Kapitel 194

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Mit einem unbehaglichen Gefühl erwachte Gerrit am Morgen des 17. Oktober und blinzelte, als die Morgensonne freundlich in sein Fenster schien.

„Ich sollte doch schon längst bei der Arbeit sein,“ dachte er schuldbewusst und sprang aus dem Bett. 

Als er die Gaststube betrat, stellte Frau Huber, die gerade einem Gast einen Kaffee servierte, diesen auf dem Tisch ab und drückte Gerrit kurz und herzlich an sich.

„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Willkommen im Kreis der Erwachsenen! Ich hab dich darum heute ausschlafen lassen. Du brauchst heute nichts zu machen!“

„Herzlichen Glückwunsch,“ ließ sich der Gast, ein Herr mit einem Dackel, ebenfalls vernehmen. „Wie alt bist du denn geworden!“

„Der Gerrit wird heute 18 Jahre alt!, sagte Frau Huber stolz und drückte ihn noch einmal kurz an sich.

„Eigentlich werde ich 435 Jahre alt,“ murmelte Gerrit leise und Frau Huber strich ihm sanft übers Haar. „Ein Wunder eigentlich, dass du überhaupt da bist,“ sagte sie, nur für Gerrit vernehmbar.

„Volljährig also,“ stellte der Gast fest und seufzte. „So jung müsste man noch mal sein. Da würde ich vieles anders machen. Ich würde mir meine beiden Ehen ersparen, mein Geld besser anlegen, einen Beruf lernen, der mir Spaß macht, mich gegen Windpocken impfen lassen. Die sind für Erwachsene wirklich nicht so lustig. Aber meine beiden Scheidungen, die waren.....“

„Nun machen Sie dem armen Jungen mal keine Angst vor seinem weiteren Leben,“ lachte Frau Huber und gab Gerrit einen kleinen Klaps gegen den Arm. „Für dich kann alles nur noch besser werden!“

„Ja, das stimmt,“ sagte Gerrit ernst. 

Er begriff immer noch nicht, warum alle so viel Aufhebens um diesen Tag machten. Was war denn so besonderes daran? Sicherlich, nach den Maßstäben dieser Zeit gehörte er jetzt wohl zu den Erwachsenen. Aber zu seiner Zeit hatte er bereits seit längerem das Leben eines Erwachsenen geführt, ohne dass dies gefeiert worden wäre....

Doch sie meinten es alle nur lieb mit ihm, daher beschloss Gerrit, den Tag zu genießen. Am Nachmittag, nach der Schule, würde Lisa vorbei kommen. Leider fand sein Geburtstag an einem Wochentag statt und Jonas und Julia hatten sich keinen Urlaub nehmen können. 

Doch die Reise wäre, nur um an seinem Geburtstag dabei zu sein, auch ein wenig zu weit gewesen. Jedenfalls war Gerrit dieser Ansicht....

„Hier ist Post für dich gekommen, Gerrit!“, sagte Frau Huber nun und drückte ihm einen  Briefumschlag in die Hand.

Tatsächlich hatten Jonas, Julia und Lucas ihm eine Karte zukommen lassen. Diese zeigte eine Maus, die ein Sektglas in der Hand hielt.

„Das sind alles viel zu viele Umstände,“ sagte Gerrit verlegen, doch Frau Huber lachte. 

„Das ist gar kein Aufwand! Da mach dir mal keine Gedanken! Gewöhn dir das endlich mal ab. Wir haben dich alle gern und es macht uns Spaß! Mein Geschenk und das von der Lisa kriegst du ja auch noch. Und ich hab Kuchen für dich gebacken. Deinen Lieblingskuchen, so einen mit Ananasstücken. Was du daran so gerne magst weiß ich zwar nicht, aber Hauptsache dir schmeckt es!“

„Also für Oktober ist es entschieden zu warm,“stellte Frau Igel fest, als sie die Klasse betrat.

Noch immer herrschte draußen schönstes Wetter und die meisten trugen nach wie vor kurze Ärmel.

„Ja, ja, der Klimawandel,“ seufzte die Lehrerin und öffnete ein Fenster, um ein wenig frische Luft herein zu lassen. 

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