Kapitel 48

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Noch lange saßen Jonas und die anderen in der gemütlichen Gaststube von Frau Huber. Diese setzte ihnen etwas vor was sie eine deftige Brotzeit nannte. Gerrit starrte sehnsüchtig auf die Brote, die Butter und die Wurst. 

Lucas griff zu und begann sich Butter auf eines der Brote zu schmieren und auch Ingo ließ es sich schmecken. 

„Kann ich ein Bier haben?“, erkundigte er sich und Frau Huber sah ihn streng an. „So früh schon? Warte damit wenigstens bis heute Abend!“

„Na gut, dann hätte ich gerne einen Kaffee,“ gab Ingo kleinlaut nach.

Jonas brachte keinen Bissen herunter. Der Anblick der Brote drehte ihm statt dessen den Magen um und Frau Huber brachte ihm einen Fencheltee. Dieser gehörte zwar auch nicht zu Jonas Favoriten jedoch zumindestens beruhigte sein Magen sich ein wenig.

Außerdem fühlte er sich mit einem Mal schrecklich müde und er fragte sich ob das noch Nachwirkungen der Schlaftabletten waren.

Frau Huber wandte sich an Gerrit. „Iss doch was! Es ist genug da!“

Dieser schüttelte den Kopf. „Nein, ich will nicht alles weg essen! Das geht doch nicht! Wenn ich jetzt diese Wurst und dieses Brot esse dann ist es weg und es bleibt für morgen nichts...“

„Du lieber Himmel, ich sagte gerade iss! Zum einen habe ich den Kühlschrank voll und zum anderen ist ganz in der Nähe der Supermarkt! Also mach dir keine Gedanken darum dass du mich arm futtern könntet!“, forderte die Gastwirtin ihn erneut zum Essen auf. Zögernd griff Gerrit zu und genehmigte sich ein kleines Stück Brot mit Käse.

Jedoch trotz Frau Hubers weiterer aufmunternden Worte blieb es bei der kleinen Mahlzeit. 

Jonas hatte sich unterdessen erschöpft gegen die Wand gelehnt und die Augen geschlossen als ein älterer Herr die Gaststube betrat. In seiner Hand hielt er eine große Tasche und wandte sich an Frau Huber.

„Rosemarie! Du hast mich angerufen und gesagt hier sei jemand krank?“, erkundigte er sich und schüttelte der Wirtin der Hand.

„Ja, Johann, der arme Bub da drüben ist verletzt! Schau dir doch mal bitte seine Schulter an! Aber nicht hier sondern oben im Zimmer!“, sagte die Frau und Jonas sah Ingo fragend an.

„Das ist Johann Beyer! Er ist der Dorfarzt! Beim letzten Mal als du gegen den Franzl gekämpft hast hätten wir ihn ja schon gerufen aber da stand er mit dem Baseballschläger seines Enkels auf dem Rathausvorplatz!“, erklärte Ingo seinem Kollegen um wen es sich bei dem Mann handelte.

Müde stieg Jonas gemeinsam mit dem Arzt und den anderen die Stufen zu den Gästezimmern hinauf.

Frau Huber öffnete eine Tür und sagte lächelnd: „Hier kannst du mit deinem Bruder die nächste Zeit bleiben! Den Gerrit bringe ich gegenüber unter!“

Jonas und Lucas betraten gemeinsam mit dem Arzt das Zimmer und bald darauf betrachtete dieser besorgt Jonas Schulterletzung. 

„Das sieht nicht gut aus! Die Schnitte sind sehr tief und es hat sich entzündet! Ich verschreibe Ihnen ein Antibiotika und das muss genäht werden! Das kann ich machen!“

„Ja, bitte! Aber was ist mit dem Muttermal? Es ist zerschnitten, nicht wahr?“, erkundigte sich Jonas und der Arzt nickte. „Ja, das sieht schlimm aus! Aber dass jemand an einem Muttermal hängt...“

Nachdem er die Wunden betäubt und genäht hatte verband der Arzt diese und erkundigte sich nach Jonas letzter Tetanusimpfung.

„Die war erst vor zwei Monaten,“ antwortete dieser. Bereits sein Trainer Jörg hatte ihm bei seinem Schwertkampfhobby dazu geraten....

„Gut, schonen Sie Ihre Schulter eine Zeit lang! Und auch sonst sehen Sie nicht gut aus! Ruhen Sie sich aus! Aber ich glaube bei der Rosemarie Huber sind Sie in guten Händen!“, lächelte der Arzt ihn an und verließ den Raum.

