Kapitel 178

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Julia sah Jonas ungläubig an. „Was sagst du da?“

Immerhin hatte sie ihre Hand noch nicht zurück gezogen auch wenn ihr Gesicht ein wenig an Farbe verloren hatte.

„Ich bin....zu einem kleinen Teil ein Dämon....,“ sagte Jonas und fragte sich ob er das richtige getan hatte. Warum hatte er nicht den Mund gehalten? War es denn so wichtig? Was war wenn Julia nun aufsprang und davon lief. Oder ihn künftig nur noch mit Ekel betrachtete?

In Julias Magengrube machte sich ein ungutes Gefühl breit. Zum Teil ein Dämon, was genau bedeutete dies eigentlich? Rein äußerlich war nichts zu erkennen. 

Jonas hatte werde Hörner noch scheußlich Schuppen oder dergleichen.  Bilder aus dem Film „Alien“, von Menschen die diese scheußlichen Wesen in sich trugen, kamen ihr in den Sinn. Aber so war Jonas doch nicht.....

„Sein Muttermal hat eine dunklere Farbe bekommen. Das haben wir damals gesehen nachdem er aus dem Krankenhaus gekommen ist und wir seinen Vater von der Existenz von Dämonen überzeugen wollten,“ dachte Julia.

Etwas anderes viel ihr ein. „Du sagtest damals dass diese Statuen dadurch entstehen dass sich dämonische Energie mit ihnen verbindet.....ich wusste nicht dass das auch bei Menschen geht. Ist es etwas in der Art was mit dir passiert ist? Und warum hast du das gemacht?“, fragte Julia und ein leiser Vorwurf schwang in ihrer Stimme mit. Warum tat jemand freiwillig so etwas mit sich selber? Hatte er auf diese Weise stärker werden wollen? Oder war es in einem Augenblick höchster Not geschehen? Hatte er nicht nach seiner Schutzverletzung in Lebensgefahr geschwebt?

„Ich habe damals Gerrit und Jonas an Engelmann und seine Statuen verraten und damit viel Unheil angerichtet. Daraufhin sind mehrere Menschen gestorben und der arme Gerrit musste erneut das durchmachen was er gerade hinter sich gelassen hatte. Wer bin ich denn dass ich andere verurteile? Aber ich hatte damals doch einfach nur Angst....“, dachte die junge Frau.

„Ich habe das nicht selber gemacht. Das war Stefan. Aber ich wäre sonst gestorben. Mit ihm ist es übrigens das gleiche, nur hat er mehr davon abbekommen als ich,“ antwortete Jonas bedrückt und warf Julia einen traurigen Blick zu.

„Das war es dann jetzt, oder? Du hast doch gesagt dass du so etwas ekelhaft findest. Und ich kann es ja irgendwie sogar ein wenig verstehen. Ich wollte es dir nur sagen bevor es ernster mit uns wird....“

Julia schwieg. Ekelhaft fand sie an Jonas nach wie vor nichts und es fiel ihr schwer ihn mit diesen Statuen in Verbindung zu bringen. 

Aber einige andere Ereignisse fielen ihr ein. Hatte er nicht mit einer Falsche nach seinem Kollegen Ingo geworfen? Dann war da noch diese Sache mit dem Herbergsleiter gewesen. Für einen Augenblick hatte Julia wirklich befürchtet Jonas würde diesen verprügeln. Und war nicht sein Schwert zerbrochen und er hatte dringend ein anderes benötigt?

„Hängt das auch mit deinem Schwert zusammen?“, erkundigte Julia sich. Noch immer hatte sie ihre Hand nicht weg gezogen. Jonas sah so traurig aus.....

Nun nickte er langsam. „Ja, darum ist es zerbrochen. Nachdem ich mich verändert hatte war ich wohl nicht mehr gut genug dafür. Es hieß doch dass ein Engel es geschmiedet hätte. So stand es zumindestens in diesen alten Unterlagen. Und jemanden wie mich können die wohl nicht brauchen. Es ist schon verrückt. Als ich noch ein normaler Mensch war hab ich sicherlich mehr Mist gebaut als hinterher. Aber damals hat das niemanden da oben oder da unten oder wo auch immer gestört. Und kaum verändere ich mich, nicht einmal freiwillig, bin ich nicht mehr gut genug!“

„Für mich bist du weiterhin gut genug,“ sagte Julia nach einer Weile und Jonas sah sie überrascht an. Damit hatte er nicht gerechnet.

„Bist du dir ganz sicher? Dass du damit leben kannst? Dass du vielleicht einen Freund hast der zum Teil ein Dämon ist und der regelmäßig gegen Dämonen kämpft? Das wird nicht einfach werden!“

Julia lächelte schwach. „Ich werde damit zurecht kommen. Seit Tagen flattern da schon lauter Schmetterlinge in meinem Bauch herum. Und die fingen erst an zu flattern nachdem du dich.....verändert hast.“

Jonas zwang sich ebenfalls zu einem Lächeln. „Du meinst du bist ein wenig pervers veranlagt und magst Dämonen?“

„Ich mag dich, Jonas,“ sagte Julia an und gab ihm einen Kuss den er erwiderte. Dann zog er Julia in seine Arme. „Und mit allem anderen kommst du auch zurecht?“

Julia nickte. „Ja, das wusste ich ja auch vorher schon. Auch wenn es nicht leicht sein wird. Ich werde mir wahrscheinlich oft Sorgen machen müssen......“

„Im Moment verhalten sich die Dämonen ja ganz ruhig. Ich las was von einer zerstörten Dämonenstatue in Bayern. Die stand auf einem Feld und jemand hat sie kaputt gemacht. Es gab auch noch ein paar ältere Hinweise auf das Ding. Aber jetzt ist es zerstört worden. Vielleicht war das ein Dämon.....ich schätze mal Stefan hat sich darum gekümmert. Er ist der einzige andere Dämonenjäger den ich kenne. Aber da kann ich natürlich auch falsch liegen, vielleicht gibt es noch weitere.Der Artikel stand im Internet.“, sagte Jonas und fügte hinzu: „Aber zu deiner Frage, vielleicht wird die nächste Zeit ruhiger werden. Ich habe nirgendwo mehr einen Hinweis auf einen Dämon gefunden. Und ich habe wirklich die Nachrichten abgesucht und im Internet gesurft. Ingo hatte übrigens den Artikel mit dem Dämon gefunden, er hilft mir manchmal und wenn wir während der Arbeit nicht so viel zu tun haben machen wir Dinge von denen unser Chef besser nichts mitbekommen sollte.....“

„Dann habt ihr euch wieder vertragen. Das ist sehr gut, ich mag Ingo. Aber vielleicht haben du und Stefan wirklich alle Dämonen erwischt die es im Umkreis von 1000 Kilometern gab. Das wäre doch wirklich sehr schön für uns. Wir könnten eine ganz normale Beziehung haben,“ sagte Julia glücklich und lehnte ihren Kopf an Jonas Schulter.

Leise fügte sie hinzu: „Und wenn es nicht so ist dann müssen wir damit leben.....“

„Leider ja,“ antwortete Jonas. „Aber die Vorstellung dass wir im Umkreis von 1000 Kilometern dämonenfrei sind gefällt mir.“

Schließlich erhoben sie sich und gingen Hand in Hand am Rheinufer entlang. Die Badegäste trockneten sich unterdessen mit ihren Handtüchern ab und machten sich auf den Heimweg.

Mittlerweile war es neun Uhr abends und die Sonne stand schon tief am Himmel. Ein schöner Augusttag ging zu Ende.

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