Kapitel 166

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Jonas riss die bereits einen Spalt offen stehende Tür auf und stürmte in die Wohnung. Aus dem Wohnzimmer erklang ein Stöhnen und Jonas sah dass ein Stuhl umgestürzt auf der Erde lag und eine Vase zu Bruch gegangen war.

Außerdem sah Jonas seinen Vater Georg der gerade mühsam auf sein Sofa kroch und sich eine Hand vor sein Gesicht hielt. Schnell war Jonas an seiner Seite und zog vorsichtig die Hand weg.

Ein dicker Bluterguss bildete sich bereits auf Georgs Wange und er sah seinen Sohn benommen an. 
Herr Velten, der Jonas gemeinsam mit seiner Frau in die Wohnung der Nachbarn gefolgt war, griff nach dem Telefon. „Soll ich einen Krankenwagen rufen? Oder die Polizei?“

Georg schüttelte den Kopf. „Nein....es geht schon wieder. Er hat die Tür aufgetreten und mir einfach ins Gesicht geschlagen....dieser Verrückte....er meinte ich solle mich bei dir und Lucas dafür bedanken.“

„Stefan war hier, nicht wahr?“, fragte Jonas wütend und sah sich nach seinem Bruder um. „Wo ist Lucas?“
Georg richtete sich auf und sah seinen ältesten Sohn verunsichert an. „Ich weiß nicht... er war hier als dieser Kerl in die Wohnung stürmte. Dann bin ich wohl weg getreten nachdem er mich geschlagen hat.“

Jonas sah in den anderen Räumen nach während Frau Velten weiterhin auf Georg einredete und ihm erneut riet einen Krankenwagen und die Polizei anzurufen. Doch Georg achtete nicht auf seine Nachbarn sondern erhob sich als sein Sohn ins Wohnzimmer zurück kehrte. 

„Wo ist Lucas?“, fragte er mit wachsender Unruhe. „Hat dieser Kerl ihm etwas getan?“

„Hier ist Lucas nicht. Stefan....er wird ihn mitgenommen haben. Wir müssen ihn suchen!“, antwortete Jonas und er war sich sicher dass er Stefan, sollte der ihm in die Hände fallen, windelweich prügeln würde.

Herr und Frau Velten sahen sich unterdessen ratlos an und es war ganz offensichtlich dass sie die Welt nicht mehr verstanden.
Georg versuchte unterdessen Ruhe zu bewahren. „Wohin könnte Stefan verschwunden sein? Und warum hat er Lucas mitgenommen? Was will er von ihm? Hat es ihm nicht gereicht in unsere Wohnung zu stürmen und uns niederzuschlagen? Was geht in diesem Menschen vor? Ist er krank im Kopf?“

„Nicht krank, nur ein Dämon,“ dachte Jonas und wurde sich mit einem Mal bewusst dass auch er keinerlei Ahnung hatte wohin Stefan gehen würde. 
Würde er seinen Bruder in seine Wohnung nach Stuttgart schaffen? Das glaubte er kaum. Der Weg dorthin war weit und sicherlich würde Lucas ihm einige Schwierigkeiten bereiten. 

„Aber gegen Stefan hat er nicht wirklich eine Chance,“ fluchte Jonas leise und dachte kurz daran tatsächlich die Polizei anzurufen. Immerhin war Stefan in die Wohnung seines Vaters eingedrungen und hatte diesen verletzt. Allerdings würde diese Angelegenheit so viele Fragen nach sich ziehen....

„Na und, dann soll Stefan die Fragen halt beantworten und sich ein paar gute Ausreden einfallen lassen,“ dachte Jonas und mit einem Mal wusste er wer ihm vielleicht weiter helfen konnte. 
„Ich gehe noch einmal zu meiner....Mutter. Vielleicht weiß sie was Stefan genau vorhat. Ich glaube nicht dass die beiden nur zusammen gesessen und Kaffee getrunken haben,“ sagte er wütend zu seinem Vater der sich immer noch den Kopf hielt und ihm dann kurz entschlossen folgte. 
„Ich komme mit! Und versuch gar nicht erst mir das auszureden. Und ich nehme mein Handy mit. Wenn es nötig wird rufe ich die Polizei an. Dämonen hin oder her.....“

„Dämonen?“, fragte Frau Velten verwundert und drehte sich zu ihrem ebenso verunsicherten Ehemann um. „Ich glaube der arme Herr Schneider hat eine ernsthafte Kopfverletzung. Hoffentlich gibt sich das wieder.....“


Benommen richtete Lucas sich auf oder vielmehr versuchte er es denn er musste feststellen dass seine Hände hinter seinem Rücken gefesselt worden waren, auch seine Beine waren fest verschnürt.

Sein Kopf tat weh und er erinnerte sich daran dass Stefan Georgs Wohnungstür eingetreten und zuerst seinen Vater nieder geschlagen hatte ehe er sich auf ihn stürzte. Noch ehe Lucas auch nur einen Schritt zurück weichen oder etwas anderes tun konnte schien sein Kopf zu explodieren und er wusste bis zum Augenblick seines Erwachens nichts mehr.

