Kapitel 26

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Julia war an ihrem ersten Arbeitstag über pünktlich zur Arbeit erschienen. Sie wollte es sich nicht mit dem neuen Direktor direkt schon zu Anfang verderben, indem sie zu spät kam.

„Sicherlich feuert der einen, wenn man mehr als zweimal fünf Minuten zu spät kommt,“ dachte sie mit Unbehagen und war vor dem Sekretariat mit Frau Hellenberg, die offenbar den selben Gedanken wie sie gehabt hatte, beinahe zusammen gestoßen.

Nun war es bereits kurz vor zehn Uhr morgens, die große Pause war vorbei und die dritte Unterrichtsstunde an diesem Tage hatte begonnen.

Julia gab einige Namen in den Computer ein, unter anderem eine Änderung. „Lucas Frinken, neue Anschrift Amselweg 12, Erziehungsberechtigter: Georg Schneider, Vater...“

Sie schluckte ein paar Mal. Den Namen Georg Schneider und auch die Anschrift kannte sie. Dort hatte doch früher Jonas gewohnt. War Lucas sein Bruder, oder vielmehr sein Halbbruder?

Auf dem Notizzettel, auf dem diese Angaben standen, war außerdem noch notiert: Mutter Anita Frinken, verstorben...

„Oh nein, das war doch diese freundlich Putzfrau! Das tut mir aber leid für Lucas, und sie war doch noch so jung und einen kranken Eindruck hat sie auch nicht gemacht. Das ist schon der zweite überraschende Todesfall dieses Jahr, der mich erschreckt, auch der arme Nils ist ja eine Tag nach unserem Klassentreffen gestorben! Ob er noch betrunken Auto gefahren ist? Das ist wirklich scheußlich! Zwar war Nils manchmal ein Ekel, aber dass er jung stirbt, das hatte er wirklich nicht verdient!“, dachte Julia traurig und stand auf, um sich eine Tasse Kaffee zu holen.

Leider öffnete sich in diesem Moment die Türe und ein empörter Direktor Engelmann betrat das Sekretariat.

„Guten Tag, Herr Engelmann! Ist alles in Ordnung?“, erkundigte sich Frau Hellenberg und nahm einen Schluck aus ihrer großen Kaffeetasse, auf der „Mein Hasi!“ stand und ein kleiner Osterhase abgebildet war.

Es handelte sich um die Lieblingstasse von Frau Hellenberg.

„In Ordnung? Gar nichts ist in Ordnung! Man hat meiner Statue die Fingernägel pink lackiert!“, fluchte der Direktor und Julia drehte sich schnell um, damit er ihr Lachen, dass sie sich nicht verkneifen konnte, sah. 

Zu ihrem Glück beachtete er sie gar nicht, sondern sein Blick fiel auf die Kaffeemaschine sowie auf die Tasse von Frau Hellenberg.

„Sie sind hier zum Arbeiten und nicht, um einen gemütlichen Kaffeeklatsch abzuhalten!“, sagte er mit drohendem Unterton in seiner Stimme.

„Nun seien Sie doch nicht so, Herr Engelmann! Nehmen Sie sich auch ein Tässchen! Ein bisschen Koffein hat noch niemandem geschadet und es erhöht sogar das Denkvermögen! Darüber gibt es eine Studie aus Kanada!“, sagte Frau Hellenberg, jedoch der Direktor ließ sich nicht besänftigen. 

Statt dessen zog er den Stecker der Kaffeemaschine aus der Steckdose. 

„Künftig werden Sie nur noch während der Pausen Kaffee trinken und Nahrungsmittel zu sich nehmen! Während der Arbeitszeit erwachte ich volle Konzentration! Noch einmal so ein Verhalten, und es gibt eine Abmahnung!“, sagte er und verließ wütend den Raum.

„Was sind das denn für neue Sitten? Ich glaube, Kaffee würde ihm und seinem Denkvermögen einmal sehr gut tun!“, beschwerte sich Frau Hellenberg und seufzte. „Jetzt gibt es wegen so was schon Abmahnungen, manchmal sehne ich den Ruhestand richtig herbei!“

„Ja, er ist ein Kotzbrocken,“ dachte Julia, schwieg aber lieber.

Sie plagten momentan ganz andere Sorgen. Am vergangenen Samstag Abend hatte sie vergebens versucht, Sebastian zu erreichen.

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