Kapitel 162

64 7 0

Am nächsten Tag beobachtete Stefan Lucas als er das Mehrfamilienhaus in dem er mit seinem Vater lebte verließ. Es war nicht allzu schwierig gewesen die Anschrift heraus zu finden, er hatte im Telefonbuch unter Schneider nachgesehen und dort einen Georg gefunden. 

Georg, den Vater von Jonas und Lucas. Er hatte ihn im Krankenhaus kennen gelernt und ihn genau so wenig gemocht wie seinen jüngsten Sohn. Dieses Gefühl hatte offenbar auf Gegenseitigkeit beruht denn Georg schien sich in seiner Gegenwart nicht wirklich wohl gefühlt zu haben. Doch dies war nun gleichgültig, er brauchte lediglich die Anschrift des Mannes.

Stefan hatte er bei der im Telefonbuch stehenden Nummer angerufen und sich als Arbeitskollege von Georg ausgegeben.

Eine empörte Frau hatte sich gemeldet. „Mein Mann lebt hier nicht mehr, er und Lucas sind ausgezogen und haben mich allein gelassen, aber das wird sich bald ändern. Dann erreichen sie Georg hier wieder!“

Bevor sie auflegen konnte hatte Stefan die Frau noch schnell um die neue Rufnummer und Anschrift von Georg gebeten und diese hatte sie ihm mitgeteilt.

„Das muss Jonas und Lucas Mutter gewesen sein, mit der haben sie es sicherlich nicht leicht. Kann ich schon verstehen dass ihr jüngerer Sohn und ihr Mann woanders hingezogen sind. Aber dort finde ich Lucas ganz bestimmt!“, dachte Stefan und sah Lucas nach als er in einen roten Twingo stieg. 

Eine Frau saß dort am Steuer und auf dem Beifahrersitz erkannte er auch jemanden. Vielleicht ein Freund von Lucas? Aber das war gleichgültig, sein Plan würde sowieso erst nach Einbruch der Dunkelheit Erfolg haben. 

Stefan hatte seine Statuen zu einem verlassenen ehemaligen Fabrikgebäude gebracht das außerhalb der Stadt lag. Ganz in der Nähe hatte er auch einen uralten Friedhof gefunden.....

„Der sieht aus als habe er mal zu einem Kloster oder dergleichen gehört. Aber mir kann das ja egal sein. Obwohl, erwähnte Jonas nicht mal was davon dass er sein Schwert auf einem Friedhof gefunden habe. Aber egal. Für mich spielt das keine Rolle,“ dachte Stefan und sah nun eine Frau in einem gelben Kleid auf das Haus zu gehen und klingeln. 

Er schenkte dem ganzen keine weitere Aufmerksamkeit, in dem Haus lebten mehrere Parteien, zu irgend wem wollte sie wohl....

Georg räumte gerade ein paar Tassen in die Spülmaschine als es an der Tür klingelte. „Ich komme schon,“ rief er und fragte sich wer dies sei. „Vielleicht die Post, ich habe mir doch diese neuen Badematten bestellt,“ dachte Georg und öffnete die Tür.

„Was, du....,“ stammelte er als er sich seiner Ehefrau Hedwig gegenüber sah.

Sie lächelte ihn fast schon schüchtern an. „Georg, darf ich rein kommen? Wir müssen reden. Es ist sehr wichtig!“

Georg zögerte einen Augenblick. Eigentlich hatte er keine sonderliche Lust mit seiner Noch-Ehefrau zu sprechen aber im Gegensatz zu früher machte sie keinerlei Anstalten sich in die Wohnung zu drängeln.

„Bitte, Georg. Es tut mir leid was passiert ist. Ich bin hier um mich zu entschuldigen. Es ist so vieles schief gelaufen....“, sagte Hedwig leise und schließlich bat Georg sie hinein und bot ihr einen Platz auf dem Wohnzimmersofa an.

„Kaffee biete ich dir wohl besser nicht an,“ stellte Georg mit einem bitteren Unterton in seiner Stimme fest und Hedwig senkte den Blick. 