„Wo bin ich nur?“, dachte er und blinzelte als er einen nassen Lappen auf seinem Gesicht spürte und Stefan erkannte der sich über ihn beugte.
„Endlich wachst du wieder auf. Ich dachte schon ich hätte zu fest zugeschlagen. Ich hätte halt doch Chloroform nehmen oder dich so nach hier schleifen sollen. Aber da hättest du zu viel Theater gemacht und wir waren noch nicht ganz aus dem Treppenhaus raus als schon eine Nachbarin am kreischen war und wohl am liebsten die Polizei, die Feuerwehr und die GSG 9 in einem gerufen hätte.“

Lucas stieß, obwohl er es nicht wollte, ein leises Jammern aus als Stefan mit seinem Lappen die Stelle an seinem Kopf berührte an der er offensichtlich zugeschlagen hatte.

Für einen Augenblick nahm das Gesicht des Dämonenjägers fast besorgte Züge an. „Geht es?“, fragte Stefan und erhob sich. 
„Warum frage ich dich das überhaupt? Dir geht es nicht gut und ich habe dich genau da wo ich dich haben will. Noch schöner wäre es natürlich wenn dein Bruder neben dir läge aber man kann halt nicht alles haben.“

Lucas antwortete nicht sondern schloss statt dessen seine Augen was Stefan nicht entging. Leicht rüttelte er ihn an der Schulter. „Wach auf! Ich weiß dass du mich hören kannst. Und du solltest dir darüber klar sein dass du es dir selbst zu zuschreiben hast was mit dir geschehen wird. Warum mussten dein Bruder und du auch in meinem Revier wildern? So etwas macht man einfach nicht. Ich habe viel Geld durch euch beide verloren....wach auf!“

Doch Lucas hielt seine Augen weiterhin geschlossen und rührte sich nicht. „Sein Mitgefühl das er vorhin kurz hatte kann er sich sonst wo hin stecken. Aber wenn er denkt dass ich mich doch schlimmer verletzt habe als er es beabsichtigt hat lässt er mich vielleicht in Ruhe. Warum hat er mich überhaupt hier her gebracht? Und wo bin ich hier?“, dachte Lucas während Stefan ihm eine leichte Ohrfeige gab was zu einer weiteren Verschlimmerung seiner Kopfschmerzen führte. 



In der Zwischenzeit waren Jonas und Georg an ihrem ehemaligen Heim angekommen und Georg öffnete mit dem Hausschlüssel den er immer noch besaß die Tür.

„Hedwig?“, rief er aber es kam keine Antwort.

Jonas lief die Treppe hinauf in die Obergeschosse aber auch dort hielt sich seine Mutter nicht auf. „Ich schaue in der Garage nach, ob ihr Wagen noch da steht,“ sagte er als er zu seinem Vater zurück kehrte.
Dieser nickte und folgte seinem Sohn. Tatsächlich fanden sie kurz darauf die Garage leer vor. „Sie ist weg gefahren, um diese Uhrzeit. Es ist schon dunkel draußen,“ stellte Georg fest. „Wo kann sie nur hin sein? Zu Stefan und Lucas?“

Jonas nickte stumm. „Und wir haben auch keinerlei Ahnung wo Stefan steckt! Wir sollten vielleicht doch die Polizei rufen und denen sagen dass Stefan in deine Wohnung eingedrungen ist und dich angegriffen hat. Aber die wissen doch auch nicht wo sie nach ihm oder Lucas suchen sollen....“



Hedwig näherte sich vorsichtig, nachdem sie ihren Wagen geparkt hatte, dem alten Fabrikgebäude außerhalb der Stadt. Dunkel und unheimlich ragten die alten Mauern in den Himmel empor.

In ihrer Hand hielt sie ein scharfes Messer mit langer Klinge dass sie aus dem Messerblock ihrer Küche genommen hatte. 
„Nur für den Fall des Falles dass dieser Stefan oder einer seiner Freunde mir gefährlich wird,“ dachte sie. Sie hatte es einfach nicht mehr ausgehalten zu Hause zu sitzen und abzuwarten was mit ihrem geliebten Ehemann und ihrem verhassten Stiefsohn geschehen würde.

„Ich muss wissen was genau Stefan vor hat. Ich kann nicht erst Morgen früh nach hier fahren,“ dachte Hedwig als sie auf einmal ein Knacken hörte.

Sie fuhr herum doch glücklicherweise handelte es sich nur um zwei Hasen die schnell in ein Gebüsch huschten. „Es ist so unheimlich hier! Zum Glück brennt in der Fabrik Licht. Es flackert so, ob Stefan dort Kerzen aufgestellt hat? Oder ob er mit einer Taschenlampe herum leuchtet? Ich frage mich nur was genau er vor hat.....“

Hedwig schlich weiter an das alte halb verfallene Gebäude heran aber als sie erneut ein Knacken hörte blieb sie stocksteif stehen. „Vielleicht sollte ich lieber zum Auto zurück kehren,“ dachte sie erschrocken und unterdrückte ein Zittern.

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