Kapitel 177

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Das schlechte Gewissen das Lucas fast das gesamte Wochenende geplagt hatte verschwand ein wenig als er am nächsten Montag seinen Freund Andy in der Schule traf. Verschwörerisch blickend stand er neben Lucas auf dem Schulhof.
„Also ich hatte noch den ganzen Sonntag über Kopfweh,“ klagte Andy ehe er lachte. „Aber irgendwie hat es doch auch Spaß gemacht. Die beiden Mädels haben wirklich gedacht wir wären volljährig. Ich bin mir sicher die hätten noch mit uns rum geknutscht wenn es mir nicht schlecht geworden wäre.“

Lucas sah Andy ein wenig zweifelnd an. „Es war irgendwie wirklich ganz lustig. Aber mein Vater hat sich das ganze Wochenende Sorgen gemacht. Weil es mir nicht so gut ging. Der hat es im Moment nicht so leicht. Seine baldige Ex-Frau ist ein wenig am durchdrehen und Jonas war ja auch vor zwei Monaten im Krankenhaus.“

„Weswegen denn?“, erkundigte sich Andy. Er hatte nur flüchtig davon erfahren. „Dein Bruder ist doch nicht krank oder so?“
Lucas schüttelte den Kopf. „Nein, es war ein.....Unfall. Und dann hatte ich ja auch einen kleinen Unfall. Daher auch meine Gehirnerschütterung. Und jetzt macht er sich mehr Sorgen als früher. Und als es mir gestern schlecht war dachte er schon es wäre was Schlimmes!“

„Also ich werde am Samstag auf jeden Fall wieder raus gehen. Und bitte komm doch mit,“ bat Andy grinsend. „Das wird lustig. Und alle anderen machen es doch auch. Komm schon, sag ja.“

Lucas geriet ein wenig ins Schwanken. „Ich weiß nicht so recht.....“

„Du kommst bestimmt mit,“ freute sich Andy und schlug seinem Freund auf die Schulter. „Und wer braucht schon Gunnar? War gemein dass wir sein Bad schrubben mussten. Wir konnten doch nichts dafür dass es uns schlecht war. Er ist wirklich ein Fiesling!“


Julia saß mit Britta auf deren Balkon zusammen. Zuvor hatte Britta ihrer Freundin das fertig eingerichtete Kinderzimmer gezeigt. Voller Stolz sah die werdende Mutter ihre besten Freundin nun an.
„Also, sag schon, wie gefällt dir das Zimmer? Ich fand das so niedlich, das Bettchen mit dem Baldachin. Und der Stubenwagen hat schon meiner Oma gehört. Der ist doch wirklich niedlich, oder? Die kleinen Bärchen hat mein Opa an die Seiten gemalt.“

„Das Zimmer ist wirklich süß. Und die kleinen Strampler sind auch....winzig!“, antwortete Julia ein wenig abwesend und mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Was ist denn mit dir los? Du bist so merkwürdig! Bist du frisch verliebt oder was? Du hast so einen verklärten Blick!“, stellte Britta einige Vermutungen an.

Julias Lächeln verschwand. „Ja, ich glaube ich bin tatsächlich kurz davor mich zu verlieben. Ist das nicht komisch? Da kennt  man jemanden schon lange, mag ihn eigentlich nie besonders und dann ändert sich alles....“

„Von wem sprichst du eigentlich?“, fragte Britta beunruhigt. „Doch nicht etwas von Jonas?“

Julia nickte. „Doch, ich spreche von Jonas. Und ich will jetzt keine dämlichen Bemerkungen hören!“

„Aber.....das geht doch nicht,“ sagte Britta verunsichert. „Ich meine, Jonas ist halt....Jonas. Du weißt schon. Der Jonas den man in den Teich geschubst hat und dem wir die Hefte beschmiert haben. Und der viele Pickel hatte. Jonas ist der von dem wir immer wussten er wird es nie zu was bringen und nie eine Freundin haben....“

„Und Jonas ist der der deinem Dennis den Arsch gerettet hat. Und ohne den du weder deinen Mann noch dein Baby hättest,“ sagte Julia leicht genervt. „Und er hat einen besseren Job als wir. So viel zum Thema zu nichts bringen. Und was die Freundin angeht....“

„Gut, da waren Jessica und diese Natty. Oder wie immer sie auch hieß. Aber die haben sich beide von ihm getrennt. Und das nicht ohne Grund. Ich weiß auch dass ich vielleicht ein bisschen ungerecht bin. Jonas hat einiges hin bekommen. Auch ohne die Sache mit den Statuen. Aber...“, wandte Britta unsicher und ihr Weltbild über Jonas verteidigend ein.