„Ich weiß gar nicht wie ich es dir sagen soll. Aber es tut mir alles so leid. Ich habe lange und breit mit Renate gesprochen. Sie hat mir ein wenig die Augen geöffnet.“

„Dass deine Schwester das versucht hat glaube ich sogar. Aber ist es ihr auch wirklich gelungen? So ganz glaube ich das nicht,“ sagte Georg und Hedwig nickte. 

„Du hast auch allen Grund schlecht von mir zu denken. Ich habe damals schon falsch reagiert als du diese Affäre mit Anita hattest. Hätte ich mich mehr um dich gekümmert und wäre ich mehr auf dich und Jonas eingegangen dann wäre es wahrscheinlich gar nicht so weit gekommen. Irgendwie war mir das auch immer klar aber ich wollte es nie wahrhaben und daher habe ich versucht dich von deinem Sohn fern zu halten. Das war falsch, er konnte doch am allerwenigsten dafür!“

„Da sagst du mal was Wahres, Hedwig. Ich hätte mich aber auch nicht fern halten lassen dürfen. Mir war unsere Ehe auch wichtig und auch jetzt ist es mir nicht egal was aus dir wird. Wir sollten uns friedlich trennen und alles in Ruhe regeln. Irgendwann, vielleicht  bei Jonas Hochzeit oder wenn wir Enkelkinder bekommen können wir dann vielleicht sogar wieder friedlich an einem Tisch sitzen,“,sagte Georg ernst und Hedwig nickte unglücklich.

„Ich weiß. Wir sollten wirklich alles in Ruhe regeln. Allein schon wegen Jonas und auch Lucas sollte ein wenig zur Ruhe kommen können nach allem was er so mitgemacht hat. Ich habe mich ihm gegenüber falsch verhalten und das werde ich ihm auch noch einmal sagen,“ antwortete Hedwig und sah ihrem Mann in die Augen. 

Sah er dort tatsächlich Tränen? Zum ersten Mal seit ihrem Besuch fiel es Georg auf dass seine Frau eine neue Frisur trug. 

Sie war fünfzig Jahre alt, wirkte aber nun höchstens wie Anfang vierzig. Auch das Kleid  das sie trug, es handelte sich um ein luftiges gelbes Sommerkleid, stand ihr sehr gut und ihre Haut war leicht gebräunt. 

Er erinnerte sich daran dass seine Schwägerin Renate ein Haus mit Garten besaß und dort gerne im Liegestuhl in der Sonne lag. Offenbar hatte Hedwig ihr dort Gesellschaft geleistet.

„Gibt es denn gar keine Hoffnung mehr für uns?  Ich würde es auch akzeptieren dass Lucas wieder bei uns lebt. Ich würde mir Mühe geben mich mit ihm zu verstehen und auch bei Jonas muss ich mich noch entschuldigen. Ihm habe ich es auch nicht leicht gemacht. Auch bei deiner Mutter muss ich mich entschuldigen.....“, sagte Hedwig fast schon flehentlich.

„Hedwig, es ist wirklich vorbei mit uns. Lass uns einfach friedlich auseinander gehen und alles so regeln dass jeder von uns einigermaßen gut davon kommt. Mir fällt das alles auch nicht leicht. Außerdem hatten wir nicht einfach nur Streit. Ich mache mir Sorgen um dich und deine......geistige Gesundheit. Immerhin hast du versucht mich zu vergiften. Und Jonas auch,“ lehnte Georg die Bitte seiner Noch-Ehefrau ab.

„Georg, ich werde wenn du es willst mit einem Therapeuten oder Psychologen darüber sprechen. Vielleicht brauche ich wirklich Hilfe um mit manchen Dingen besser umzugehen. Aber gib uns doch bitte noch eine Chance und wirf all die Jahre nicht einfach so weg. Bitte!“, bat Hedwig eindringlich aber Georg schüttelte den Kopf. 

„Nein, Hedwig. Es ist vorbei. Lucas und ich bauen uns hier gerade ein neues Leben auf und auch mit Jonas verstehe ich mich viel besser.....“

Hedwig erhob sich und sah zu Boden. Dann verließ sie die Wohnung und irgendwie bekam Georg nun doch Mitleid mit ihr. 

„Zum größten Teil ist es meine Schuld. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen dass alles so gekommen ist wie es gekommen ist....“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!