Kapitel 86

81 7 0

Der Vormittag verging quälend langsam. Jonas versuchte sich auf seine Arbeit zu konzentrieren jedoch mehrere Anrufe musste Ingo für ihn übernehmen. 

„Jonas, das geht so wirklich nicht weiter!“, sagte Ingo nach dem dritten Anrufer genervt. „Deinen so genannten Nebenjob ja in allen Ehren! Aber so geht es auch nicht! Das meiste deiner Arbeit übernehme ich mittlerweile und ich ziehe dich hier mit durch!“

„Du hast recht, es wird auch nicht mehr lange so weiter gehen!“, sagte Jonas und fügte in Gedanken hinzu: „Wenn es so wird wie ich es befürchte ist für mich noch vor dem Sommer endgültig Schluss! Vielleicht sollte Ingo sich schon einmal nach einem neuen Kollegen umsehen! Der Mark macht doch jetzt demnächst seine Prüfung! Vielleicht wäre der ja für meine Job geeignet!“

Diese Gewissheit machte ihm sehr zu schaffen. Am liebsten hätte Jonas auf seinen unschuldigen Kaffeebecher der zwei sich küssende Schafe zeigte eingeschlagen. Dabei fiel ihm ein dass es sich dabei noch um ein Geschenk handelte das seine Ex-Freundin Nadine ihm einmal gegeben hatte....

Laut sagte Jonas: „Ich weiß wo Engelmann und Gerrit sind! Heute morgen brachten sie einen Beitrag in den Nachrichten! Sie sind in Hedenburg in der Nähe von Hamburg!“

„Und da willst du heute Nacht hin und darum brauchst du morgen einen freien Tag?“, erkundigte sich Ingo mit einem Mal besorgt. 

Jonas nickte schweigend jedoch Ingo ließ nicht locker. „Du wirst da doch nicht allein hin fahren, oder? Das kannst du nicht machen! Zwei Statuen und der Direktor!“

„Was soll ich denn sonst tun? Jessica in Lebensgefahr bringen? Oder Lucas? Oder am Ende dich? Anders geht es doch nicht! Ihr wollt immer alle helfen und macht euch Sorgen! Aber das möchte ich nicht...“, sagte Jonas mit einem Anflug von Verzweiflung. Er wusste selbst nicht was er tun sollte. War er den beiden Henkern überhaupt gewachsen? Allmählich wuchs ihm alles über den Kopf....

Ingo wollte etwas antworten jedoch dazu kam er nicht mehr denn die Tür zum Büro das sie sich teilten wurde geöffnet und zwei Polizeibeamte traten ein.

„Herr Schneider?“, erkundigte sich einer von ihnen und Jonas hob die Hand. „Das bin ich!“

„Gegen Sie liegt eine Anzeige vor! Sie sollen in der vergangenen Nacht ein Kunstwerk der Künstlerin Doris Bausemann zerstört haben! Im übrigen soll es sich nicht um einen Einzelfall handeln!“, teilte der Beamte ihm mit.

„Was?“, fragte Jonas und wurde blass. Mit diesem hässlichen angeblichen Kunstwerk hatte er doch wirklich nichts zu tun....

Die Tür zum Büro öffnete sich erneut und Jonas und Ingos Chef trat ein. „Was hat das zu bedeuten? Mir wurde gesagt wir hätten die Polizei im Haus?“

„Beruhigen Sie sich bitte, es geht um Herrn Schneider!“, sagte der Polizist und wandte sich an Jonas.

„Bitte begleiten Sie uns! Wir haben einige Fragen an Sie!“, forderte er ihn unfreundlich auf.

„Aber das können Sie nicht machen! Mein Kollege beschädigt doch keine Kunstwerke!“, versuchte Ingo Jonas zu unterstützen jedoch der Polizeibeamte schüttelte den Kopf. „Das klären wir auf der Polizeiwache! Also kommen Sie mit ohne Schwierigkeiten zu machen, Herr Schneider! Dann können wir vielleicht auf Handschellen verzichten!“ 

Jonas erhob sich und begleitete die Polizeibeamten während die Kollegen sich umdrehten. „Was hat der denn angestellt?“, rief eine ältere Kollegin.

„Keine Ahnung, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen dass der was gemacht hat....“, sagte ein anderer.

„Herr Schneider, wenn Sie zurück sind müssen wir uns unterhalten! So geht das nicht weiter mit Ihnen!“, rief der Chef ihm hinterher.

„Das war es dann wohl mit meinem Job,“ dachte Jonas bedrückt. „Außerdem möchte ich gerne wissen was die damit meinen es sei kein Einzelfall gewesen mit diesem Ding auf der Domplatte!“

Fast schon triumphierend rief Hedwig bei ihrem Ehemann Georg an.

