Kapitel 64

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Jonas und Lucas schwiegen darüber dass Julia es war die sie verraten hatte. Dennoch teilten sie den anderen bei einem abendlichen Treffen in Julias Wohnzimmer am nächsten Tag mit dass nicht nur Richter Engelmann und seine Statuen sondern auch Gerrit gemeinsam mit ihnen verschwunden war und dass es einen Zusammenhang gab.

„Und das waren diese Idioten aus deiner Schule, Lucas?“, erkundigte sich Dennis wütend. 

Er saß neben Britta und hielt ihre Hand. Sie sah sehr blass aus als sie sich erkundigte: „Das mit Gerrit tut mir leid! Irgendwie mochte ich ihn! Aber was sollen wir da jetzt machen? Ich meine wir wissen nicht wohin sie verschwunden sind! Sie könnten noch in der Stadt sein. Wo hat Engelmann eigentlich gewohnt? Doch nicht in der Schule, oder?“

„Nein, er hat in einem dieser Hochhäuser am Stadtrand gewohnt! Dort kennt keiner den anderen  und das kam ihm wohl recht. Ich habe da heute morgen schon nachgefragt. Nur eine Nachbarin erinnerte sich überhaupt noch an ihn. Sie war einmal mit ihm aneinander geraten weil sie ihren Kinderwagen im Aufzug in den 4. Stock brachte statt ihn die Treppe hoch zu tragen. Sie würde den Aufzug verstopfen...,“ sagte Jonas bedrückt.
„Das ist ja dann Engelman wie er leibt und lebt gewesen. Die Frau kann froh sein dass sie noch lebt,“ stellte Jessica die neben Jonas sah fest. „Aber wohin er gegangen ist konnte sie auch nicht sagen, nicht wahr?“
Jonas schüttelte den Kopf. „Nein, die Nachmieter waren bereits damit beschäftigt die Wohnung zu renovieren. Die habe ich noch gefragt und jemanden von der Hausverwaltung aber von denen wusste auch keiner was. Ich fürchte wir werden keine Hilfe bekommen bei unserer Suche nach Engelmann. Aber Lucas meinte vorhin er hätte eine Idee!“

„Dann heraus damit! Besser eine schlechte Idee als gar keine!“, sagte Sebastian schlecht gelaunt. „Versteht mich bitte nicht falsch! Ich mochte Gerrit auch. Aber ich bin immer noch der Meinung dass wir uns einfach darüber freuen sollten dass sie alle weg sind. Vielleicht könnten wir die ganze Sache jetzt endlich vergessen und zur Normalität zurück kehren! Noch mehr Statuen gibt es in der Gegend ja wohl nicht!“

„Und Gerrit einfach im Stich lassen?“, fragte Lucas genau so unfreundlich zurück. „Schön, wenn man so treue Freunde hat!“

„Er gehört zu ihnen! Zwar nicht freiwillig aber immerhin ist er nicht einmal wirklich ein Mensch!“, wandte Sebastian etwas freundlicher ein.
„So ganz unrecht hat Sebastian nicht,“ sagte Britta leise. „Immerhin lebt er schon seit Jahrhunderten so und es war nur Glück dass sich das geändert hat. Aber neu ist die Situation für ihn doch nicht!“

„Aber nur weil er daran gewöhnt ist können wir doch nicht sagen es ist richtig so!“, sagte Lucas empört. „Und wollt ihr jetzt hören was ich mir überlegt habe oder nicht? Wenn nicht dann gebt Jonas und mir das Buch das ihr gefunden hat und wir machen ab jetzt allein weiter!“

„Ich helfe euch auch!“, beschwerte sich Jessica. „Wofür hältst du mich eigentlich?“

„Und ich helfe auch,“ sagte Julia und sah zu Boden. Sie schämte sich noch immer für ihr Verhalten und wollte es wieder gut machen.....
„Ich auch!“, stimmte Dennis zu. „Aber dann sag mal wie du den Direktor samt Anhang ausfindig machen willst, Lucas!“

„Zuerst einmal sollten wir uns das Buch ansehen! Der der es geschrieben hat kannte Engelmann doch. Vielleicht schreibt er wo er sich verstecken könnte! Und wenn das nicht so ist dann müssen wir es eben anders machen! Und zwar wird Engelmann doch sicherlich bald wieder damit anfangen böse Verbrecher wie er sie nennt zu bestrafen!“
„Davon ist auszugehen! Und das ist ein weiterer Grund warum wir ihn suchen sollten! Mir wird schlecht bei dem Gedanken dass er da weitermacht wo er aufgehört hat und wieder Leute sterben nur weil er sie für Verbrecher hält!“, sagte Jonas und sah mit einem Mal sehr müde aus.

