Kapitel 113

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Am Morgen nach Julias und Jonas Aufräumaktion hatte nicht nur Julia einen freien Tag. Auch Lucas konnte länger schlafen. Er genoss den freien Tag und wünschte den Lehrern einen wunderschönen Ausflug.

„Ich hoffe die haben einen richtig schönen Tag. Hoffentlich gehen sie schön wandern, schauen sich die Gegend an, gehen in eine Kneipe, besaufen sich bis zum Umfallen und sind morgen nicht in der Lage Unterricht zu geben! Dann liegen sie in ihrem schönen gemütlichen Bett, besonders Herrn Mayer gönne ich das. Ich hab nämlich nichts von dem verstanden was im Chemie-Test dran kommen könnte! Und wenn er einen Kater hat dann fällt der bestimmt aus!“

Lucas setzte sich aufs Sofa und schaltete den Fernseher ein. Seine Hüfte tat mittlerweile nicht mehr weh auch wenn ein blauer Fleck der langsam blasser wurde zurück geblieben war.

Seinen Dolch hatte er wieder unter seinem Bett verstaut. Noch immer ärgerte er sich darüber dass der Herbergsleiter wohl straffrei davon kommen würde. 

„Ist es denn unsere Schuld wenn die Gerichte nicht an Dämonen glauben? Ich glaube in anderen Ländern, außerhalb von Europa sieht das anders aus. Ich hab da mal was über Südamerika gelesen. Aber wenigstens ist der Dämon ja weg und kann niemanden mehr umbringen der sich im Mai in die Jugendherberge traut!“

Er machte sich ein wenig Sorgen um Sabrina. Diese und auch Mirko hatte die ganze Geschichte doch sehr mitgenommen. Mirko war seitdem nicht mehr im Unterricht gewesen und Sabrina hatte gestanden dass sie in den ersten beiden Nächten nach ihrem erfolgreichen Kampf kein Auge zu bekommen hatte. 

„Aber mir ging es nicht viel anders, aber es ist nicht mehr so schlimm wie damals als dieser Henker meine Mutter getötet hat oder nach der Sache mit dem anderen Henker in dieser Burgruine in Stuttgart die ich mit Jonas erledigt habe. Kann man sich an so was gewöhnen? Wird es einfacher wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat dass es nun mal Dämonen gibt? Jonas hat übrigens am Wochenende Geburtstag und er lädt unseren Vater und mich zum Essen ein. Viel Lust da hin zu gehen habe ich nun wirklich nicht. Aber das kann ich nun auch nicht bringen...“, dachte er und erschrak als er einen Fernsehbeitrag sah der seine Lust auf ein gemeinsames Essen mit Jonas noch weiter senkte.

Ein Reporter stand an einem Strand und deutete auf eine zerstörte Statue. „In der vergangenen Nacht ist die Statue die den früheren Grafen Bernhard von Bernhausen darstellt zerstört worden. Wie es möglich war diese doch sehr schwere und 2,50 Meter große Statue von ihrem Sockel zu stoßen auf dem sie befestigt war um sie dann zu zerschlagen ist der Polizei allerdings noch ein Rätsel. Steckt vielleicht einer der Bewohner des ein Kilometer entfernten Dorfes Bernhausen dahinter? Die Statue war vor allem bei den älteren Bewohnern sehr unbeliebt und es rankten sich einige alte Märchen um sie. Angeblich sollte sie von Zeit zu Zeit lebendig werden und vor allem Kinder holen um sie tot hier am Strand zurück zu lassen. Der Legende nach war der Graf Bernhard von Bernhausen ein Kinderhasser der sich durch ihr fröhliches Lachen in seiner Ruhe gestört fühlte. Und tatsächlich hat unser Fernsehteam heraus gefunden dass man in den vergangenen 150 Jahren insgesamt 25 tote Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren hier fand. Allerdings liegt der letzte Todesfall bereits 50 Jahre zurück. Ich habe eine Anwohnerin hier und sie möchte dazu etwas sagen dass ihr geradezu auf den Nägeln zu brennen scheint.“

Die Kamera schwenkte zu einer alten Frau die böse in die Kamera sah. „Was heißt hier Legende? Der böse Bernhard holt immer die Kinder! Deshalb sind nach dem Krieg auch keine jungen Familien mehr nach hier gekommen. Denen haben wir Einheimischen davon abgeraten! Und wir vermieten auch nicht an Touristen obwohl der Strand hier geradezu ideal für Badeurlaub und in der Beziehung eine Goldgrube wäre! Der jüngste Einwohner bei uns im Dorf ist mittlerweile 65 Jahre alt und wir sind nur noch 30 Leute, ohne den Bernhard wären es bestimmt 300 oder mehr. Gut dass der weg ist! Ich sah letzte Nacht jemanden mit einem Schwert durch das Dorf gehen, meine Nachbarn auch und die alte Lena, das ist die Frau die gegenüber von mir wohnt, hat ihm sogar einen Blumenstrauß in den Arm gedrückt. Sie hat nämlich einen Blumenladen! Und die alte Frau Kuckerts hat ihn umarmt und laut gerufen dass ihr kleiner Bruder nun endlich gerächt und seine Seele gerettet sei! Dann bin ich zusammen mit der halben Straße nach draußen gegangen und wir haben ihm applaudiert! Er hat uns allen ganz nett die Hand geschüttelt und gesagt wir bräuchten uns keine Sorgen mehr zu machen! Der Mann hat die böse Statue bestimmt zerstört! Ich hoffe der kriegt keinen Ärger mit der Polizei! Hier wird niemand helfen ein Phantombild zu erstellen, wir sind alle viel zu dankbar und dachten nicht dass wir es noch erleben würden dass der böse Bernhard mal verschwindet!“

„Äh, ja, sicherlich! Das war nun die Märchenstunde von der Nordsee. Und jetzt schalten wir in den Berliner Zoo wo Eisbär Knut heute auf den Bürgermeister treffen....“, sagte der Reporter.

Lucas hatte genug gehört und schaltete den Fernseher aus.

„Er hat es schon wieder getan, letzte Nacht! An diesem Nordseestrand! Was denkt Jonas sich eigentlich immer dabei? Und dann spaziert er auch noch mit seinem Schwert durch den Ort so dass ihn alle sehen und bejubeln können? Als nächstes wird er wohl Autogramme geben! Wird er langsam größenwahnsinnig? Irgendwann macht er es wahrscheinlich noch wie diese Dämonenjägerin aus dem Mittelalter und nimmt Geld dafür! Nicht dass ich um diesen Dämon traurig wäre, aber trotzdem....“, dachte er wütend.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!