Kapitel 180

64 6 0

Unglücklich sah Stefan Michaela dabei zu als sie sich ihre Handtasche griff und ihm anschließend einen Kuss auf die Wange gab.
„Soll ich dich anrufen und dir sagen was Herr Paulsen gesagt hat? Vielleicht hat er ja wirklich eine Spur gefunden und ich erfahre endlich was wirklich mit meiner Schwester passiert ist!“

Stefan zögerte kurz ehe er nach Michaelas Arm griff. „Bist du dir sicher dass du dir das antun willst? Wahrscheinlich zieht er dir nur das Geld aus der Tasche und weckt falsche Hoffnungen in dir!“
Michaela schüttelte entschlossen den Kopf. „Das glaube ich nicht. Er ist recht seriös und eine Arbeitskollegin hat ihn mir empfohlen. Er hat für sie damals heraus gefunden dass ihr Mann sie betrügt.....“

„Aber das ist doch etwas vollkommen anderes! Ein Fremdgeher ist doch nicht mit einem eventuellen Mörder zu vergleichen! Außerdem, stand es nicht fest dass deine Schwester durch einen Unfall gestorben ist? Wenn die einen Verdacht hätten dann würden die doch selbst ermitteln! Dazu ist die Polizei doch da!“, sagte Stefan und sah seine neue Freundin fast schon flehentlich an.

Aber Michaela reagierte mit Unverständnis. „Warum willst du mich daran hindern heraus zu finden ob es wirklich nur ein Unfall war? Ich muss das einfach wissen, sonst komme ich den Rest meines Lebens nicht mehr zur Ruhe. Außerdem würde Monika das sicherlich auch für mich machen!“

Die junge Frau gab dem Dämonenjäger einen flüchtigen Kuss auf die Wange ehe sie die Wohnung verließ. Doch an der Tür drehte sie sich noch einmal zu ihm um.
„Ich bin froh dass ich dich kennen gelernt habe.....sonst hätte ich wahrscheinlich niemanden mehr mit dem ich über meine Schwester sprechen kann. Meine Kolleginnen verdrehen schon genervt die Augen wenn ich davon anfange. Es sei doch immerhin schon ein paar Wochen her. So langsam müsste ich doch darüber hinweg sein. Das hat mir neulich meine Chefin gesagt und dass ich das Arbeitsklima stören würde wenn ich dauernd mit meinen Gedanken woanders sei.....“

Als die Tür sich schloss setzte Stefan sich an den Küchentisch und starrte vor sich hin. „Sie ist froh dass sie mich hat.....wenn sie wüsste dass ich....“



Michaela betrat das Büro des Privatermittlers Rudolf Paulsen. Bei ihm handelte es um einen grauhaarigen Mann von Anfang fünfzig der ihr freundlich die Hand schüttelte. 
„Frau Brenner, ich habe einige Neuigkeiten für Sie. Viel konnte ich leider noch nicht in Erfahrung bringen. Aber bitte nehmen Sie doch erst einmal Platz!“

Michaela setzte sich auf den angebotenen Stuhl während Herr Paulsen hinter seinem Schreibtisch Platz nahm und nach einem Aktenordner griff.

„Sie sagten eine Nachbarin habe jemanden in Monikas Wohnung gehen sehen? Am Tag an dem sie starb?“, erkundigte sich die junge Frau.
Herr Paulsen nickte. „Ja, ich habe mit einigen Nachbarn gesprochen. Doch im Gegensatz zur Polizei auch mit Leuten die nicht unmittelbar neben ihr wohnten. Aber einen zu großen Vorwurf dürfen wir den Beamten auch nicht machen denn die Nachbarin, Frau Jansen, fuhr am nächsten Morgen in den Urlaub und konnte daher gar nicht vernommen werden.....“

„Dann hätten Sie es nach dem Urlaub machen sollen,“ dachte Michaela verärgert, konzentrierte sich dann aber auf den Privatermittler.

„Frau Jansen sah am frühen Abend, sie brachte gerade ihre Koffer zum Auto, einen dunkelhaarigen Mann gemeinsam mit Ihrer Schwester in deren Haus gehen. Es handelte sich nicht um einen der anderen Mieter, sie hatte ihn vorher noch nie gesehen. Er schien auf sie einzureden und sie machte einen unglücklichen Eindruck. Aber Frau Jansen hat sich nichts weiter dabei gedacht. Sie glaubte es würde sich vielleicht um einen Bekannten handeln,“ sagte Herr Paulsen und versuchte seiner Stimme einen sachlichen Klang zu geben.

„Ein dunkelhaariger Mann?“, dachte Michaela. Stefan kam ihr kurz in den Sinn. Aber hatten nicht über 50 Prozent der Männer in Deutschland dunkles Haar? Die Beschreibung konnte auf jeden zutreffen.

„Aber sie hat noch mehr gesehen, oder?“, hackte Michaela nach. 

Herr Paulsen nickte. „Ja, sie ging Nachts zur Toilette und wollte etwas trinken. Dabei ging sie in die Küche zum Fenster und sah ihre Schwester und ihren Begleiter das Haus verlassen. Sie war sich nicht ganz sicher ob es sich um den gleichen Mann handelte. Aber er trug etwas langes und glänzendes in der Hand. Sie glaubt dass es ein Schwert oder etwas in der Art war!“

„Ein Schwert?“, fragte Michaela ungläubig. Wenn es eins gewesen war dann hatte der geheimnisvolle Fremde ihrer Schwester nichts damit getan.

