Kapitel 185

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Jonas und Julia erreichten den Gasthof von Frau Huber am frühen Nachmittag. Sie waren doch besser durch den Verkehr gekommen, als zuvor angenommen. Kein Stau hatte sie aufgehalten und nun stieg Julia mit einem beklommenen Gefühl aus.

Sie war vorher noch niemals in Raichelbach gewesen und landschaftlich gefiel es ihr sehr gut. Vom Ort aus hatte man einen wunderschönen Blick auf die Berge und die Sonne schien freundlich vom Himmel.

Sie atmete tief ein. „Das ist also die gute Landluft. Riecht eigentlich ziemlich nach Kuh. Aber was soll es? Immer noch besser als Abgase! Meine Bronchien freuen sich auf jeden Fall!“

„Gefällt es dir hier?“, fragte Jonas, der seine Tasche mit seinen Waffen und einigen Kleidungsstücken zum Wechseln aus dem Wagen räumte.

„Dann können wir  hier mal etwas länger Urlaub machen. Vielleicht Weihnachten? Die haben hier bestimmt viel Schnee, und Weihnachten in den Bergen stelle ich mir toll vor!“

„Ich auch. Aber da werden unsere Familien wahrscheinlich tödlich beleidigt sein. Meine Eltern freuen sich, dass ich noch zu Hause wohne und die Feiertage mit ihnen verbringe. Irgendwann wird das vielleicht auch mal anders sein!“, sagte Julia.

Jonas lächelte. „Letztes Jahr um diese Zeit wäre es mir noch ziemlich egal gewesen, ob mein Eltern sich darüber ärgern, wo ich Weihnachten verbringe. Aber jetzt? Ich glaube auch, ich werde wenigstens einen Tag mit Lucas, meinem Vater und meiner Oma verbringen. Vielleicht besuche ich ja sogar meine Mutter in der Klinik!“

„Mach das. Sie freut sich bestimmt, dass du sie nicht ganz vergessen hast. Sie hat sich einiges geleistet, sicher. Aber sie ist immerhin noch deine Mutter. Und durch die Behandlung da geht es ihr vielleicht auch besser und sie sieht manche Dinge anders!“, sagte Julia mit einem Mal ernst.

Jonas nickte, schien aber nicht so recht an Julias aufheiternd gemeinte Worte zu glauben.

„Als erstes wird sie mich wahrscheinlich zur Sau machen, dass ich mit meinem Halbbruder, Betonung liegt auf „Halb“, da er ja nicht ihr Sohn ist, einen Tag verbracht habe. Und dann wird sie mir wieder sagen, dass ich ihr in meiner Kindheit das Leben so schwer gemacht habe. Aber es muss halt sein.“

„Ja, manche Sachen müssen sein,“ sagte Julia, als sie den Gasthof betraten und Frau Huber ihnen entgegen kam.

„Schön dass ihr da seid,“ freute sich die Gastwirtin. „Ihr seid früh dran! Nicht, dass es mich stören würde, im Gegenteil.“

Sie wandte sich an Julia und schüttelte ihr herzlich die Hand. „Du bist also die Julia? Gerrit hat erzählt, dass du dich damals, als ihr ihn das erste Mal befreit habt, so nett um ihn gekümmert hast. Das hat er dir nicht vergessen. Er wird sich wirklich freuen, dass er dich wieder sieht. Ich hab oben unter dem Dach ein Zimmer für euch. Jonas kennt den Weg schon. Bringt eure Sachen hoch, dann können wir uns in Ruhe unterhalten. Ich hab den Gasthof heute extra geschlossen, heute ist hier Ruhetag! Zumidestens an diesem Freitag!“

„Ich hoffe, dass keine längere Ruhepause daraus werden wird,“ sagte Jonas besorgt und Frau Huber nickte ernst. „Ja, das hoffe ich auch. Ich sag Gerrit und Lisa Bescheid, dass ihr da seid. Dann können wir reden!“

Eine Viertelstunde später saßen Jonas und die anderen in der Gaststube und Frau Huber fasste zusammen, was sie bisher mit den Dämonen erlebt hatten.

Julia warf unterdessen einen vorsichtigen Blick zu Gerrit. Sie hatte ihn nur sehr verhalten begrüßt und die Tatsache, dass er sich wirklich gefreut hatte, sie wieder zu sehen, tat ihr weh.

„Wenn er wüsste, was ich getan habe. Bestimmt würde er mich hassen,“ dachte Julia bedrückt.

In einem Punkt hatte Jonas jedoch recht behalten. Gerrit wirkte nicht mehr so hilflos und kränklich wie bei ihrer letzten Begegnung vor einigen Monaten.

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