„Aber ich sagte dir neulich bereits, das kann doch nicht deine Aufgabe sein! Du kannst dich nicht um alle Statuen und Dämonen und sonstiges Unheil auf der Welt kümmern!“, wandte Sebastian ein.
„Ich fürchte darauf wird es hinaus laufen, zumindestens was die Statuen angeht!“ dachte Jonas mit Schrecken. Aber er schwieg. Jammern brachte schließlich auch nichts....

Aber die Zukunft erschien ihm mit einem Mal erschreckend und dunkel. Vielleicht sogar tödlich....

Lucas sprach weiter. Sein Plan war in keinster Weise ausgereift und eigentlich war es eher eine spontane Idee gewesen. Aber es stellte eine Möglichkeit dar. 
„Wir müssen warten bis Engelmann wieder anfängt Leute umzubringen! Früher können wir auch nichts machen! So schlimm das auch ist!“, sagte er und erschrak über seine eigenen Worte. Warten bis Leute ermordet wurden.....

„Und dann? Ich glaube ich weiß worauf du hinaus willst!“, sagte Jonas nachdenklich. „Wenn Engelmann und seine Statuen wüten dann wird es hoffentlich Aufsehen erregen! Aber genau das ist auch das Problem! Die Leute die sterben fallen ja offiziell nie einem Verbrechen zum Opfer und man erfährt es gar nicht!“

„Wenn man sehr aufmerksam ist und weiß wonach man suchen muss dann schon! Erinnerst du dich noch an Pfarrer Bach damals? Der wurde vor der Kirche getötet und starb offiziell an Herzversagen oder etwas in der Art. Damals berichteten sogar die Nachrichten darüber. Es war zwar nur eine kurze Nachricht in den lokalen Mitteilungen aber immerhin war sogar ein Kamerateam da und brachte es Abends.Und Katja sowie einige andere haben es immerhin in die Zeitung gebracht. „Junge Frau tot gefunden!“, stand damals in der Zeitung!“

„Genau das meine ich! Wir müssen im Internet und in den Fernsehsendern in den Lokalnachrichten nach solchen Mitteilungen Ausschau halten! Oder von verschiedenen Städten die Todesanzeigen nachlesen! Wenn da plötzlich Leute mit der Meldung „Plötzlich und Unerwartet verstorben“ drin stehen die vorher gar nicht krank waren dann könnte das doch ein Hinweis sein,“ schlug Lucas vor.

„Viele andere Möglichkeiten haben wir leider nicht!“, stimmte Jonas zu. 
Es störte ihn zutiefst dass bei Lucas Plan erst Menschen sterben mussten ehe es auffiel und sie auf die richtige Spur brachte. Aber eine andere Lösung fiel Jonas leider auch nicht ein. 
„Es wird noch Opfer gegen und ich kann nichts dagegen machen....,“ dachte er und hätte sich am liebsten irgendwo verkrochen.

„Ich denke immer noch dass es ein Fehler ist überhaupt etwas zu machen! Ich will einfach nicht dauernd darüber nach grübeln müssen was jetzt wieder alles geschehen ist weil ich nicht tätig geworden bin! So was ist doch kein Leben!“, beschwerte sich Sebastian.

„Also lieber gar nichts machen damit man nicht denkt man hätte mehr machen können wenn etwas geschieht?“, fragte Lucas verwundert. „Aber so geht es doch auch nicht!“

„Wir sollten endlich das Buch durcharbeiten! Hast du es mit, Britta?“, erkundigte sich Jonas und gab sich einen Ruck. Wenn er da saß und grübelte war auch niemandem geholfen.
Jessica nahm seine Hand. „Sollten wir nicht ein Pause machen?“

„Nein, jetzt nicht!“, antwortete Jonas als Britta das Buch aus einer Plastiktüte heraus nahm und auf den Wohnzimmertisch legte. „Den Anfang hatten wir uns ja schon durch gelesen! Aber hier geht es weiter!“

„Ließ noch einmal den Anfang vor, Julia!“, bat Jonas. „Ich habe ihn noch nicht gehört!“
Julia nickte. Sie war froh dass Jonas sie noch mit einbezog.

