Ingo lachte kurz auf. „Jonas, du witterst überall Dämonen! Aus deiner Sicht ist das sicherlich verständlich. Aber Sturmdämonen? Gibt es so was?“

„Warum nicht? Dass es so einiges gibt, woran wir früher nicht geglaubt hätten, ist ja nichts Neues! Irgendwann stellt es sich wahrscheinlich noch heraus, dass es doch Vampire und Werwölfe gibt. Oder Elfen, die hier in den heimischen Wäldern leben. Wäre natürlich im Vergleich zu den Statuen mal eine schöne Überraschung!“, antwortete Jonas, wurde dann aber wieder ernst. 

„Gestern vor einem Jahr hab ich diesen Dämon über der Kirche erledigt. Und Stefan, du kennst ihn nicht, er ist auch nicht allzu kennenlernwert, meinte einmal, dass der Dämon anders gewesen sei...“

„Und weil ein zugegebener maßen heftiger Sturm am Jahrestag alles durcheinander wirbelt glaubst du jetzt an so was wie die Rückkehr des Grauens? Jonas, du hast Paranoia! Die Dinger sind doch tot, wenn man ihnen den Kopf abhackt!“, rief Ingo lauter als beabsichtigt und wurde im nächsten Augenblick rot.

„Wem den Kopf abhacken?“, hörten sie eine Stimme hinter sich und blickten in das Gesicht einer älteren Kollegin, die in wenigen Monaten in den Ruhestand gehen würde. Tadelnd sah sie die jüngeren Kollegen an und hob schmunzelnd den Zeigefinger. 

„Also man sollte nicht so viel Zeit vor diesen PC-Spielen verbringen! Das sage ich meinem Neffen auch immer.Der spielt so ein Spiel im Internet, da gibt es nur Monster und so was. Und er kämpft gegen die, zusammen mit anderen. Wir haben früher draußen Ball gespielt und ich habe für so was auch heute keine Zeit! Ich werde statt dessen heute Nachmittag mein Gartenhäuschen reparieren! Das ist völlig kaputt! So einen Sturm haben wir hier in der Gegend ja noch nie erlebt! Hoffentlich kommt so was jetzt nicht dauernd vor! Aber bei dem Klimawandel....langsam glaube ich, dass doch was dran ist. Ich hielt das bisher ja für Panikmache, aber nach der Sache gestern....“

„Ja, das war ungewöhnlich,“ murmelte Jonas noch immer nachdenklich.

„Nicht so ungewöhnlich wie Computerspiele, in denen Monstern der Kopf abgehackt wird. Vielleicht bin ich mit Mitte sechzig für so was langsam zu alt, manchmal denke ich, hier ist der reinste Kindergarten!“, lachte die Kollegin und packte einen Stapel Papiere, die sie kurz auf dem Tisch abgelegt hatte. „Ich gehe die mal kopieren.“

Am Abend des gleichen Tages parkte Jonas seinen Wagen in der Nähe der St. Andreas Kirche. Er wollte nun wissen, ob sich seine schlimmsten Befürchtungen, die bereits den ganzen Tag in seinem Kopf herum spukten, bewahrheiten würden.

„Vielleicht.....ist dieser Dämon zurück gekehrt! Vielleicht hing der Sturm tatsächlich mit ihm zusammen!“, dachte er und umrundete die Kirche, bis er den Haupteingang erreichte. Stefan hatte mehr als eine Andeutung gemacht, dass dieser Dämon anders als die anderen sei. Und warum war unbedingt sein ehemaliges, angeblich von Engeln geschmiedetes Schwert notwendig gewesen, um ihn zu besiegen?

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!