Kapitel 93

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Während Jonas ihm aufhalf hielt Gerrit sich seinen blutenden Oberarm und warf einen misstrauischen Blick auf Sebastian.

Hatte dieser tatsächlich versucht ihn zu töten? Um den Direktor zu besiegen? Er selbst hatte dasselbe versucht, sterben und den ehemaligen Richter mitnehmen....

Aber irgendwie war es trotzdem etwas anderes. Und nun waren die beiden Henker besiegt worden und Engelmann hockte jammernd auf dem Boden.

„Mein Bauch tut so weh,“ wimmerte er und richtete sich mühsam auf. Er warf einen hasserfüllten Blick auf Gerrit und Jonas. 

„Es ist nur die Schuld von euch beiden wenn ich jetzt sterbe und nicht mehr für Gerechtigkeit sorgen kann! Aber das wird euch noch leid tun. Ich werde....“

„Halt dein Maul,“ brüllte Sebastian den ehemaligen Richter an. „Von deiner Gerechtigkeit hat die Welt in den vergangenen Jahrhunderten wirklich mehr als genug gehabt. Sei froh dass du ein Mensch bist. Sonst würde ich dich nun eigenhändig erschießen!“

Sebastian hielt immer noch seine Pistole in der Hand und richtete sie jetzt auf Engelmann. Dieser zuckte zusammen. „Bitte nicht. Ich bin doch ein guter Mensch gewesen. Ich wollte immer nur das Beste.“

Er wandte sich an Jonas. „Bitte lass mir Gerrit. Ich gehe mit ihm auch fort. Ich sterbe wenn du es nicht machst....“

Gerrit wich einen Schritt zurück. Fürchtete er tatsächlich Jonas würde auf die Bitte des Richters eingehen? „Keine Sorge, wir gehen von hier fort. Weit fort von Engelmann....“

In diesem Augenblick fuhr ein Auto vor und Jonas spähte durch die Hecke. „Mist, die Polizei. Wahrscheinlich haben irgend welche Nachbarn den Schuss gehört und die gerufen. Wir verschwinden besser!“

Jonas griff Gerrit am Arm und zog ihn hinter sich her durch das hintere Gartentor. Nach kurzem Zögern und einem wütenden Blick auf Engelmann folgte Sebastian ihnen. 

Gerade als sich die Tür hinter ihnen schloss betraten zwei Polizeibeamte den Garten und sahen die zerstörten Statuen sowie den zusammen gekrümmt da liegenden ehemaligen Schuldirektor.

Sie eilten auf ihn zu. „Sind Sie verletzte? Wir wurden verständigt dass es hier wohl einen Streit gegeben habe. Und ein Schuss sei gehört worden....“

„Nein, kein Schuss!“, verneinte Friedrich Engelmann die Frage. Alles würde zu viele Fragen aufwerfen, und Fragen von der Polizei, zu seiner Person und seiner Herkunft wollte er nun wirklich nicht beantworteten.

„Bestimmt haben mich die Eltern dieser missratenen Kinder bei meiner letzten Arbeitsstelle auch schon wegen irgend einem Blödsinn angezeigt. Und wenn Jonas behauptet ich hätte ihn angegriffen....und wenn sie Gerrits blaue Flecken sehen dann bekomme ich Ärger! Ich, der ich immer nur für das Gute in der Welt gekämpft habe.“

Friedrich Engelmann krümmte sich zusammen. „Mein Bauch tut weh. Ich habe Magengeschwüre. Die machen mir zu schaffen!“

Mit einem Mal übergab er sich und sah zu seinem Entsetzten dass sich Blut in seinem Erbrochenen befand.

„Das sieht gar nicht gut aus. Wir rufen Ihnen jetzt erst einmal einen Krankenwagen. Und dann erzählen Sie uns was hier vorgefallen ist. Was ist mit diesen Steindingern?“, erkundigte sich einer der Polizeibeamten.

„Du meinst wohl Statuen, Wolf-Dieter!“, korrigierte der andere Polizist seinen Kollegen. „Ich rufe den Krankenwagen.

Aus der Ferne, von Jonas Wagen aus, beobachteten er, Gerrit und Sebastian wie man Friedrich Engelmann in den Krankenwagen schob und mit ihm davon fuhr.

„Hoffentlich wird er nicht wieder gesund,“ entfuhr es Gerrit und er krümmte sich zusammen. Seine Schmerzen am ganzen Körper waren mindestens so groß wie die von Engelmann. Sollte es nun wirklich ein Ende damit haben?

Er hoffte es.

„Dir geht es gar nicht gut. Ich glaube, jetzt, wo Polizei und _Krankenwagen weg sind, sollten wir von hier verschwinden. Und du auch, Sebastian. Geh uns lieber künftig aus dem Weg!“, sagte Jonas und öffnete für Gerrit die Beifahrertür. 

Dieser kroch auf den Sitz und suchte nach einer halbwegs bequemen Sitzposition.

Jonas stieg ebenfalls ein und startete den Motor. „Ich möchte trotzdem gerne wissen was aus Engelmann wird!“

„Sein Magen. Er hat dort immer Schmerzen,“ antwortete Gerrit leise. „Schon als er noch ein wirklicher Mensch war. Vor vierhundert Jahren.“

Jonas hielt kurz darauf auf dem Rastplatz auf dem er am Vortag seinen Wagen hatte stehen lassen und verband anschließend Gerrits Verletzung am Oberarm. 

„Sieht so aus als hätte die Kugel deinen Arm nur gestreift. Ich hoffe das verheilt. Wenigstens blutet es nicht mehr so sehr. Wenn es nicht besser ist bis wir in Köln sind müssen wir zum Arzt damit. Und uns eine Ausrede einfallen lassen!“

Während Jonas und Gerrit sich auf dem Weg nach Köln befanden brachte man Friedrich Engelmann in die Notaufnahme des Krankenhauses.

„Mein Bauch tut weh!“, jammerte er wieder und wieder und schlug einem Arzt, der ihn untersuchen wollte, auf die Finger.

„Haben Sie sich auch die Hände gewaschen?“, nuschelte er und der Arzt nickte. „Ja, das geht alles ganz sauber hier zu. Wir tragen außerdem Handschuhe!“

„Dann ist es ja gut! Sauberkeit ist genau so wichtig wie keine Verbrechen zu begehen! So wie Jonas und Gerrit. Nur seinetwegen bin ich so krank. Weil er geflohen ist....“, sagte Engelmann wütend.

„Ich glaube der Patient halluziniert. Was kann dieser Gerrit, wer immer das sein mag, denn für seine Magengeschwüre? Die sind doch ganz offensichtlich. Paul, drück du mal hier. So einen kranken Magen siehst du in keinem Lehrbuch!“, forderte der Arzt einen jungen Kollegen auf.

Ein junger Mann in einem weißen Kittel, handelte es sich etwa um einen Auszubildenden? drückte unsanft auf Friedrich Engelmanns Bauch.

„Aua, das tut doch weh! Verbrecherpack! Ich bin doch kein Versuchskaninchen,“ brüllte der ehemalige Richter laut.

„Der Bauch ist ja ganz hart. Der arme Mann. Muss er sterben?“, fragte der junge Mann erschrocken und Friedrich Engelmann wurde blass.

Der ältere Arzt sah ihn mahnend an. „So reden wir nicht vor Patienten!“

Dann drückte er noch einmal auf den Bauch und sah den ehemaligen Richter ernst an. „Das sieht sehr ernst aus. Das müssen wir genauer untersuchen!“

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