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Pen Your Pride

Kapitel 144

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Tatsächlich unternahmen Jonas, Gerrit und Lucas am Tag nach Engelmanns Tod einen Ausflug. Sie fuhren mit einer Seilbahn auf einen Berg hinauf und genossen die herrliche Aussicht auf das sonnendurchflutete Tal.

„Ich glaube wir haben Glück mit dem Wetter,“ dachte Jonas und kniff die Augen zusammen da die Sonne ihn ein wenig blendete. 

Während Gerrit und Lucas einen schmalen Pfad entlang spazierten setzte er sich auf eine Bank und hing seinen eigenen Gedanken nach. 

„Ich habe auf den Tod von Engelmann irgendwie sehr gleichgültig reagiert. Früher hätte es mir trotz allem etwas ausgemacht. Früher....ich glaube ich war da manchmal ein wenig zu nett für diese Welt. Engelmann war ein Verbrecher. Ich habe mir auch sonst viel zu viel bieten lassen. Von meinen Schulkameraden beispielsweise. Heute vor fünf Jahren war mein letzter Schultag, das war auch Ende Juni und es war auch so ein richtig schöner Sommertag!“, erinnerte sich Jonas an jenen Abend.

Die 10. Klasse hatte ihren letzten Schultag hinter sich gebracht und nun stand am Abend eine Abschlussfeier mit den Eltern und einem kleinen Programm das die Schüler einstudiert hatten an. Jonas hatte gar nicht daran gedacht an diesem Programm teilzunehmen und es hatte ihn auch niemand darum gebeten.

„Das muss ich mir nun wirklich nicht antun,“ dachte Jonas als er gemeinsam mit seinen Eltern die große Aula der Schule betrat.

Dort gab es eine kleine Bühne und nun waren einige Stuhlreihen vor dieser aufgebaut worden.

Hedwig und Georg nahmen in der zweiten Reihe Platz und Jonas wurde von seiner Mutter angestoßen. 

„Nun setz dich schon zu deinen Schulkameraden! Und schau ein wenig freundlicher drein! Was sollen denn die Runges und die Bachbergs denken? Die sitzen auch da hinten. Und da vorne sitzen auch Herr und Frau Becker, die Eltern von Julia. Das ist doch die Enkelin von Omas Nachbarin!“

„Ich gehe ja schon,“ maulte Jonas während sein Vater ihm einen genervten Blick zuwarf. „Bitte, Jonas! Keine Schwierigkeiten heute Abend!“

Jonas suchte sich einen Platz neben seinen Klassenkameraden die alle auf Stühlen neben der Bühne saßen und von dort aus den besten Ausblick auf das Geschehen hatten.

Unglücklicherweise kam er neben Katja und Britta zu sitzen. Die beiden Mädchen warfen ihm einen spöttischen Blick zu und kicherten, dann stießen sie Julia an aber diese war in ein Programmheft für den heutigen Abend vertieft und zeigte kein größeres Interesse an den üblichen Spötteleien.

„Selbst am letzten Tag müssen diese Kühe einem noch das Leben schwer machen, was bin ich froh wenn ich diese verfluchte Schule in ungefähr zwei Stunden verlassen kann und nie mehr zurück kommen muss,“ dachte Jonas traurig während weitere Schüler um ihn herum Platz nahmen.

Als erstes wurden die Zeugnisse verteilt und anschließend begann das Programm das die Schüler sich ausgedacht hatten.

Es wurden einige selbst verfasste Gedichte die sich auf diverse Lehrer bezogen vorgetragen und zwei Mädchen führen einen etwas seltsamen Tanz auf. 

Als letzte machten sich Julia, Britta und Katja sowie Diana Gärtner daran Blumensträuße an die weiblichen Lehrkräfte zu verteilen. Den Männern schenkten sie jeweils eine Flasche Sekt und anschließend wurden durch den Direktor noch ein paar nette Worte zum Abschied gesagt ehe man sich auf das am anderen Ende der Aula aufgebaute Buffet stürzte.

Leider bestanden Jonas Eltern darauf sich noch mit den anderen Eltern zu unterhalten. 

„Also unser Jonas hat ja schon eine Lehrstelle in Köln. Da muss er jeden Morgen mit dem Zug fahren. Aber das macht ja nichts,“ sagte Hedwig gerade zu Nils Mutter und diese nickte. 

„Ja, mein Nils hat leider noch keine Stelle gefunden. Aber sein Zeugnis ist ja auch nicht das Beste!“

„Also unser Jonas schreibt nur gute Noten,“ erwiderte Hedwig mit einem mitleidigen Blick auf die Mutter von Nils ehe sie kurz mit Frau Becker, Julias Mutter, sprach. 

