Kapitel 172

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Georg saß seiner Frau Hedwig gegenüber und sie sah ihn traurig an. „So weit ist es also schon mit uns gekommen. Ich bin in der Psychiatrie und du musst mich  hier besuchen!“

Georg nickte. Er hatte lange mit sich gerungen ob er seine Frau besuchen sollte oder nicht. Aber nach über zwanzig Jahren Ehen war er der Ansicht dass er es ihr irgendwie schuldig war, trotz allem was geschehen war. 

Seinem Sohn Lucas hatte er nichts davon erzählt sondern ihn statt dessen bei seinem Freund Andy abgesetzt mit der Bitte nicht das Haus zu verlassen.

Noch immer ließ Georg seinen jüngsten Sohn nicht gerne allein und er hatte sich aus diesem Grunde zwei Wochen Urlaub genommen. Ihm hatte er etwas von einem Banktermin erzählt. 

Georg war sich sicher dass Lucas sich hintergangen fühlen würde sollte er erfahren dass sein Vater Hedwig besuchte. 

„Was willst du hier, Georg?“, erkundigte sich Hedwig mit müder Stimme. „Willst du dich über mich lustig machen? Über die verrückte Hedwig die auf arme Kinder mit Messern los geht?“

Georg schüttelte den Kopf. „Ich will mich ganz sicherlich nicht über die lustig machen. Aber....“

„Ach, ich bin dir nicht gleichgültig? Davon habe ich aber nichts bemerkt als man mich hier her geschafft hat! Du hättest mal die Gesichter der Nachbarn sehen sollen. Die standen da und wussten nicht was eigentlich los war. Zum Glück nicht, sie dachten ich müsste einfach nur ins Krankenhaus! Frau Kunze kam sogar kurz zu mir und fragte ob sie die Blumen im Vorgarten gießen soll!“, sagte Hedwig und lachte spöttisch. „Wenn die gewusst hätten dass ich in die Klapsmühle komme würden sie sich jetzt noch mehr das Maul zerreißen!“

„Hedwig, ich hätte dich genauso gut bei der Polizei anzeigen können. Wegen der Sache mit den Schlaftabletten und vor allem wegen Lucas. Du hast ihn ziemlich schlimm verletzt. Er musste deswegen und wegen der Sache die dieser andere Kerl mit ihm angestellt hat sogar ins Krankenhaus,“ wandte Georg ein. Seine Stimme klang fast so müde wie die seiner Frau, auch an ihm waren die Ereignisse der letzten Wochen nicht spurlos vorbei gegangen.

„Ich bin auch im Krankenhaus wie du vielleicht sehen kannst! Warum soll es ihm da besser gehen als mir? Und dass er ein wenig Schmerzen hatte.....da wird im Leben noch viel mehr auf ihn zukommen. Zum Beispiel wenn er feststellt dass jemand dem er vertraut ihn hintergeht. Ihn betrügt und dann einfach sitzen lässt! So wie du es mit mir gemacht hast. Damit hast du mir fast das Herz aus dem Leib gerissen und solche Schmerzen wünsche ich niemanden. Was ist ein wenig Blut dagegen? Aber das zählt für dich ja alles nichts,“ antwortete Hedwig und sie erhob sich.

„Ich möchte dich nicht mehr sehen, Georg. Du hast mein Leben zerstört. Du bist derjenige der damals fremd gegangen ist. Wäre das nicht passiert dann hätte man unsere Ehe vielleicht noch retten können und ich hätte viele Fehler nicht begangen. Aber das war der Ausgangspunkt, das meint der Therapeut hier auch und er will mich lange stationär hier behalten und behandeln. Er sagt dein Betrug hat mich traumatisiert. Da ist irgend etwas bei mir kaputt gegangen!“

Die Tür wurde geöffnet und eine junge Pflegerin die ein weißes T-Shirt und eine weiße Hose trug lächelte Hedwig freundlich an. 

„Frau Schneider, möchten Sie gerne wieder in ihr Zimmer gehen? Und sich ein wenig ausruhen? Sie müssen auch bald Ihre Tabletten nehmen!“

Hedwig lächelte das Mädchen freundlich an. „Vielen Dank, Schwester Emma. Sie sind ein gutes Kind. Erzählen Sie mir doch gleich noch ein wenig von Ihrer Mutter und davon wo Sie demnächst Ihren Urlaub mit ihr verbringen werden! Mein Sohn würde niemals mit mir in den Urlaub fahren. Ihre Mutter kann sich glücklich schätzen!“

„Wahrscheinlich hat Schwester Emmas Mutter auch noch nie versucht ihren Ehemann und ihre Tochter umzubringen. Und vielleicht hat sie ihr Kind auch nicht schon bei der Geburt abgelehnt....“, dachte Georg und nickte der jungen Frau kurz zu.

Noch einmal wandte sich Hedwig an Georg. „Und du solltest jetzt zu deinen beiden Söhnen gehen und hoffen dass Jonas oder Lucas dir nicht eines Tages so in den Rücken fällt wie du mir! Das wünsche ich wirklich niemandem!“

Traurig sah Georg Hedwig nach. „Immerhin war sie ein wenig ruhiger als sonst. Ich sollte sie aber wirklich in der nächsten Zeit nicht mehr besuchen...

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