Kapitel 60

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Frau Huber und Lucas hatten in der Gaststube am Tisch Platz genommen. Außer ihnen befand sich eine junge Familie mit zwei Kindern dort. Die Kinder trugen bunte Schneeanzüge und hatten offenbar im Schnee herum getobt.

„Ich serviere denen noch schnell das Essen, dann bekommst du auch was! Hoffentlich ist Gerrit bis dahin auch wieder da!“, sagte Frau Huber und ging in die Küche.

Lucas nickte. „Sicherlich ist Gerrit noch bei Lisa! Aber er könnte wenigstens Bescheid sagen! Frau Huber macht sich doch sonst Sorgen!“

Jedoch Gerrit kehrte nicht zurück um gemeinsam mit den anderen zu Mittag zu essen. „Er war doch sonst immer pünktlich! Lisa hin oder her, dem werde ich was erzählen wenn er zurück kommt!“, sagte Frau Huber mürrisch und besorgt zugleich.

„Bestimmt kommt er gleich!“, versuchte Lucas die Gastwirtin zu beruhigen. Verlaufen haben konnte selbst Gerrit sich nicht in Raichelbach, dafür war der kleine Ort zu übersichtlich! Sicherlich stand er irgendwo knutschend mit Lisa in einer Ecke!

Auch nach dem Essen tauchte Gerrit nicht auf und Frau Huber begann sich wirklich Sorgen zu machen.

„Ich mache jetzt noch den Abwasch, dann gehe ich mal zur Lisa rüber,“ sagte sie zu Lucas und er nickte. „Ja, ich komme dann mit!“

Jedoch dazu kam es nicht mehr denn ein paar Minuten später betrat Lisa den Gasthof und sah sich suchend um.

„Hallo Lucas, ist Gerrit hier? Er wollte doch heute Morgen bei mir vorbei kommen! Wo steckt er? Ich habe die ganze Zeit über gewartet!“, sagte sie schlecht gelaunt.

Lucas wurde blass und auch Frau Huber starrte das Mädchen an. „Er war nicht da? Den ganzen Morgen nicht? Wo kann er denn nur stecken?“

„Vielleicht hat er es ja vergessen und ist irgendwo unterwegs,“ sagte Lisa enttäuscht. Ganz offensichtlich fühlte sie sich versetzt.

„Das kann nicht sein! Er hat gesagt dass er zu dir will! Wir müsse nach ihm suchen!“, sagte Frau Huber aufgebracht und griff nach ihrer Jacke während Lisa sie verwirrt ansah.

„Gerrit ist doch kein Kleinkind mehr! Ich bin stinksauer!“, sagte sie leise zu Lucas.

Dieser schüttelte den Kopf. „Du verstehst das nicht. Mit Gerrit liegen die Dinge ein wenig.....anders! Auf jeden Fall sollten wir ihn schnellstens suchen! Wir erklären dir später alles!“

„Ist er krank und braucht seine Medizin oder so etwas?“, fragte Lisa nun auch besorgt. „Dann sollten wir uns auf den Weg machen!“

Lisa, Lucas und Frau Huber suchten das ganze Dorf ab. Sie erkundigten sich im Supermarkt nach Gerrit und fragten die Nachbarn. 

Jedoch niemand hatte ihn gesehen. Lediglich einem älteren Nachbarn war am Vormittag ein Mercedes aufgefallen der vom Dorf weg fuhr. Jedoch da hatte es sich doch sicherlich um einen Urlauber der sich verfahren hatte gehandelt und so schenkte niemand dieser Aussage die nötige Aufmerksamkeit....

Auch am Abend hatte man Gerrit noch nicht gefunden und nun machten sich Frau Huber und Lucas wirklich Sorgen. Es war bereits dunkel geworden und sie hatte Lisa nach Haus geschickt. Das Mädchen war gegangen nachdem man ihr versprochen hatte sie sofort zu benachrichtigen sollte Gerrit zurück kehren.

„Was ist da nur geschehen?“, fragte Frau Huber traurig. „Wo ist er nur hin? Habe ich was falsches gesagt als ich meinte ich hätte seine Jacke sonst in die Altkleidersammlung gegeben? Das tut mir so leid! Vielleicht war er da beleidigt....“

„Frau Huber, wegen so was läuft Gerrit ganz bestimmt nicht davon! Dazu ist er viel zu gerne hier und er mag Sie! Was ist wenn der Richter und seine Statuen ihn erwischt haben? Aber das kann doch eigentlich nicht sein, schließlich sind die weit weg....“, sagte Lucas leise.

„Das glaube ich auch nicht! Vielleicht ist er ja auch nur in den Bus gestiegen und ist nun irgendwo wo er sich nicht auskennt! Wir können nicht einmal die Polizei anrufen! Die werden zu viele Fragen stellen! Und wie soll ich denen erklären was mein armer Junge bis vor kurzem noch war?“, antwortete Frau Huber besorgt.