An der Tür drehte er sich noch einmal um und lächelte verschwörerisch. „Danke übrigens wegen der Sache mit dem Franzl!“

Jonas wurde noch blasser. „Woher wissen Sie...?“

„Die Rosemarie meinte Sie wären was Besonderes und dann hab ich gesehen dass der Ingo ein Schwert mit hinauf nahm. Und Sie waren damals da! Ich habe eins und eins  zusammen gezählt und die Rosemarie meinte mal dass sie wüsste wer dem Franzl den Garaus gemacht hat! Aber keine Sorge, bei mir ist ihr Geheimnis sicher! Ärztliche Schweigepflicht!“, lachte der Dorfarzt und verließ nun endgültig den Raum.

„Du scheinst hier richtig beliebt zu sein,“ stellte Lucas fest und öffnete das Fenster. Eine wunderschönes verschneites Dorf bot sich im dar.

„Ich glaube hier gefällt es mir! Ich wünschte ich hätte mit meiner Mutter wenigstens einmal einen Urlaub in so einem Ort machen können!“, sagte er leise. „Jetzt ist sie tot! Und alles nur wegen meiner blöden Jacke!“

„Wie meinst du das?“, erkundigte sich Jonas vorsichtig. Irgendetwas bedrückte seinen jüngeren Bruder.

„Ich war mit ihr in der Stadt und habe im Geschäft eine teure Lederjacke gesehen. Die konnten wir uns natürlich nicht leisten aber sie gefiel mir und das habe ich meiner Mutter gesagt. Darauf hin hat sie bei einer Schülerin Geld gestohlen und mir die Jacke zu Weihnachten geschenkt. Aber der Direktor hat das heraus bekommen und dann.....du weißt ja was dann geschehen ist,“ erzählte Lucas seinem Bruder die traurige Geschichte.

„Aber wenn ich mir dieser Jacke nicht gewünscht hätte dann würde sie noch leben!“, fügte er hinzu und Jonas erhob sich.

Er ging zu seinem Bruder ans Fenster und legte einen Arm um ihn. „Du glaubst doch nicht wirklich dass du schuld bist das sie gestorben ist? Der Direktor ist schuld daran! Er hat seine Statuen auf sie gehetzt! Ein normaler Chef hätte sich mit einer Kündigung zufrieden gegeben oder sie vielleicht angezeigt! Aber Engelmann trägt die Schuld an ihrem Tod! Außerdem war es ihre Entscheidung das Geld zu stehlen! Du hast sie schließlich nicht darum gebeten!“

„Nein, aber ich habe mir die Jacke gewünscht! Ich weiß dass sie selbst das Geld genommen hat und dass Engelmann die Statuen geschickt hat. Aber trotzdem würde sie noch leben wenn ich nicht gesagt hätte dass mir das blöde Ding gefällt! Das ist nun einmal so!“, beharrte Lucas und Jonas bemerkte dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde seinem Bruder seine Schuldgefühle auszureden.

Gerrit saß erschöpft auf dem bequemen Bett und sah sich neugierig in dem bequemen Zimmer um. 

Noch niemals war er so luxuriös untergebracht worden und in einem solchen Bett hatte er noch nie geschlafen. 

Er hätte sich mit dem Stall oder einer einfachen Decke auf dem Boden begnügt jedoch Frau Huber hatte ihn empört angesehen als er es vorschlug.

Seit dem Gerrit ein wenig gegessen hatte fühlte er sich wohler und nicht mehr so schrecklich müde. Seine Magenschmerzen waren verschwunden.

Leider hatte das Hochsteigen der Treppen ihn einen Teil seiner Kräfte gekostet jedoch immerhin hatte Ingo ihn nicht mehr tragen müssen.

„Vielleicht kann ich irgendwann einmal hinaus gehen und mir das Dorf ansehen,“ dachte er hoffnungsvoll und lehnte sich zurück.

Draußen hatte es zu schneien begonnen jedoch in seinem Zimmer war es angenehm warm.

Ihm gefiel dieses neue Leben.  Wäre da nicht die unterschwellige Angst gewesen dass ihn der Richter und seine dämonischen Diener irgendwann wieder einfangen und zurück bringen würden hätte er glücklich sein können.

„Ich kann keinen von ihnen spüren! Nicht im entferntesten! Wir sind wohl wirklich weit genug weg von ihnen,“ dachte Gerrit und zog die warme Bettdecke über sich. 

„Ich gehe nie mehr zurück und werde noch einmal sein Gefangener,“ schwor er sich und schloss die Augen.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!