Kapitel 91

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Jonas parkte am nächsten Tag seinen Wagen auf einem Parkplatz außerhalb von Hedenburg. Dort begann ein Spazierweg der in den Wald hinein führte.

Jonas hatte es nicht gewagt seinen Wagen innerhalb des Dorfes zu parken. Schließlich kannte Engelmann das Auto und zumindestens das Kölner Kennzeichen hätte ihn vielleicht stutzig gemacht. 

Unter lauter Hamburgern fiel er einfach zu sehr auf....

Jonas erreichte den Ort eine Viertelstunde später. Zu seinem Glück nieselte es ein wenig und er zog sich seine Kapuze tief ins Gesicht. So würde er vielleicht nicht auf den ersten Blick von Engelmann erkannt werden.

Jonas betrat die Apotheke des Dorfes und kaufte sich eine Packung Nasentropfen. Er musste unbedingt heraus finden wo Engelmann nun lebte.

„Ich kann schließlich nicht in jeden Garten nach den Statuen schauen, dazu sind es zu viele Häuser,“ dachte er frustriert. 

Jedoch sein Besuch in der Apotheke wurde belohnt denn nach ihm war eine alte Dame an der Reihe.

„Guten Tag, Frau Schuster. Was brauchen sie denn? Das übliche Mittel für ihren Blutdruck?“, erkundigte sich der Apotheker freundlich. 

Die alte Dame nickte. „Ja, bitte. Ich rege mich ja so auf seitdem dort oben in der Tulpengasse die beiden Mädchen und ihre Freunde und Freundinnen gestorben sind. Schrecklich so was. Ob es wirklich am Trinkwasser liegt? Ich traue mich nicht mal mehr einen Tee damit zu machen und kaufe jetzt Babywasser im Supermarkt.“

„Also hier haben schon mehrere Leute nachgefragt ob wir das Trinkwasser untersuchen können, das ist in Ordnung....“, sagte der Apotheker. 

Jonas seufzte erleichtert. Wenigstens kannte er nun den Straßennamen in dem die letzten Opfer gestorben waren. Tulpengasse. Und lebte Engelmann nicht auch dort? Im Fernsehen war er als Nachbar bezeichnet worden.

„Jetzt muss ich nur noch raus finden wo diese Tulpengasse ist,“ dachte Jonas. Hatte die Frau nicht in Richtung Norden gezeigt als sie von „da oben“, sprach? Also sollte er in dieser Ecke des Dorfes seine Suche wohl starten.

Eine halbe Stunde später fand Jonas die Tulpengasse tatsächlich. 

„Glück muss man halt mal haben,“ dachte er ironisch. „Ich weiß nun wo der böse Direktor und seine Dämonen leben. Eigentlich sollte sich jeder der auch nur einen kleinen Funken Verstand hat von diesem Ort fern halten. Aber ich muss natürlich genau da hin gehen. Und dann auch noch Nachts!“

Jonas ging die Straße langsam entlang. Schließlich blieb er fast schon erschrocken stehen. Schnell drehte er sich um zu einem Zigarettenautomaten und tat so als würde er diesen aufmerksam betrachten.

Aus dem letzten Haus, es stand ein wenig abseits von den anderen, trat niemand anderer als Direktor Engelmann persönlich heraus. Missmutig ging er an Jonas vorbei ohne ihn zu erkennen.

„Davon kriegt man Krebs! Aber schlechte Menschen die rauchen...“, murmelte er und rempelte ihn ein wenig an.

Jonas verkniff sich jeden Kommentar und sah dem ehemaligen Richter nach als er davon ging.

„Ob ich rauche oder nicht wird diese Nacht dein geringstes Problem sein, du Schwein!“, dachte Jonas wütend.

Zum Glück hatte Engelmann ihn, durch seine dicke Jacke und die Kapuze die er über seinem Haar trug, nicht erkannt sondern ihn nur von hinten vor dem bösen bösen Zigarettenautomaten gesehen....

Nachdem der Direktor aus seinem Blickfeld verschwunden war beeilte Jonas sich zu dem Haus zu gelangen das dieser verlassen hatte.

„Dort drüben ist der Garten,“ dachte Jonas und bog die Büsche ein wenig zur Seite. Tatsächlich fiel sein Blick auf das was er befürchtet hatte. 

Die Statuen befanden sich dort und schienen ihn an zu starren.

„Was ist mit Gerrit los? Er liegt dort so merkwürdig. Geht es ihm nicht gut? Andererseits, wie sollte es ihm hier auch gehen,“ dachte Jonas und ließ die Büsche wieder los.

