Kapitel 66

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Direktor Engelmann gefiel sein neues Zuhause. Er hatte sich ein abseits stehendes altes Haus in einem größeren Dorf gemietet. Auch wenn es sich um ein Dorf handelte gab es dort alles was das Herz begehrte.
Zwei große Supermärkte, Ärzte die er nun glücklicherweise nicht mehr brauchte, ein Grund- und eine Gesamtschule mit schlecht erzogenen Kindern sowie eine auch ansonsten gut ausgebaute Infrastruktur.
„Hier wird es sich gut leben lassen,“ dachte er und sah aus dem Fenster. Ein regnerischer Sonntag Morgen brach gerade an und die Glocken der Dorfkirche läuteten zum Frühgottesdienst.

„Das ist gut so, fromme Menschen gehen um diese Zeit in die Kirche! Und das werde ich jetzt auch tun! Schließlich bin ich sehr gläubig!“, dachte der ehemalige Schuldirektor und lächelte. 
Sein Blick aus dem Wohnzimmerfenster zeigte auf seinen von einer hohen Hecke und alten Bäumen umgebenden Garten. 
Unter zwei alten Eichen standen seine beiden verbliebenen Statuen und vor ihnen kniete, so als sei er niemals weg gewesen, Gerrit. „Mir geht es gut seitdem er wieder da ist, ich habe ihn wirklich vermisst!“, lachte Friedrich Engelmann und zog sich seinen Mantel an. Dabei stolperte er fast über ein paar blaue Winterstiefel. Die hatten Gerrit gehört. 

Herr Engelmann hatte ihn mit Nachdruck und Hilfe der Henker dazu überreden müssen ein paar Kleidungsstücke, die eher eine mittelalterlichen Statue entsprachen, anzuziehen. Besonders von seinen warmen Stiefeln hatte Gerrit sich nur schwer getrennt....

Als nächstes griff der ehemalige Richter und Schuldirektor nach seinem Regenschirm und machte sich auf den Weg in den Gottesdienst.

Eine halbe Stunde später saß Direktor Engelmann in der Dorfkirche und sah  zu wie der Pfarrer und seine Meßdiener den Altarraum betraten. 
„Zu meiner Zeit bin ich auch gerne in die Kirche gegangen und habe dem Pfarrer zu gehört, bis ich ihn dann leider bestrafen musste weil er einem Dieb Unterschlupf in seiner Kirche bot!“, erinnerte Friedrich Engelmann sich an damals. 

Andächtig lauschte er der Predigt. Der Pfarrer sprach davon dass die Menschen nicht so hartherzig und nachtragend zueinander sein sollten und dass Gott über sie alle eines Tages richten würde....
„Aber ich unterstütze ihn dabei! Der Pfarrer hat recht, man soll Milde gegenüber denen zeigen die sie verdienen! Aber leider erwähnt er nicht diejenigen die sie nicht verdienen! Ich kann guten Gewissens behaupten dass ich all die die keine Milde verdienten auch bestraft habe! Und hier werde ich damit weiter machen! Hier im schönen Dorf Hedenburg*!“

Glücklicherweise war Friedrich Engelmann wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Sein Magenleiden war verschwunden seitdem Gerrit wieder seinen Platz eingenommen hatte. 
„Ich hätte diese drei Bengel noch meinen Statuen überlassen sollen! Aber ich musste so schnell wie möglich weg da! Zwar habe ich Jonas ausgeschaltet und er ist nicht mehr in der Lage sein Schwert auch nur noch anzufassen und fürchtet sich vor jedem Schatten. Das hat Gerrit mir gesagt nachdem ich ihm damit drohen musste ihm all seine Finger einzeln zu brechen wenn er nicht sagt ob mein gerechtes und mutiges Handeln gegenüber Jonas die gewünschten Folgen hatte oder nicht. Trotzdem wussten zu viele Menschen von mir und dann all diese Eltern die sich bei mir beschwerten! Sie hätten besser einmal ihren Kindern Manieren beibringen sollen anstatt gegen mich vorzugehen! Aber auch die Eltern haben heutzutage eben keinen Gerechtigkeitssinn mehr! Schrecklich ist so etwas! Eigentlich war es ja noch niemals anders und ich fürchte meine Arbeit wird niemals enden!“

Der ehemalige Richter und seine Henker würden noch viele Verbrecher bestrafen die  auf dem Weg waren den rechten Pfad zu verlassen oder diesen bereits verlassen hatten! 

Erst am Vorabend hatte er sich über seinen nächsten Nachbarn geärgert der die Musik laut im Auto aufgedreht hatte. Außerdem hatte er auf offener Straße eine junge Frau die nicht seine eigene war geküsst! So etwas konnte er nicht billigen. 

Nein, selbst in diesem kleinen Dorf gab es genügend für ihn zu tun..... 


* Das Dorf Hedenburg habe ich erfunden. Eventuelle Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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