„Mehr konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen. Die Dame konnte den Fremden nur vage beschreiben. Aber wurde nicht eine Statue neben den....sterblichen Überresten ihrer Schwester gefunden? Ich habe heraus gefunden dass die Leute in der Gegend sehr viel Angst vor dieser Figur hatten. Sie nannten sie „die alte Grit“ und es rankten sich ein paar Spukgeschichten um sie,“ sagte Herr Paulsen bedauernd und reichte seiner Kundin die Hand. 
„Ich bleibe an der Sache ran. Mit dem Schwert kann der Unbekannte die Statue wohl kaum zerstört haben, das wäre nicht möglich, glaube ich zumindest. Ich müsste da mal bei einem Steinmetz nachfragen.“

Nicht vollkommen unzufrieden verließ Michaela das Büro des Privatermittlers und machte sich auf den Weg nach Hause. Sie wollte ein wenig allein sein und über die neuen Informationen nachdenken.
„Ein Fremder mit einem Schwert und eine spukende Statue? Langsam wird es mysteriös. Aber was hatte Monika damit zu tun? Sie hat nie im Leben an Geister oder so was geglaubt.....



Schlecht gelaunt schlenderte Stefan an diesem Nachmittag durch die Stuttgarter Innenstadt. Würde dieser Privatermittler etwas über ihn heraus finden? Hatte diese neugierige Nachbarin, die sich um Dinge kümmerte die sie nichts angingen, ihn erkannt?

Unschlüssig blieb Stefan vor einem Elektrofachhandel stehen und sah ins Schaufenster ohne sich wirklich für die Fernsehgeräte und Computer zu interessieren. Zu allem Unglück rempelte ihn jemand an und er sah in das Gesicht einer alten Frau. „Junger Mann, der Fernseher da, was kostet der denn? Ist der sehr teuer? Ich habe meine Brille leider vergessen!“

„Ja, der ist sehr teuer,“ antwortete Stefan unfreundlich und die alte Dame betrat kopfschüttelnd und sich über die Jugend von heute aufregend den Laden.

Der Dämonenjäger machte sich Sorgen. Würde er Schwierigkeiten bekommen? Andererseits hatte er Michaelas Schwester nicht wirklich getötet. Er trug einen Teil der Mitschuld. Aber gestorben war sie wirklich durch einen dummen Unfall. Einen Mord oder auch nur eine Körperverletzung würde man ihm wahrscheinlich nicht anhängen können.
Doch das war nicht der einzige Grund für seine Sorgen. Er mochte Michaela und hatte während der vergangenen Nacht teilweise vergessen wer ihre Schwester gewesen war. Stünde Monika nicht zwischen ihnen....

„Aus uns könnte wirklich was werden. Ich müsste mir wieder einige Ausreden einfallen lassen wenn ich unterwegs bin. Vielleicht würde ich die Dämonenjagd auch ziemlich runter fahren. Sollen sich doch so Weltverbesserer wie Jonas um die Dinger kümmern. Ich habe einiges zusammen gespart und würde mir nur noch dann einen vornehmen wenn ich Geld brauche.......“, dachte der Dämonenjäger bedrückt.

Erneut wurde Stefan an gerempelt, diesmal von einem verliebten Pärchen das ihn grinsend ansah. „Nicht so sauertöpfig gucken, die Sonne lacht, die Vöglein zwitschern und die Liebe liegt in der Luft,“ lachte die junge Frau und ihr Freund drückte sie zärtlich an sich.

„Ja, und der nächste der mich anrempelt kriegt eins aufs Maul,“ dachte Stefan wütend. 

Ein verliebtes Paar war momentan das Letzte das er er sehen wollte. „Wenn Michaela herausfindet welche Rolle ich beim Tod ihrer Schwester gespielt habe, dann ist es mit uns vorbei....“

Stefan wunderte sich über sich selbst. Bedeutete sie ihm wirklich etwas? Nach der kurzen Zeit? Wollte er wirklich so etwas wie eine Beziehung mit ihr haben? Es noch einmal versuchen? Oder wollte er nur nicht dass sie die Wahrheit erfuhr?

Erneut rempelte ihn jemand an. Zwei Männer standen vor ihm und einer von Ihnen hielt ihm ein Bild unter die Nase. „Entschuldigen Sie bitte, aber wir suchen jemanden. Haben Sie vielleicht.....?“

Stefan versetzte dem Mann einen unsanften Stoß, so dass er gegen seinen Begleiter fiel. 
„Lass mich bloß mit dem Scheiß in Ruhe, du Sack, sonst kannst du was erleben! So was hat mir gerade noch gefehlt! Sehe ich aus als würde ich unter einem Helfersyndrom leiden? Hau ab!“

Stefan sah die beiden Männer dermaßen wütend an dass sie es vor zogen sich zurück zu ziehen. Fast schön ängstlich sahen sie in seine Richtung. Zitterte einer von ihnen nicht sogar leicht?

Stefan hob noch einmal drohend die Faust und die beiden drehten sich schnell um und beeilten sich fort zu kommen. Stefan lachte gehässig. „Bestimmt hatte ich wieder dieses leicht dämonische Leuchten in den Augen! Das hat mir mal jemand gesagt! Wenn ich wirklich sauer bin kann man es sehen! Aber jetzt muss ich mir was wegen Michaela überlegen. Und ob es für uns eine Zukunft gibt.....“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!