„Zum einen hieß die Freundin Nadine und nicht Natty. Und du hast recht, auch vor den Statuen hatte er schon einiges geschafft. Sich nämlich ein halbwegs gutes Leben aufgebaut. Er ist eben nicht mit einem Hut in der Fußgängerzone gelandet, das haben wir ja früher immer erwartet und ihm auch oft genug an den Kopf geworfen,“ antwortete Julia und fügte hinzu: „Ich weiß nicht ob das mit uns was gibt. Aber wenn ich mit Jonas zusammen bin hab ich dieses Kribbeln in Bauch. Du weißt schon, die berühmten Schmetterlinge. Kannst du dich nicht einfach für mich freuen?“

Britta seufzte. „Ich freue mich ja wenn du einen neuen Freund hast. Aber....muss es ausgerechnet Jonas sein?“

Julia nickte. „Ja, es muss Jonas sein. Und ich will nichts Schlechtes mehr über ihn hören, klar?“

Schließlich lenkte Britta ein. „Es ist ja deine Sache mit wem du zusammen bist. Und Dennis mag es auch nie wenn ich was Schlechtes über Jonas sag. Manchmal glaube ich schon alle haben sich gegen mich verschworen. Dabei soll man zu werdenden Müttern doch lieb sein!“
Nun schien Britta tatsächlich den Tränen nahe zu sein und Julia plagte das schlechte Gewissen.Sie wollte eine werdende Mama doch nicht aufregen.
„Aber Britta, wir sind doch alle lieb zu dir. Sei du auch lieb zu mir. Und bevor du damit anfängst was andere alte Bekannte dazu sagen werden.....es ist mir ganz egal was eine leicht senile Diana Gärtner oder eine Petra oder Cindy oder wer auch immer dazu sagen werden.“

„Also gut, dann komm halt mit ihm zusammen, und wenn ich dich zur Taufe einlade dann kannst du ihn....meinetwegen mitbringen.“ gab Britta schließlich gönnerhaft ihren Segen.

„Dass sie ihm nicht erlaubt dass er sogar am gleichen Tisch Kuchen essen darf ist auch alles,“ dachte Julia spöttisch. 

Britta war eben Britta und würde sich niemals ändern was ihre Meinung über Jonas anging.



Am nächsten Tag saßen Julia und Jonas auf einer Bank am Rhein und sahen auf die vorbei fahrenden Schiffe.
Es war ein heißer Tag und in der Nähe lagen einige junge Leute in Badesachen am Rheinufer. Eine junge Frau watete gerade mit den Füßen ins Wasser.

„Hier ist es richtig ruhig. Man kann fast vergessen dass man in einer Großstadt ist,“ sagte Julia die sich gefreut hatte dass Jonas sich mit ihr nach der Arbeit treffen wollte.
„Ich muss dir was sagen,“ begann Jonas ein wenig unsicher. Er würde es nicht mehr länger vor Julia geheim halten was aus ihm geworden war. Und dass er selbst nicht so genau wusste welche Auswirkungen diese Veränderungen noch haben würden.

„Es wird ernster zwischen uns. Und da sollte sie wissen mit wem oder was sie sich einlässt,“ dachte Jonas bedrückt. Vielleicht würde sie erschrocken davon laufen wenn sie es erfuhr. Aber er hatte in seiner letzten Beziehung bereits zu viel geheim gehalten und diesen Fehler wollte er nicht wieder holen.

„Was willst du mir sagen?“, fragte Julia behutsam und nahm Jonas Hand. Einen kurzen Moment saßen sie so da ehe sie ihren Kopf in seine Richtung drehte und ihm einen Kuss auf die Lippen drückte den er zuerst ein wenig überrascht, aber dann sanft erwiderte.

Ein bisschen verlegen trennten sie sich schließlich wieder voneinander und Jonas legte einen Arm um Julias Schultern. Er hasste es die schöne Stimmung zu stören, vielleicht sogar zu zerstören und kämpfte einen Moment mit sich selbst. Und wenn er es doch für sich behielt? War es nicht eigentlich seine Sache?
Aber dann gab Jonas sich einen Ruck. „Was ich dir sagen wollte hätte ich eigentlich schon vorher sagen sollen. Bevor....“
„Bevor ich dich küsse? Was willst du mir sagen?“, fragte Julia und schaute Jonas verunsichert an. Irgendwas stimmte doch ganz und gar nicht.

„Du erinnerst dich doch noch an die Sache damals im Museum, nicht wahr? Und an das was wir über diese Dämonenjägerin erfuhren. Die zum Teil ein Dämon war?“, fragte Jonas. 
Die junge Frau nickte. Sie hatte diese Geschichte mit einem gewissen Unbehagen und sogar Ekel vernommen. „Ja, aber was hat das mit uns zu tun?“

„Das gleiche trifft seit der Sache im Museum...auch auf mich zu!“, antwortete Jonas.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!