Gerne wäre er über den Gartenzaun gestiegen und hätte nachgesehen was mit Gerrit los war. Jedoch er wusste nicht was die Henker bei Tag in ihrem versteinerten Zustand wahrnahmen und er wollte sie schließlich nicht vor warnen. 

„Ich muss es irgendwie schaffen sie nacheinander auszuschalten. Dort an der Mauer gibt es ein Tor. Es führt zum Feld das hinter dem Haus anfängt. Vielleicht gehörte ein Teil davon ja dem Vorbesitzer des Hauses? Auf jeden Fall passt durch die Tür nur einer hindurch. Dort könnte es vielleicht klappen dass ich die Henker einzeln erledige. Dann darf nur nicht einer von ihnen um den Garten herum gehen und mich von hinten erwischen. Also muss ich so schnell wie möglich mit Henker Nummer 1 fertig werden....“

Jonas machte sich auf den Rückweg zu seinem Wagen. Er würde sich noch ein wenig ausruhen ehe er bei Einbruch der Dunkelheit, dieses Mal mit seinem Wagen, zum Haus des Richters zurück kehren würde.

Auch Sebastian hatte bei der Suche nach Friedrich Engelmann unerwartetes Glück. Er hatte seinen Wagen auf dem Parkplatz des Hedenburger Supermarktes geparkt und kaufte sich dort eine Banane, eine Flasche Wasser sowie eine Dose Bier.

„Warum kaufe ich das Zeug überhaupt? Will ich mir Mut an trinken? Noch weiß ich doch nicht einmal wo dieser Kerl überhaupt wohnt,“ dachte er missmutig.

Jedoch auf einmal erklang ein lauter Schrei.

„Mama! Der böse Mann soll mich los lassen!“, rief eine Kinderstimme und Sebastian näherte sich einem Mann der einen kleinen Jungen am Arm gepackt hatte. Dieser hielt ein Überraschungsei in der anderen Hand.

„Deine Mutter hat gesagt du bekommst keins! Und du nimmst es dir trotzdem? Du Dieb! Du wirst irgendwann ins Gefängnis kommen!“, fluchte der Mann und Sebastian erkannte den Direktor. Er überlegte ob er dem Kind zu Hilfe kommen sollte oder nicht.

Jedoch eine junge Frau schlug dem ehemaligen Richter bereits feste auf die Hand. „Lassen Sie auf der Stelle meinen Sohn los! Überlassen sie die Erziehung gefälligst mir, Sie Rüpel!“, fluchte sie und funkelte den Direktor so böse an dass er tatsächlich den Jungen in Ruhe ließ.

„Sie lassen ihm wohl zu viel durchgehen, was? Aber das wird irgendwann noch einmal böse enden!“, zischte Engelmann die Mutter an und ging an ihr und Sebastian vorbei in Richtung Kasse.

„Vollidiot!“, schrie die Mutter ihm hinterher.

„Ich hänge mich jetzt an den ran,“ dachte Sebastian und folgte dem Richter kurz darauf aus dem Supermarkt. 

In einigem Abstand folgte er ihm durch ein kurzes Stück des Dorfes. Schwer schleppte Engelmann an zwei großen Einkaufstüten und Sebastian konnte ein Grinsen nicht unterdrücken als einige Orangen aus der Tüte heraus rollten und Engelmann sich bücken musste um sie aufzuheben.

„Jedem anderen würde ich jetzt beim Aufheben helfen, dem aber nicht!“, dachte er mit einem gehässigen Grinsen.

Schließlich betrat der Richter, in der Nähe eines Feldes, ein Haus. Es war das letzte der Straße.

„Hier wohnst du also,“ murmelte Sebastian mit einem beklommenen Gefühl in der Magengrube. „Und heute Abend ist es mit dir vorbei!“

Sebastian spähte, genau wie Jonas vorhin, in den Garten. Ein wenig Mitleid mit Gerrit, der zusammen gekrümmt vor den Statuen lag, machte sich in ihm breit. Jedoch er verdrängte es schnell wieder.

„So ist es am einfachsten. Und dieser Alptraum ist zu Ende. Ich würde sonst nie mehr ruhig schlafen können. Was ist wenn Engelmann zurück kehrt um sich an allen zu rächen die was mit Jonas zu tun hatten? Ich war Julias Freund. Bin ich es eigentlich noch? Aber das kläre ich hinterher....“

Sebastian beeilte sich vom Garten weg zu kommen. „Wenigstens kann ich von dort aus gut auf die Statuen zielen. Ich hoffe nur man hört den Schuss nicht kilometerweit.....“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!