Kapitel 145

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Ein paar Tage später, Ende Juli, saß Stefan im Wohnzimmer einer jungen Frau und sah sie verärgert an. 

„Sie wollen also nicht zahlen? Das ist Ihnen Ihr Leben nicht wert? Dann werde ich mit Vergnügen dabei zusehen wie diese Statue Ihnen die Seele stiehlt!“

„Ich will ja zahlen,“ klagte die junge Frau. Sie war vielleicht Mitte zwanzig und hatte die Aufmerksamkeit eines Dämons der alle 40 Jahre lebendig wurde und nach einem Opfer suchte erregt. Unglücklicherweise war sie nach einem Diskobesuch vor drei Tagen in seiner Nähe gewesen als er nach langer Pause zum Leben erwachte.

„Er wird sich gar nicht erst die Mühe machen nach jemand anderem zu suchen. Sicherlich wird er jeden töten der das Pech hat ihm im nächsten Monat über den Weg zu laufen und die Zeitungen werden bald spekulieren dass in ihrem Viertel ein Nachahmer des Julimörders von 1968 umgeht. Dann werden sie darüber spekulieren ob es dieselbe Person sein könnte und wie alt derjenige nun wohl schon sei. Man muss sich nur die alten Zeitungsberichte einmal durchlesen, acht Tote gab es damals bis dann ab August wieder Schluss war. Dass das gleiche auch schon 1928 geschah wurde natürlich ignoriert. Dabei stellt die Statue doch so eine nette ältere Dame dar.....“, sagte Stefan ungerührt.

„Bitte helfen Sie mir. Ich will nicht sterben. Ich würde ja gerne die Stadt verlassen aber ich kann es einfach nicht. Irgendetwas zwingt mich zu bleiben. Ich weiß dass ich in Kürze fortgehen und zu ihr gehen werde....“, antwortete die junge Frau den Tränen nahe.

„Für 3000,00 Euro mache ich es,“ sagte Stefan der nicht in der Stimmung war um großzügig zu sein. 

Hatte er nicht erst neulich einem Konkurrenten das Leben gerettet und ihn somit sogar noch stärker gemacht wenn er demnächst gegen Dämonen kämpfen und Stefan Aufträge wegschnappen würde? Und vielleicht käme Jonas nun, mit einem kleinen Schuss Dämonenenergie, sogar auf die Idee dass die Dämonenjagd ein durchaus lukratives Geschäft sein konnte.....

„Ich habe kein Geld, ich hatte vor kurzem einen Autounfall und bin auf dem Schaden sitzen geblieben. Da ist mein ganzes Erspartes drauf gegangen weil ich das Auto brauche. Ich wohne 60 Kilometer von meinem Arbeitsplatz entfernt und.....“, sagte die junge Frau aber Stefan schüttelte grinsend den Kopf. 

„Zwei Dinge: Machen Sie Ihr Problem nicht zu meinem. Nehmt Busse und Bahnen oder fahrt mal mit dem Fahrrad, das wird doch heutzutage empfohlen!“

„Wie können Sie nur so eiskalt sein?“, weinte die Frau und Stefan gab schließlich scheinbar nach. „Na gut, ich bin heute in Geberlaune. Ich habe ja Verständnis für einen kleinen finanziellen Engpass! Ich biete an dass ich den Dämon für 2700,00 Euro unschädlich mache!“

Der kleine Hoffnungsschimmer auf dem Gesicht der Frau verschwand und Tränen liefen über ihr Gesicht als sie, einem Zwang folgend, aufstand und zur Haustür ging.

Stefan folgte ihr durch die menschenleeren Straßen. Ahnten die Menschen, bewusst oder unbewusst, dass man in Julinächten, vor allem im Abstand von 40 Jahren, die Häuser bei Nacht besser nicht verlassen sollte?

„Früher wussten die Leute das. Es gibt hier sogar eine alte Legende aus dem Jahre 1560. Da schreibt jemand dass man im Sommer, auch wenn die Nächte noch so schön sind, besser drinnen bleibt denn sonst kommt die böse Grit und die Seele fährt zur Hölle,“ dachte Stefan als er, sein Schwert in der Hand haltend, der weinenden  jungen Frau folgte.

