Kapitel 163

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Stefan hatte das Gespräch zwischen Hedwig und Georg durch die offene Balkontürer mit angehört.

„So so, Lucas ist also der Sohn von diesem Georg, nicht aber der von Hedwig. Er ist also lediglich Jonas Halbbruder. Interessant zu wissen. Und dieser Georg hat seiner Frau da ganz schön was zugemutet, ich würde mich auch hüten die Kinder von anderen Männern groß zu ziehen.....“

Nun beobachtete Stefan Jonas Mutter als sie das Haus verließ. Doch hatte ihre Stimme vorhin noch flehentlich und traurig geklungen so bemerkte er dass sie rot vor Wut im Gesicht war und leise fluchte.

„Es gibt also noch jemanden der einen ziemlichen Hals auf Lucas hat, er muss auch überall stören und für Ärger sorgen,“ dachte Stefan belustigt. 

Vielleicht ließ sich mit der Wut der Frau ja etwas anfangen?

Stefan folgte ihr zu ihrem geparkten Wagen und hielt sie dort am Arm fest. „Was wollen Sie von mir? Ich habe kein Geld bei mir!“, sagte die Frau ängstlich aber Stefan lächelte sie freundlich an und ließ sie los.

„Entschuldigen Sie bitte vielmals wenn ich Sie erschreckt habe aber wir beide sollten uns dringend einmal unterhalten!“

„Sollten wir das? Ich wüsste nicht worüber,“ keifte Hedwig Stefan an und er widerstand nur mühsam dem Verlangen sie zu schütteln und an zu schreien. 

„Es geht um Ihre Ehe und Ihren...Sohn Lucas,“ wandte er ein und Hedwig warf ihm einen bitterbösen Blick zu.

„Mein Sohn? Nennen Sie diesen Eindringling bloß nicht noch einmal meinen Sohn....“, entfuhr es ihr und erschrocken schwieg sie und warf einen Blick zu Georgs Wohnung. 

Stefan folgte diesem Blick. Hatte sich dort nicht ein Vorhang am gekippten Fenster bewegt?

„Darum geht es ja. Es ist wirklich schlimm was Ihr Mann Ihnen da zugemutet hat und Lucas macht es Ihnen sicherlich auch nicht unbedingt leichter. Wäre er wenigstens ein liebenswerter Stiefsohn, dann ginge es ja vielleicht noch. Aber so? Sie sind nicht die Einzige die sich über ihn ärgern musste! Aber könnten wir das alles nicht bei einer guten Tasse Kaffee besprechen? Vielleicht kann ich Ihnen ja weiter helfen und Sie und Ihr Mann finden wieder zueinander? Ich denke nicht dass dies ein Problem ist das man nicht lösen kann!“, sagte Stefan ernst und schließlich gab Hedwig nach.

„Gut, gehen wir doch in einCafè, das liegt drei Straßen weiter. Ich fahre voraus und Sie folgen mir. Da besprechen wir dann alles andere, einverstanden?“

Eine halbe Stunde später saßen Hedwig und Stefan sich in einem kleinen Cafè gegenüber und er hatte sich, natürlich auf die Kosten von Jonas Mutter, einen Kaffee bestellt.

'„Der ist hier aber nicht billig,“ beschwerte sich Hedwig und Stefan zuckte zusammen. „Also wenn Sie zu Geiz neigen werde ich Ihnen ganz bestimmt nicht helfen!“

„Geiz? Sie sind ein wildfremder Mensch und erwarten dass ich Sie einlade? Jetzt sagen Sie mir schon das was Sie zu sagen haben und dann entscheide ich ob ich mich noch weiter mit Ihnen abgebe!“, fuhr Hedwig Stefan unfreundlich an und er dachte bei sich: „Was für eine blöde Kuh. Kein Wunder dass ihr Mann sie verlassen hat. Die geht ja selbst einem Teildämon wie mir auf die Nerven. Wie hat Jonas das nur ausgehalten?“

Doch er riss sich zusammen als er sich an Hedwig wandte. „Sie haben Probleme mit Ihrem Stiefsohn Lucas. Ich habe Ihr Gespräch mit Herrn Schneider mitbekommen. Er hat also einen Sohn mit einer anderen Frau während der Ehe gezeugt und erwartete allen Ernstes von Ihnen dass Sie das einfach so hinnehmen. Aber Sie lieben Ihren Mann und wollen ihn trotz allem zurück haben, ist das richtig?“

Hedwig nickte. „Es ist zwar nicht höflich Gespräche anderer Menschen zu belauschen und ich verbiete es mir dass sie von Georgs Fehltrittergebnis in irgend einer Weise von meinem Sohn oder Stiefsohn sprechen. Er ist beides nicht. Aber Sie haben recht, ich möchte meine Ehe gerne retten. Sie war bis vor nicht allzu langer Zeit intakt. Bis Lucas auftauchte nachdem seine Mutter, diese sich Ehemännern an den Hals werfende Frau, starb. Dann habe ich einige kleine Fehler gemacht. Ich wollte meinem Sohn Jonas eigentlich helfen denn er hat ernsthafte Probleme. Welcher Art die sind geht Sie nichts an. Dabei bin ich ein ganz kleines bisschen übers Ziel hinaus geschossen und Georg hat dies in den falschen Hals bekommen. Darauf hin hat er mich verlassen.“