„ Alles hängt mit einander zusammen! Ich kann mich und die Kinder vor ihm und seinen dämonischen Vollstreckern schützten! Er hat Angst vor mir, da ich Waffen besitze die Dämonen verletzten könnten! Aber ich habe nicht die Kraft sie zu töten! Das geht nur mit einem Schwert das einst von Engeln geschmiedet wurde! Doch Simon, der einzige der es führen konnte, ist seit über 200 Jahren tot und auch wenn es mir gelänge bleibt der Richter unsterblich!“

„Das heißt also dass Engelmann weiterhin unsterblich bleibt wenn die Statuen auch zerstört wurde! Aber unsterblich heißt doch nicht unverwundbar, oder? Ich meine wenn man ihn töten würde dann wäre er auch tot...!“ überlegte Lucas, war sich aber gleichzeitig sicher dass er es nicht fertig bringen würde den ehemaligen Richter zu töten.
„Das ist wahrscheinlich so! Und was den anderen Teil angeht, dass Simon tot ist, hat sich das Problem ja glücklicherweise inzwischen erledigt!“, stellte Dennis mit einem Blick auf Jonas fest.
„Was meint er eigentlich mit Waffen? Lest mal weiter, vielleicht sind die ja irgendwo versteckt und wir können sie uns holen!“, bat Lucas und Julia blätterte auf die nächste Seite.

„So besteht keine Hoffnung ihn und seine schrecklichen Vollstrecker jemals zu besiegen! Vielleicht geschieht eines Tages ein Wunder. Aber darauf sollten wir nicht warten! Wir müssen uns vor ihm schützten so gut wir können! So gibt es eine Möglichkeit um ihrem Ruf zu entgehen!“

„Ihrem Ruf entgehen? Ist damit gemeint dass man verhindern kann dass sie einen dazu bringen nachts aus dem Haus zu kommen oder zu ihnen zu gehen?“, erkundigte sich Dennis nachdenklich. „In die Häuser kommen sie ja nicht! Das ist wohl so wie bei Vampiren, die können doch angeblich auch nur mit Einladung ein Haus betreten!“
„Vielleicht haben Dämonen da ja alle was gemeinsam,“ meinte Sebastian ein wenig spöttisch.

„Moment mal, heißt das jetzt auch an Vampirgeschichten und dergleichen könnte was wahres dran sein? Was ist mit Geistern? Werwölfen und Zombies?“, fragte Britta und wurde noch blasser. 

„Weiß ich nicht, aber da es auch Dämonenstatuen gibt sollte man niemals nie sagen! Aber ich bin auch nicht scharf darauf es heraus zu finden! Mir reicht die eine Art!“, antwortete Jonas während Lucas seinen Bruder besorgt ansah. Irgend etwas stimmte nicht mit ihm.....

„Und was hilft dann gegen die Statuen? Knoblauch? So wie bei Vampiren?“, wagte Jessica einen schwachen Scherz.

Julia las weiter vor.

„Eine Möglichkeit sich zu schützten ist bekannt. Schon immer wussten die Menschen um die Wirkung von Eisenkraut. Es schützt vor bösen Geistern, Dämonen und anderen Geschöpfen der Dunkelheit! Pflanzt es in euren Häusern, hängt es an die Türen und tragt es bei euch! Dann seid ihr sicher vor ihnen und ihrem Einfluss! Sie verlieren die Macht nach euch zu rufen!“

„Das klingt doch schon mal gut,“ freute sich Britta. „Dennis, wir werden direkt morgen in die Gärtnerei fahren und uns Eisenkraut besorgen! Das pflanzen wir uns und stellten uns überall Töpfe davon in die Wohnung!“
„Einverstanden,“ stimmte Dennis zu. „Besonders in unser Kinderzimmer kommt so etwas!“

„Gut, das sind doch wirklich gute Nachrichten! Wenigstens ein kleiner Erfolg! Aber jetzt lies schon weiter! Ich will wissen was es mit diesen Waffen auf sich hat!“, forderte Lucas Julia zum Weiterlesen auf. Diese rückte ihr gebrochenes Bein ein wenig zurecht und machte es sich im Sessel etwas bequemer.

