Kapitel 161

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Stefan saß in seinem gemieteten Kleintransporter und machte sich seine Gedanken. Es war ein heißer Tag Anfang August, das schöne Wetter hielt immer noch an. Hinten im Wagen hatte er vier ungefähr 2,20 Meter große Holzstatuen gestapelt. Diese bestanden aus schwarzem Holz und sie stellten mittelalterliche Soldaten die Spieße in der Hand hielten dar. Stefan hatte sie von einem Ladenbesitzer der Holzschnitzereien verkaufte erhalten.

„Hat sich doch gelohnt dass ich dem vor ein paar Jahren mal einen lächerlichen Dämon der in seinem neuen Laden umging vom Hals geschafft habe. Da hat er mir die Dinger umsonst überlassen, ich musste ihn nicht einmal groß bitten. Damals habe ich noch umsonst gearbeitet und er schien es ganz selbstverständlich zu finden dass ich irgendwann mal etwas fordern würde.....“, dachte Stefan.

Bei diesem Ladenbesitzer hatte es sich um den letzten Menschen gehandelt dem er ohne Gegenleistung geholfen hatte. Kurz danach war er nach Österreich gefahren und sein Leben hatte sich für immer verändert.

„Ich habe lange genug gewartet. Ich hoffe Jonas und sein Bruder wiegen sich jetzt in Sicherheit, aber so naiv wie sie sind rechnen sie wahrscheinlich gar nicht damit dass ich die Sache mit dem Dämon in der Kirche nicht einfach so auf sich beruhen lassen werde. Ich werde den beiden nicht wirklich etwas tun. Aber ich werde ihnen eine Lektion erteilen die ihnen klar macht dass sie mir besser nicht noch einmal in die Quere kommen! Ich gehe sowieso davon aus dass die Idee von Lucas stammte. Sicherlich hat er seinem Bruder den Floh ins Ohr gesetzt mir ein Geschäft zu vermasseln! Aber das treibe ich ihm und vor allem Jonas schon aus.....man sollte niemals ins Revier eines anderen wildern, das müssen die beiden lernen!“

Stefan lächelte beim Gedanken an seinen Plan. „Ich werde es ihnen heimzahlen, hauptsächlich wird es Lucas treffen aber Jonas hängt an seinem Bruder. Somit treffe ich ihn auch, wenn auch nicht so sehr.....“

Zur Durchführung seines Plans würde Stefan allerdings noch eine Übung durchführen müssen, schließlich sollte nicht im entscheidenden Augenblick etwas schief gehen....

Georg sah seinem Sohn dabei zu wie dieser ein Handtuch in eine Tasche packte und sich anschließend im Wohnzimmer nach seinen Schuhen umsah.

„Deine Sommerferien sind ja bald vorbei, was Lucas?“, erkundigte sich Georg bei seinem Sohn und dieser nickte schlecht gelaunt. „Leider ja. Ich habe keine Lust auf die Schule!“

„Nun ja, du hattest auch lange genug Zeit frei. Sechs ganze Wochen, davon träumt man wenn man erst mal mit der Schule fertig ist. Aber noch ein Jahr, dann hast du ja deinen Realschulabschluss in der Tasche. Darüber wollte ich sowieso schon mit dir sprechen. Willst du danach weiter zur Schule gehen? Deine Noten sind, bis auf Mathe, gut genug fürs Gymnasium! Bald musst du dir da Gedanken machen. Oder dich bewerben,“ stellte Georg fest während Lucas seine Schuhe unter dem Wohnzimmertisch fand.

„Ich weiß es selbst noch nicht so genau. Auf der einen Seite würde ich gerne ein wenig Geld verdienen. Und würde ich noch bei Mama leben hätte ich wahrscheinlich schon jetzt versucht eine Stelle zu finden, wir hatten ja nie allzu viel. Ich weiß auch gar nicht ob das Amt das nicht sogar noch angerechnet und ihr dann weniger gezahlt hätte. Aber jetzt...“, sagte Lucas und brach ab wie immer wenn die Sprache auf seine Mutter kam. Noch immer fiel es ihm schwer über sie zu sprechen.

Auch Georg schwieg. „Ich muss irgendwann mit ihm darüber sprechen. Ich hätte sie mehr unterstützen sollen. Wäre Anita nicht gestorben hätte ich Lucas wahrscheinlich bis heute nicht kennen gelernt.....“, dachte er bedrückt und erinnerte sich wieder daran dass er sich in der Beziehung zu seinem jüngsten Sohn noch weniger mit Ruhm bedeckt hatte als in der zu Jonas.