Hedwig verzichtete darauf dem Fremden genauere Einzelheiten zu berichten. Es war nicht richtig gewesen ihrem Sohn so viele Schlaftabletten zu verabreichen und sie hätte nicht zulassen dürfen dass Engelmann ihn an griff. Warum dieser das getan hatte war ihr noch immer nicht so recht klar. Lag es wirklich an Jonas scheußlichem Muttermal? Dass er deswegen dachte er sei etwas Besonderes und dass Engelmann ihm dies hatte austreiben wollen? Aber wie auch immer, ihr Sohn litt doch unter Wahnvorstellungen und glaubte er müsse gegen irgend welche merkwürdigen Wesen, waren es nun Vampire, Dämonenstatuen oder Geister?, kämpfen. Und dass Sie Georg Schlaftabletten geben wollte war doch nur eine verzweifelte Kurzschlussreaktion gewesen. Immerhin wollte Georg alles weg werfen was sie sich aufgebaut hatten. Das gemeinsame Haus würde verkauft werden müssen sollte er an seinen Trennungsplänen festhalten.

„Aber als Witwe hätte ich es bekommen da wir uns gegenseitig als Erben eingesetzt haben. Wenigstens unser Haus hätte ich so gerettet....“, dachte Hedwig und erinnerte sich mit Unbehagen an die Vorwürfe die ihre eigene Schwester Renate ihr gemacht hatte. 

Renate meinte sie sei zu weit gegangen. Sicherlich hätte Georg ihr einiges zugemutet aber sie dürfe sich dadurch doch nicht strafbar machen. Sie solle lieber in Ruhe mit ihrem Mann über alles sprechen und vielleicht sogar therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.

„Sogar meine eigene Schwester denkt ich wäre nicht ganz dicht. Ich habe ihr schließlich nach dem Mund geredet. Immerhin hat sie mich ja lieb getröstet. Wenigstens ein Mensch dem ich nicht ganz egal bin. Aber ihr scheußlicher Mann meinte schließlich es sei Zeit dass ich abreise,“ dachte Hedwig wütend ehe sie sich wieder ihrem Gegenüber zu wandte.

„Sie haben wirklich Recht, Georg hat mir viel zugemutet. Und wäre Lucas nicht zu uns gezogen dann hätte es manche Probleme gar nicht erst gegeben. Sicherlich wäre Georg dann noch bei mir. Und Jonas hat diese kleine Ratte auch noch auf seine Seite gezogen. Die beiden verstehen sich gut und verhalten sich wirklich fast schon wie Brüder, obwohl sie es nur zum Teil sind.“

„Ja, das ist wirklich schlimm. Ich hatte wie gesagt auch Ärger mit den Beiden und ich glaube dass Lucas da die treibende Kraft war. Wegen ihnen habe ich viel Geld verloren und ich möchte ihnen einen kleinen Denkzettel verpassen. Gegen eine kleine....finanzielle Unterstützung würde dieser ein wenig größer ausfallen. Und wer weiß, vielleicht braucht Ihr Mann hinterher ein wenig Trost wenn es seinem Sohn nicht so gut geht und zwischen Ihnen wird alles wieder gut!“, sagte Stefan und Hedwig zögerte einen Augenblick ehe sie nickte. „Ich würde alles tun um meinen Mann zurück zu gewinnen.“

Stefan nickte. „Gut. Auch wenn ich es gerne täte, ich sage Ihnen aber direkt dass ich Ihnen Lucas nicht dauerhaft vom Hals schaffen kann und werde. Ich werde ihm nicht ernsthaft verletzen. Aber wenn ich mit ihm fertig bin geht er vielleicht lieber freiwillig in ein Heim und möchte weder mit ihrem Sohn noch ihrem Mann etwas zu tun haben.“

Unterdessen erreichte Georg seinen Sohn Jonas telefonisch bei der Arbeit. „Jonas? Störe ich gerade?“

„Nein, nicht wirklich. Ich wollte sowieso gerade Feierabend machen. Du hast Glück dass du mich noch erwischst. Was gibt es denn?“, erkundigte sich Jonas und stopfte einige Unterlagen in seinen Schreibtisch.

„Deine Mutter ist wieder aufgetaucht. Es geht ihr recht gut und sie macht einen sehr erholten Eindruck. Aber sie kann sich noch immer nicht damit abfinden dass es mit uns vorbei ist.“, sagte Georg und Jonas nickte unbehaglich.

„Auch wenn sie meine Mutter ist, der Gedanke dass sie bei euch herum schleicht gefällt mir irgendwie nicht. Schade dass sie nicht länger bei Tante Renate geblieben ist aber ich nehme an Onkel Horst hatte irgendwann genug von ihr. Die beiden konnten sich ja auch noch  nie sonderlich leiden.“

„Ja, das stimmt,“ seufzte Georg. „Dabei denke ich dass Renate einen guten Einfluss auf sie hat aber Horst hat natürlich auch Recht wenn er zu Hause seine Ruhe haben möchte. Aber etwas anderes bereitet mir viel mehr Sorgen. Ich habe ihr nachgesehen als sie das Haus verließ und draußen hat sie sich eine Weile mit jemandem unterhalten. Ich glaube es war dieser Kerl den ich nicht leiden kann, Stefan. Ich konnte nicht allzu viel verstehen aber ich habe mitbekommen dass er auf sie zugegangen ist und sie am Arm gepackt hat. Dann hat er auf sie eingeredet.“

„Stefan schleicht auch da rum? Ich komme vorbei,“ sagte Jonas und sein unbehagliches Gefühl wuchst ins Unermessliche. „Ich muss nur noch nach Hause gehen und was holen.“

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