„Schade dass die Schulzeit schon vorbei ist,“ seufzte Hedwig übertrieben während Georg seinen Sohn zur Seite zog. „Du siehst aus als würdest du am liebsten davon laufen. Nun stell dich mal nicht so an. Es ist schon peinlich genug dass wir immer Ärger mit dir hatten so lange du hier Schüler warst. Reiß dich mal zusammen und sei ein wenig freundlicher. Dieser Junge dort hat dich doch vorhin etwas gefragt und du hast nicht einmal geantwortet!“

„Ja, er hat mich gefragt ob meine Jacke aus der Kleidersammlung stammen würde und dass er froh sei meine Visage nie mehr wieder zu sehen,“ dachte Jonas aber er schweig. Schließlich interessierte Georg sich nicht wirklich für das was er zu sagen hatte.

Der letzte Abend in seiner Schule zog sich quälend langsam dahin und leider gehörten seine Eltern zu den letzten die gingen da sie es geradezu genossen jedem der es hören wollte oder nicht zu erzählen dass ihr Sohn ein gutes Abschlusszeugnis und bereits eine Lehrstelle hatte.

„Kein Wunder dass der Trottel bei den Eltern so bescheuert geworden ist,“ schnappte Jonas die Stimme von Katja auf die mit Britta da stand und tuschelte.

„Ja, bestimmt fliegt der innerhalb von einem Monat bei seiner Lehrstelle raus und putzt irgendwann Klos,“ erwiderte Britta und fügte hinzu: „Oder er hockt bei seiner geliebten Mami und weint sich die Augen aus....“

„Können wir jetzt endlich gehen?“, fragte Jonas schließlich seinen Vater der sich unwillig zu ihm herum drehte. 

„Willst du deiner Mutter keinerlei Freude gönnen? Sie ist doch so stolz auf dich. Also verdirb ihr nicht den Tag. Stell dich lieber mal neben die Julia da vorne und ich mache ein Bild von euch!“, sagte Georg und gab Jonas einen kleinen Stoß.

Julia hatte dies mit angehört und mit Jonas Vater wollte sie sich anscheinend doch nicht anlegen und nun wurden sie beide auf einem Foto verewigt.

„Also ein wenig lächeln hättest du schon können,“ stellte Georg hinterher fest während Julia machte dass sie schnell fort kam. Mit diesem Verlierer Jonas wollte sie wohl auf kein weiteres Foto.

Endlich verließ Jonas mit seinen Eltern das Schulgebäude. Draußen herrschte schönstes Juniwetter und Hedwig sah ihren Sohn vorwurfsvoll an. „Du hast dich wieder einmal unmöglich benommen! Womit habe ich das nur verdient?“

„Nun lass es gut sein, Hedwig. Der Abend ist ja jetzt vorbei,“ murmelte Georg.

Ja, dieser Abend war da vorbei gewesen. Und seine Mutter hatte ihn trotz allem genossen. Doch hatte sein Vater damals nur wieder einmal gute Miene zum bösen Spiel gemacht und von ihm einfach erwartet dass er es auch tat? Wegen seines schlechten Gewissens da er seine Frau einmal enttäuscht hatte? Obwohl dies zu diesem Zeitpunkt bereits Jahre zurück gelegen hatte?

„Lucas war damals noch nicht ganz elf Jahre alt und er fing mit der Schule an als ich fort ging. Sonst wären wir uns vielleicht sogar einmal über den Weg gelaufen....,“ dachte Jonas und sah zu Lucas und Gerrit die sich auf eine Bank in der Sonne gesetzt hatten. Gerrit hatte die Augen geschlossen und machte einen müden Eindruck.

„Er hat ja auch letzte Nacht kaum ein Auge zu bekommen, genau so wie ich damals nach dieser blöden Abschlussfeier. 

Auf der einen Seite habe ich mich gefreut da endlich weg zu sein und auf der anderen Seite wusste ich ja nicht ob ich bei meiner Arbeit nicht vom Regen in die Traufe komme. Das war zum Glück nicht so. Aber schon damals, bei dieser Abschlussfeier beispielsweise hätte ich mir nicht alles bieten lassen sollen. Dem Jungen der diese Bemerkung wegen meiner Kleidung machte hätte ich eine runter hauen sollen. Britta und Katja hätte ich am besten mit dem Kopf in die Nudelsalatschüssel getaucht und Julia hätte ich weg stoßen sollen als dieses dumme Foto gemacht wurde. Ich war viel zu nett zu allen....“

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