„Bitte helfen Sie mir,“ bat sie wieder aber Stefan schüttelte den Kopf. „Nur gegen Bargeld!“

Natürlich würde er nicht zulassen dass der Dämon die Frau tötete. Er würde sie im letzten Moment retten und anschließend Ratenzahlungen vereinbaren. Aber dazu musste sie ihm erst einmal wirklich dankbar sein und falls sie wirklich nicht zahlen konnte dann hatte er nun wenigstens ein wenig Spaß bevor er sie ohne Bezahlung rettete....

Die junge Frau und Stefan erreichten den Marktplatz. Einige Cafés befanden um diesen herum aber nun waren aufgrund der späten Stunde die Tische und Stühle herein geräumt worden und nicht ein einziges Licht brannte noch in den Fenstern.

Auf einer hohen Säule in der Mitte des Platzes stand die Statue einer älteren Frau. Man nannte sie im Volksmund die böse Grit da sie zu ihrer Zeit als Hexe verschrien gewesen war. Doch anstatt wie viele unschuldige Zeitgenossen auf dem Scheiterhaufen zu landen hatte Grit es geschafft zu einer der einflussreichsten Bürgerinnen zu werden. Und als sie starb wurde ihr Abbild enthüllt das sie selbst in Auftrag gegeben hatte und man solle alle 40 Jahre an sie denken.....

„Warum sie es so mit der 40 hatte würde ich mal gerne wissen. Sie war älter als 40 als sie starb. War es zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre her dass sie gelernt hatte Dämonen zu beschwören? Oder waren es insgesamt 40 Opfer die sie haben wollte? Aber was soll es, mir können die Beweggründe ganz egal sein denn diese Nacht wird es mit ihr zu Ende gehen. Aber an ihrem Beispiel sieht man mal wieder das es sich durchaus lohnt wenn man nicht nur nett und unschuldig ist. Viele arme selbstlose Kräuterfrauen hat man verbrannt und sie, die wirklich Macht besaß, hat ein Denkmal bekommen,“ dachte Stefan und blieb ein Stück zurück als die junge Frau vor die Statue trat. 

„Ich warte hier und schaue mir das an. Aber vielleicht überlege ich es mir ja noch mal,“ sagte er und nun brach die Frau vollends in Tränen aus. 

„Dieser gutmütige Trottel Jonas würde spätestens jetzt Mitleid kriegen und das Ding für lau erledigen,“ dachte Stefan und wich einen Schritt zurück in den Hauseinang eines Cafes als die Augen der Statue zu leuchte begannen und sie den Kopf bewegte um auf die junge Frau hinab zu sehen. „Da bist du ja endlich! Dachtest wohl du könntest entkommen, was? Aber mir ist noch niemand entkommen!“

„Immer das selbe Geseiere, ich kann es bald nicht mehr hören,“ dachte Stefan und unterdrückte ein Gähnen.

Nun sprang Grit von ihrem Sockel und er rechnete damit dass diese Statue so wie die meisten Artgenossen noch ein wenig auf ihr Opfer einreden und mit ihm Spielen würde um sich an der Angst zu weiden ehe sie die Seele stahl.

Er schickte sich gerade an einzugreifen ehe es soweit war als er erkannte dass er sich dieses Mal geirrt hatte denn Grit sprang sofort auf die junge Frau, riss sie grob zu Boden und legte ihr die Hand auf die Brust.

„So ein...“, fluchte Stefan und lief los. Schneller als jeder andere Mensch erreichte er Grit und stieß sie zur Seite und noch ehe sie wusste wie ihr geschah fiel ihr Kopf zu Boden. Stefan beugte sich über die junge Frau und erkannte dass es zu spät war. Sie hatte die Augen verdreht und ihr Genick war gebrochen. Sie musste es sich bei ihrem Sturz gebrochen haben noch ehe die Statue ihr die Seele hatte rauben können.....

„Das wollte ich nicht,“ murmelte Stefan und erhob sich. 

Glücklicherweise hatte er die Frau nicht berührt und so würde man wohl hoffentlich keine Fingerabdrücke oder sonstigen Spuren von ihm an ihr finden. Man würde wohl von einem Unfall ausgehen.

Stefan warf einen Blick auf die zerbrochene Statue die ihre geraubten Seelen bereits freigegeben hatte und dann sah er wieder zu der jungen Frau ehe er sagte: „Da sind wir wohl beide leer ausgegangen diese Nacht, was Grit?“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!