Kapitel 68

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Jonas stand vor der Statue und sah ihr ins Gesicht. Flüchtig kam ihm der Gedanke dass er sich auch irren konnte. Vielleicht war dies wirklich nur eine Statue und nichts anderes.....

Nach den Erfahrungen der letzten Monate war die Wahrscheinlichkeit das es sich um einen Dämon handelte aber mindestens genau so groß. Er musste es herausfinden. Hatte das Ding ihn noch nicht bemerkt oder warum zeigte es kein Interesse an ihm?

„Also machen wir das mal so wie sonst auch,“ dachte er und griff in einen Mülleimer. In diesem lagen einige Zeitschriften, eine Plastiktüte und eine Coladose. Diese war verbeult und dreckig.

„Mal sehen wie es dem Dämon gefällt wenn er die ins Gesicht bekommt,“ dachte Jonas und warf sie nach der Statue.

Er traf den Kopf und die Dose prallte an einem der Hörner ab. Jedoch der Dämon reagierte nicht.

„Vielleicht wird der nur zu bestimmten Tagen lebendig? Oder aber ich bin komplett irre und habe Paranoia! Vielleicht bilde ich mir inzwischen auch die Dämonen schon ein. Ein Wunder wäre es nach den letzten Wochen ja nicht wenn ich Wahnvorstellungen hätte!“

Jonas sah noch einmal in den Mülleimer und fand eine weitere Dose. 

„Vielleicht mag er Limonade ja lieber als Cola,“ dachte er mit einem schiefen Grinsen und warf nun der Statue die nächste Dose an den Kopf. 

Auch dieses Mal traf er sie mitten ins Gesicht doch wieder reagierte der Dämon wenn es denn einer war nicht.

„Bist du nun ein Dämon oder nicht?“, rief Jonas der Statue zu jedoch diese schwieg. Allmählich wurde es ihm unbehaglich zu Mute und er beschloss etwas anderes zu versuchen.

Jonas trat nahe an den Sockel heran, stellte sich auf die Zehenspitzen, holte mit dem Schwert aus und schlug es gegen das Bein der Statue. Gerade erreichte er sie und eine Kerbe bildete sich. Doch noch immer zeigte die Statue keine Reaktion.

„Na gut, dann warte ich eben,“ dachte Jonas. Vielleicht war es einfach noch nicht die richtige Zeit....

Es begann leicht zu nieseln während Jonas im Schein der Laterne da stand und die Statue genau im Auge behielt. 

Jedoch sie machte keinerlei Anstalten zum Leben zu erwachen. Hatte er sich so sehr getäuscht? Die Hinweise waren doch so offensichtlich gewesen. Vielleicht hatten die Todesfälle tatsächlich eine natürliche Ursache gehabt und er hatte übereilt die falschen Schlüsse gezogen? Es wäre schließlich nicht das erste Mal in der letzten Zeit dass er sich geirrt hätte. 

Sein letzter Irrtum hatte vielleicht schlimme Folgen für Gerrit gehabt. Doch hätte er ihm noch helfen können wenn er sofort darauf gekommen wäre dass Engelmann hinter dessen Verschwinden steckte? Schließlich waren die Statuen und der verrückte Direktor da schon fort gewesen!

„Aber das spielt keine Rolle, ich hätte es einfach wissen müssen! Gerrit würde niemals einfach so davon laufen, er war glücklich in Raichelbach bei Frau Huber. Er mochte Lucas und hatte sich gerade in diese Lisa verliebt! Warum hätte er fort gehen sollen von einem Moment auf den anderen? Und ich war so ein Idiot und habe das wirklich in Betracht gezogen!“, dachte Jonas und war mit einem Mal unglaublich wütend über sich selbst.

Trotz seiner Gedanken an Gerrit und seinen Irrtum behielt er die Statue weiterhin im Auge. Jedoch sie regte sich nicht und stand still und bewegungslos auf ihrem Sockel und starrte in die Nacht hinaus.

„Was ist los, willst du  nicht langsam mal aufwachen und mit mir kämpfen? Oder hast du Angst? Das habe ich ja schon häufiger feststellen müssen, ihr Dämonen seid alle sehr feige! Am liebsten vergreift ihr euch an wehrlosen Opfern die vor Angst fast umfallen wenn sie euch sehen! Aber wenn ich mit meinem Schwert komme dann bekommt ihr es mit der Angst zu tun! Bist du auch so ein Feigling wie deine Artgenossen? Auf jeden Fall bist du bis jetzt mit Abstand der Hässlichste von ihnen und du verdrängst die Dämonenhunde aus Holland auf Platz 2!“, sagte Jonas laut zu der Statue und hoffte dass sich nirgendwo Überwachungskameras oder dergleichen befanden.

Er wartete noch lange und der Mond ging auf. Gespenstisch schien er von Zeit zu Zeit durch die Wolken und warf ein unheimliches Licht auf die Statue die noch immer bewegungslos da stand. Zumindestens hörte es auf zu nieseln und Jonas beschloss sich auf den Rückweg zu machen. 

Langsam gestand er sich ein dass er sich geirrt hatte und diese Statue einfach nur eine Statue war.

„Ich bin wirklich ein Trottel,“ dachte er. „Da fahre ich extra den weiten Weg und nichts passiert! Wenn ich jetzt los fahre dann schaffe ich es vielleicht noch bis um acht Uhr in Köln bei meiner Arbeit zu sein! Noch mal kann ich es mir nicht leisten da zu fehlen, sonst fliege ich irgendwann wirklich raus! Mein Chef hatte was das angeht sowieso schon eine Engelsgeduld!“

Trotzdem wollte er sich noch nicht eingestehen dass er sich so sehr getäuscht hatte. 

Noch einmal trat er an die Statue heran und schlug mit seinem Schwert nach ihrem Bein. Eine weitere Kerbe bildete sich und ein kleines Stück Stein splitterte ab und fiel zu Boden.Vor der Statue befand sich ein Blumenbeet das jetzt aber nicht bepflanzt sondern statt dessen aufgeweicht und matschig war. 

Jonas bückte sich und nahm eine Hand voll dreckige Erde. 

Diese formte er zu einem Klumpen und warf sie der Statue an den Kopf. Aber auch das half nichts. 

Jetzt musste er es sich eingestehen. Diese Statue war eine Statue und kein Dämon. 

„Das war es dann wohl! Ich hätte gerne mit dir gekämpft aber du willst ja nicht,“ sagte er und mit einem Mal überkam ihn eine Welle der Erleichterung. 

Es wäre für ihn der erste Kampf gewesen nachdem er sich von seiner Verletzung erholt hatte und die Statue sah nicht so aus als sei sie leicht zu besiegen.

Wahrscheinlich war es das Beste was ihm passieren konnte dass er sich in diesem Fall geirrt hatte.

Jonas warf noch einen letzten Blick auf die Statue, dann machte er sich auf den Rückweg. 

Er würde sich irgendwo unterwegs an einer Tankstelle einen Kaffee holen und sich dann auf den Weg nach Köln machen obwohl er sich mit einem Mal sehr müde fühlte. Vielleicht würde er auch noch eine Stunde im Auto schlafen.

Aber er wollte pünktlich an seinem Arbeitsplatz ankommen.

Als Jonas die Laterne auf dem Weg der ihn zurück zum Ausgang führen würde erreichte warf er noch einen Blick zurück über die Schulter auf die Statue.

Der Sockel lag verlassen da, die teuflische Engelsstatue war verschwunden.....

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