„Gleich morgen frage ich den Ulf! Das ist der Busfahrer der hier immer den Bus fährt! Vielleicht ist Gerrit ja tatsächlich eingestiegen!“, fügte sie noch hinzu und versuchte Lucas aufzumuntern. „Am besten gehst du ins Bett! Es ist dunkel und da können wir nichts mehr machen!“

„Ich glaube nicht, dass ich schlafen kann,“ sagte Lucas leise.

Am nächsten Nachmittag saßen Jonas und Sebastian an Julias Bett im Krankenhaus. Jonas hatte versucht sie zu erreichen und Britta hatte ihm von Julias Unfall erzählt.

„Freut mich dass mit dir alles wieder in Ordnung ist,“ sagte Julia mit einem schiefen Lächeln. Sollte sie vielleicht wenigstens Jonas berichten was geschehen war? Dass sie ihn verraten hatte? 

Der Gedanke dass sich Gerrit und Lucas nun alleine in Raichelbach aufhielten gefiel ihr gar nicht.....

„Aber dir geht es gar nicht gut,“ stellte Jonas fest. „Dein Bein sieht wirklich übel aus!“

„Das wird schon wieder! In ein paar Tagen lassen die mich hier raus und dann darf ich zu Hause rum humpeln,“ wehrte Julia ab. 

Sebastian strich sanft über ihre Wange. Beide waren sie so nett zu ihr und das verdiente sie doch überhaupt nicht.....

Die Zimmertür öffnete sich und zu ihrer Überraschung betrat Frau Hellenberg den Raum. Sie hielt eine Schachtel Pralinen und einen Strauß Blumen in den Händen.

„Hallo, Frau Becker! Ich wollte mal sehen wie es Ihnen geht! Das muss ja ein schlimmer Unfall gewesen sein,“ sagte die Sekretärin mitleidig nachdem sie Jonas und Sebastian, der ihr die Blumen abnahm, begrüßt hatte.

Jonas bot der Frau seinen Stuhl an und dankbar setzte sie sich hin. „Das war ein Vormittag, kann ich Ihnen nur sagen! Sie ahnen gar nicht was heute an der Schule los war!“

„Hoffentlich kein Toter!“, dachte Julia erschrocken. Auch Sebastian und Jonas wechselten viel sagende Blicke.

„Stellen sie sich vor, heute Morgen als ich ankam waren die Statuen nicht mehr da! Die ganze hässliche Skulptur samt Sockel war weg! Und wissen Sie wer noch weg ist? Da kommen Sie nie drauf! Unser verrückter Engelmann! Gestern rief er mich noch an und fragte mich wie es den Statuen geht! So was verrücktes! Vielleicht haben sie ihn ja endlich eingewiesen! Der gehört doch in die Klapse!“, sagte Frau Hellenberg und seufzte genüsslich. 

„Ein Herr von der Schulbehörde war da und hat mit uns gesprochen! Herr Engelmann hat kurz da angerufen und gekündigt! Einfach so ohne eine Adresse oder einen Grund oder sonst etwas anzugeben! Ich sag ja, er ist in der Klapse und schämt sich jetzt!“

„Herr Engelmann und die Statuen sind weg?“, fragte Jonas fassungslos. Was hatte das zu bedeuten? Hatte der ehemalige Richter es mit der Angst zu tun bekommen? Waren die Schüler und somit auch sein Bruder Lucas jetzt in Sicherheit?

Frau Hellenberg nickte. „Ganz genau! Nicht dass ich ihn oder diese Dinger vermissen würde! Es ist gut dass sie alle weg sind! Als erstes habe ich meine Kaffeetasse wieder mitten auf den Tisch gestellt! Und morgen kaufe ich uns ein paar Pfund neuen Kaffee! Der wird so hingestellt dass ihn jeder sehen kann! Der Herr von der Schulbehörde meinte wir würden jetzt erst einmal einen Herrn Decker als Vertretung bekommen! Der hat schon mal Vertretung gemacht als der alte Rektor krank war, damals vor zwei Jahren! Der Decker ist ganz nett! Inzwischen würden sie nach einem neuen Direktor suchen! Sie hätten da eine junge Frau in Aussicht! Warum nicht! Ein wenig Frauenpower kann nicht schaden! Auf alle Fälle kann sie es nicht schlechter machen als der Engelmann!“

„Nein, schlechter kann es wirklich niemand machen,“ murmelte Julia und sah zu Sebastian und Jonas.

„So kann man seine Feinde auch los werden! Sie räumen freiwillig das Feld und verschwinden!“

„Na ja, Feinde, das ist ja doch ein wenig heftig ausgedrückt! Aber wenigstens wird Herr Engelmann  hier in dieser Gegend kein Unheil mehr anrichten!“, sagte Frau Hellenberg und lächelte zufrieden. „Vermissen wird ihn bestimmt niemanden! Und seine Statuen auch nicht!“

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