„Was willst du schon wieder, Hedwig? Ich habe dir doch heute morgen schon gesagt dass ich nicht mit dir sprechen möchte! Und schon gar nicht bei der Arbeit!“, begrüßte er sie unfreundlich.

„Nun sei nicht schon wieder so unfreundlich zu mir! Ich wollte dir nur etwas mitteilen! Ich habe endlich das getan was ich schon längst hätte tun sollen!“, antwortete Hedwig. „Ich habe bei der Polizei angerufen!“

„Was denn, du hast die Polizei angerufen? Warum das denn? Willst du mich anzeigen weil ich dich verlassen habe? Ich wusste nicht dass dafür die Polizei neuerdings zuständig ist! Langsam drehst du wohl durch!“, antwortete Georg ungehalten und wollte das Gespräch beenden. Jedoch Hedwig war noch nicht fertig.

„Ich habe Jonas angezeigt!“, sagte sie und Georg ließ vor Schreck beinahe den Hörer fallen. 

„Was hast du gemacht? Du hast unseren Sohn angezeigt? Was soll das?“

„Letzte Nacht wurde auf der Domplatte ein Kunstwerk zerstört! Und ich bin mir sicher dass Jonas dahinter steckt! Er hat doch diese fixe Idee dass alle Statuen Vampire sind!“, antwortete Hedwig und Georg konnte fast schon ihr Lächeln sehen. War sie boshaft? Verrückt? Hatte er all die Jahre etwas nicht gesehen oder nicht sehen wollen?

„Du hast was? Unseren Sohn wegen so einem Kunstwerk das zerstört wurde angezeigt? Willst du ihn ins Gefängnis bringen? Am Ende verhaften die ihn noch an seinem Arbeitsplatz! Verrückte Kuh!“, brüllte Georg sie an und ein vorbeigehender Kollege drehte sich erschrocken um.

Die letzte Bemerkung war Georg heraus gerutscht aber wirklich leid tat sie ihm trotzdem nicht. Hedwig hatte es einfach zu weit getrieben und jetzt bracht sie zu allem Unglück auch noch in Tränen aus.

„Aber ich habe das doch nur für unsere Familie getan! Jonas hat damals auch in der Stadt eine Statue zerstört! Die über der Kirche! Und neulich sah ich einen Bericht über eine Statue in München! Ich bin mir sicher damit hat er auch etwas zu tun! Er hat es doch selbst gegenüber von Nadine damals zugegeben! Jetzt, wo er angezeigt wurde, wird es hoffentlich auffallen dass er nicht ganz zurechnungsfähig ist und bekommt ärztliche Hilfe! Denk doch einmal an die alte Frau Gruber! Die sah plötzlich überall sprechende Gartenzwerge! Aber seitdem sie ihre Tabletten bekommt sieht sie die nicht mehr! Und wenn Jonas wieder normal ist dann werden wir uns wieder besser mit ihm verstehen!“

„Wir werden uns wieder besser mit ihm verstehen? Ich verstehe mich schon besser mit ihm! Und weißt du was, Hedwig? Bisher habe ich wegen unserem Haus in das wir so viel Geld und Zeit gesteckt haben von einer Scheidung abgesehen! Aber ich werde nun ernsthaft darüber nachdenken ob ein Haus es mir wert ist weiterhin mit einer Verrückten verheiratet zu sein!“, sagte Georg und beendete das Telefonat.

Fragend sahen zwei Kollegen ihn an. „Ist alles in Ordnung, Herr Schneider?“, fragte einer von ihnen besorgt. 

Georg nickte. „Ja, es ist alles in Ordnung! Aber jetzt muss ich einmal in Ruhe mit meinem Sohn telefonieren! Es gibt da einige Problem....“

Diskret zogen die Kollegen sich zurück und Georg wählte die Nummer seines Sohnes bei dessen Arbeit in Köln.

Jedoch nicht Jonas sondern sein Kollege Ingo Steingruber meldete sich.

„Herr Steingruber, ich müsste dringend meinen Sohn sprechen!“, sagte Georg während sein Gesprächspartner nach Worten zu suchen schien. „Herr Schneider, ich weiß gar nicht wie ich Ihnen das jetzt sagen soll....aber vorhin war die Polizei..“

„Ist mein Sohn verhaftet worden?“, fragte Georg ungeduldig und legte kurz darauf den Hörer auf nachdem sich seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt hatte.

„Es reicht, Hedwig! Ich werde gleich einen Anwalt anrufen! Zum einen soll der zu Jonas fahren und ihm bei der Polizei beistehen und zum anderen soll er sich um die Scheidung kümmern!“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!