„Ich möchte nachher noch ins Schwimmbad fahren,“ sagte Lucas zu seinem Vater der geistesabwesend nickte. „Ja, mach das. Gehst du mit Andy?“

Lucas nickte. „Ja, mit Andy. Er hat übrigens auch keine Lust auf die Schule nächste Woche!“

„Ich habe auch nicht immer Lust zur Arbeit zu gehen. Aber was sein muss das muss eben sein,“ seufzte Georg und fragte sich im Stillen etwas anderes. „Jonas will auch nicht gegen Dämonen kämpfen, oder? Aber er macht es....“

Georg wandte sich an seinen jüngsten Sohn und sah ihn sehr ernst an. „Sag einmal, als ihr zusammen weg gefahren seid, vor ein paar Wochen.....habt ihr es da mit...du weißt schon...“

Er wunderte sich selbst wie schwer es ihm fiel das Wort „Dämonen“ auszusprechen. Aber noch immer konnte er sich nicht mit diesem Umstand dass es solche Geschöpfe gab oder geben sollte abfinden. Es schien alles so unwirklich......

Lucas schien zu ahnen was in seinem Vater vorging und er beschloss ehrlich zu sein. „Ja, wir hatten es da mit Dämonen zu tun!“

Als sein Vater zusammen zuckte fügte er eilig hinzu: „Aber nur mit einem einzigen, wirklich. Und Jonas ist gut mit ihm fertig geworden. Keinem ist was passiert und der bringt nun niemanden mehr um, das hat er vorher über tausend Jahre lang gemacht!“

„Bringt keinen mehr um? Mein Gott....womit habt ihr beiden es da nur zu tun?“, murmelte Georg und wurde blass. 

Er setzte sich aufs Sofa und sein Sohn setzte sich neben ihm. „Du bist so blass. Soll ich dir ein Glas Wasser holen?“

Georg schüttelte den Kopf. „Nein, es geht schon wieder. Aber ich fürchte ich werde mich noch an einiges gewöhnen müssen. Ich kann es immer noch kaum glauben, das werde ich wohl erst dann wenn ich eine Dämonenstatue sehe. Ich wünsche es mir aber weiß Gott nicht und ich will auch nicht dass ihr mit so etwas zu tun habt.“

„Wir wollen doch eigentlich auch nicht wirklich was damit zu tun haben. Aber Stefan sagte mal dass man es immer wieder mit ihnen zu tun bekommt wenn man einmal auf eine getroffen ist.“

„Stefan? Dieser schreckliche Kerl aus dem Krankenhaus?“, erkundigte sich Georg ehe er sich fragte: „Hat er auch etwas mit Dämonen zu tun?“

Lucas nickte. „Ja, hat er. Er ist ein Dämonenjäger, aber ganz bestimmt kein guter Freund von uns. Er verdient ganz gutes Geld damit indem er Leuten hilft die Probleme mit Dämonen haben. Zumindestens wenn sie es sich leisten können.“

„So was macht Jonas aber nicht, oder? Ich weiß auf der anderen Seite nicht ob es wirklich so verwerflich ist Geld dafür zu nehmen dass man gegen....du weißt schon kämpft. Immerhin ist es sehr gefährlich....“, wandte Georg nachdenklich ein.

Lucas schüttelte den Kopf. „Was mich daran stört ist dass er nur hilft wenn jemand bezahlt. Sonst lässt er die Statue Statue sein und die Leute können sehen wie sie damit zurecht kommen. Das finde ich nicht in Ordnung.“

„Ich weiß immer noch nicht was ich von all dem halten soll,“ sagte Georg leise ehe er zur Uhr sah. „Du wolltest dich doch noch mit Andy im Schwimmbad treffen, oder? Dann solltest du lieber keine Zeit mehr vergeuden!“

Stefan sah zufrieden auf die Holzstatue die vor ihm stand und deren Augen rot zu leuchten begannen. 

„Ich habe es geschafft, ich habe einen Dämon geschaffen. Ich kann es also wirklich.....“

Die Statue sah ihn wütend an und stürzte sich mit seinem Spieß auf ihn. „Nur mit dem gehorchen klappt es leider so ganz und gar nicht, aber das macht nichts, für meinen Plan reicht eine solcher Dämon voll und ganz aus!“, dachte er und wich dem Angreifer mühelos aus.

„Ich kriege dich,“ sagte der Dämon und Stefan lachte. „Das sagt ihr immer alle! Aber ich habe keine Zeit und keine Lust mich mit dir zu unterhalten!“

Bevor der Dämon verstand was vor sich ging hatte Stefan ihn auch schon enthauptet und er zerbrach in  mehrere Holzstücke. „Schade dass die Dinger einfach nicht auf mich hören wollen. Manche bekommen das hin, ich leider nicht. Aber so wird es auch gehen...“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!