Kapitel 75

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Es war bereits fast Mitternacht als Jonas und Jessica in seiner Wohnung ankamen. Zuvor hatten sie Lucas zu Hause abgesetzt.

Nun legte Jonas die Dolche vor sich auf den Wohnzimmertisch. „Wir müssen sie säubern und dann entscheiden was wir mit ihnen machen,“ sagte Jessica nachdenklich.

„Ja, müssen wir! Oder vielmehr ich!“, antwortete Jonas und seine Freundin sah ihn wütend an.

„Fängst du schon wieder damit an? Was ist eigentlich mit dir los? Du verheimlichst mir was! Also, jetzt mal raus damit! Was ist es? Ich habe doch auch gemerkt dass du etwas mit Lucas besprochen hast!“

„Ich möchte nicht darüber sprechen! Akzeptiere das bitte! Du kannst mir nicht helfen und auch sonst kann das niemand...“, antwortete Jonas ruhig und mit einem Mal bekam sie Mitleid mit ihm. „Jonas, es belastet dich doch! Dir geht es überhaupt nicht gut!“

„Nein, geht es auch nicht! Diese ganze Sache nimmt mich mit! Und jetzt haben wir uns diese Dolche geholt! Warum haben wir das wohl gemacht? Einfach weil wir sie dekorativ finden? Weil wir sie einem Museum stiften wollen? Nein, wir haben sie gesucht und gefunden weil wir sie gegen Dämonen benutzten wollen!“, sagte Jonas und setzte sich auf sein Sofa.

Jessica setzte sich neben ihn und er legte einen Arm um ihre Schultern. „Es tut mir leid dass du da mit rein gezogen wirst! Ich würde so gerne eine ganz normale Beziehung mit dir haben! Mit dir ins Kino gehen, in Urlaub fahren, vielleicht für später irgend etwas planen! Aber das geht alles nicht! Und manchmal wird mir das zu viel!“

„Aber ich will bei dir sein! Und wenn ich dich nur mit Dämonen haben kann...“, sagte Jessica traurig und strich über Jonas Wange.„Das ist aber nicht alles was dich bedrückt, nicht wahr?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, aber das sind wirklich Dinge die ich mit mir ausmachen muss! Es tut mir leid! Aber eigentlich sollten wir uns doch freuen! Wir haben drei Waffen gefunden die uns vielleicht eines Tages weiter helfen werden!“

„Ja, hoffentlich!“, murmelte Jessica. Dann kam ihr ein Gedanke. „Vielleicht sollten wir die nicht alle an einem Ort aufbewahren! Was ist wenn eingebrochen wird? Von Engelmann oder sonst jemanden? Weißt du was, einen davon nehme ich mit nach Hause und den anderen kannst du vielleicht Lucas geben! Von den anderen willst du ja nichts mehr wissen!“

„Will ich auch nicht! Und umgekehrt ist es sicherlich nicht anders! Eigentlich ist es schade. Vor allem Dennis mochte ich ganz gerne. Und auch wenn es Zeiten gab in denen ich Julia und Britta am liebsten in der Toilette ertränkt hätte haben sie mir auch geholfen! Aber lassen wir die vier da raus! Ich glaube es ist ihnen auch ganz recht so!“, antwortete Jonas nachdenklich.

„Gut, und ich bleibe heute Nacht hier! Wir sollten uns jetzt schlafen legen! Morgen müssen wir beide zur Arbeit!“, schlug Jessica vor.

Hans Bader verließ die Kneipe von Hedenburg. Es war bereits kurz nach Mitternacht und der Wirt, Peter, hatte ihn als letzten Gast quasi hinaus geworfen. 

„Ist ja wie in England, Sperrstunde ist doch Mist,“ lallte er und hielt sich an der Hauswand fest.

Peter, der Wirt sah noch einmal zur Tür heraus. „Geht jetzt nach Hause, Hans! Zum Glück hast du es ja nicht weit! Und grüß deine Gerda von mir!“

„Mach ich! Gerda, meine liebe Frau! Die schimpft bestimmt mit mir,“ murmelte Hans und machte sich auf dem Heimweg. Er hörte noch dass Peter die Tür verschloss.