„Außerdem gibt es noch drei Waffen! Drei Dolche die einst ein Magier namens Merlinus der aus dem fernen Irland kam den Menschen überlies. So zumindestens will es die Legende. Diese Waffen durchdringen das steinerne Fleisch der Dämonen und fügen ihnen Schaden zu. Ich besitze diese Waffen, mein Lehrmeister gab sie mir kurz vor seinem Tod. Auch mein Tod naht, ich und einige wenige Menschen spüren ihn wenn er nur noch eine gewissen Zeitspanne entfernt ist. Jetzt ist es früher Herbst und den Frühlingsanfang werde ich nicht mehr erleben. Es gab niemanden dem ich die Waffen überlassen konnte. Meine Schützlinge sind tapfere Menschen aber keine Kämpfer. Wüssten die Diener des Richters oder andere dunkle Wesen dass sie sie besitzen wären sie nicht mehr sicher. Daher habe ich die Waffen dort verborgen wo die Mutter über sie wacht!“

„Was hat das zu bedeuten, die Dolche sind dort verborgen wo die Mutter über sie wacht? Und wer ist mit Merlinus gemeint? Erinnert mich irgendwie an diesen Zauberer der in den König Artus Geschichten auftaucht!“, sagte Jessica nachdenklich. „Aber wahrscheinlich geht dieser bekannte Zauberer, Merlin, auf viel ältere Mythen aus dem keltischen Raum zurück!“

„Ich habe auch keine Ahnung wo die Dolche sind! „Dort wo die Mutter über sie wacht?“, grübelte Julia leise und sah in die Runde. 
Jedoch auch die anderen konnten sich keinen Reim darauf machen. Lediglich Jessica kam ein Gedanke. „Ich habe da vielleicht eine Idee! Aber das muss ich noch mal nachlesen! Jetzt solltest aber du weiter lesen, Julia!“

„Gut, ich lese weiter,“ stimmte Julia zu.

„Was den Richter und seine Diener betrifft so sind sie aus der Gegend fort gegangen. Ich und auch die anderen Bürger dieses Ortes werden ihn nicht vermissen! Ich bin froh dass er mich genügend gefürchtet hat dass er mir niemals die Inquisition auf den Hals schickte. Denn gegen ein paar kräftige Soldaten die mich verhaften hätte ich nichts ausrichten können! Zum Glück bin ich in der Gegend angesehen und habe auch einige Freunde die in der Kirche dienen. So auch die Äbtissin des Klosters St. Anna das über die Umgebung wacht. Auf das Klostergelände wagen sich die Dämonen auch nicht, genau so wenig wie zu mir der ich meinen Grund und Boden mit einem Bannkreis umlegt habe. Mit meinem Tod wird dieser Bann enden, auch daher ist es wichtig dass der Richter nicht mehr hier ist! Ich wünschte ich hätte den Mut gehabt ihn zu töten! Aber es gab nur eine Möglichkeit um ihn und damit seien Diener mit einem Schlag zu vernichten. 

Seine Gesundheit, Unsterblichkeit und sein Leben hängen an einer weiteren Statue in die die Seele von Gerrit, dem Bruder meiner Schützlinge Maria und Andreas gefahren ist. Ich habe mich einst zu ihm geschlichen als die Dämonen wieder einmal Jagd auf einen Mann machten der einen kleinen Diebstahl begangen hatte. Ich hatte einen der drei Dolche dabei und hätte ihn dieser vierten, zum Leben erwachten Statue, ins Herz stoßen sollen. Doch ich konnte es nicht. Nicht so lange er wie ein Mensch aussah und mich dabei ansah....“

Julia schlug das Buch zu. „Hier enden die Eintragungen. Aber der letzte Hinweis ist interessant! Darum war der Direktor so scharf darauf Gerrit zurück zu bekommen. Um seine Unsterblichkeit wieder her zu stellen und zu verhindern dass ihm vielleicht etwas geschieht! Ein tödlicher Unfall oder so! Denn wenn man Gerrit tötet dann stirbt er auch und seine Dämonen sind auch am Ende!“

„Da hatten wir die Lösung für unser Problem vor Augen und wussten es nicht. Wir hätten das Buch früher lesen sollen,“ murmelte Sebastian.
"Ob Gerrit das gewusst hat?", dachte Lucas. "Er hat nie etwas gesagt, aber wenn er es wusste kann ich ihm nicht übel nehmen wenn er geschwiegen hat!"

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!