Er hatte den Abend im Kreis seiner Freunde verbracht. Seiner Frau Gerda hatte er nach fast dreißig Jahren Ehe nicht mehr allzu viel zu sagen und es hatte schon seinen Grund warum er den Abend lieber im Kreis Gleichgesinnter verbrachte und mit ihnen ein Bier trank. Manchmal waren es auch zwei, drei oder vier Bier. Manchmal auch zwei oder fünf mehr.....

„So ein Tag, so wunderschön wie heute...“, lallte er und hielt inne da er den Text nicht wusste. 

Doch dann sah er zum Himmel hinauf. Die Mondsichel stand dort und ihm fiel das passende Lied ein.

„Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen....da steht eine Statue!“, sang Hans und erschrak. 

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen tatsächlich Friedrich Engelmann, der nicht weit entfernt von ihm seit kurzer Zeit wohnte und den er nicht leiden konnte da er keinen Sinn für Humor besaß. 

Der Kerl grüßte nicht einmal und hatte ihn gehörig zur Sau gemacht weil er braunes Glas in den Container für weißes geworfen hatte....

Aber nicht die Tatsache dass sein Nachbar dort stand erschreckte ihn. Neben ihm stand eine weitere Person. 

Eine Statue! Er hatte vor einigen Tagen einen Blick in den Garten des Nachbarn geworfen und dazu einige Büsche zur Seite gebogen. Dort standen mehrere von diesen Dingern....

„Warum steht die auf der anderen Straßenseite? Die Bushaltestelle ist dort hier!“, murmelte Hans und lachte. „War vielleicht doch ein Bier zu viel.....“

Auch die Tatsache dass die Statue nun die Straße überquerte und auf ihn zu kam nahm er noch grinsend zur Kenntnis. „Gerda hat recht, sollte weniger trinken....“

Nicht lange nachdem er den Säufer und Müllsünder bestraft hatte betrat Friedrich Engelmann in Begleitung seiner Henkerstatue die eine Axt in der Hand hielt seinen Garten.

„Das nächste Mal bist du dran!“, versprach der Richter seiner anderen Statue. „Dann darfst du dir eine Seele holen! Vielleicht sollte ich mir den Gastwirt Peter einmal vornehmen! Oder es gibt hier im Ort eine Frau die hat fünf Kinder von vier verschiedenen Männern und sie sitzt auch dauernd in der Kneipe! Dann ist da noch so in junges Pärchen! Die habe ich neulich gesehen wie sie im Feld hinter der Scheune standen und unanständige Dinge taten!“

Er wandte sich an Gerrit der auf dem Sockel saß und traurig vor sich hin starrte. „Genau so unanständige Dinge wie du mit diesem Mädchen das dich in Raichelbach umarmt hat! Sie wusste wohl nicht was du in Wahrheit bist! Dann hätte sie dich sicherlich nicht umarmt! Schade dass nicht mehr Zeit blieb! Ich hätte mich auch um sie kümmern sollen! Aber vielleicht hole ich das ja noch nach!“

Gerrit wurde blass und der Richter schlug ihn kräftig gegen seine Schulter. „Das macht dir Sorgen, was? Dass ich mir dieses kleine Flittchen vornehme! Sie hätte sich besser nicht mit dir eingelassen! Genau so wenig wie einer der anderen! Aber das hat sich ja glücklicherweise geändert! Von ihnen verschwendet keiner auch nur noch einen einzigen Gedanken an dich! Nicht mal deine eigenen Geschwister hat es damals gekümmert was aus dir wurde! Sie haben sich bei Walther verkrochen! Und auch die anderen verkriechen sich und dich vergessen sie!“

Ein Windstoß kam auf. „Es ist kalt heute Nacht! Ich gehe besser einmal rein!“

Gerrit sah dem Richter nach als er ins Haus zurück kehrte. Gleich würde er sich wieder zurück in eine Statue verwandeln und eigentlich sehnte er es herbei. Er rechnete nicht damit dass jemand nach ihm suchen würde auch wenn er am Anfang tatsächlich so dumm gewesen war sich Hoffnungen zu machen. „Wahrscheinlich haben sie mich schon längst vergessen,“ dachte Gerrit ehe er und die Henker zu Stein wurden....

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!