Kapitel 182

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Ein schöner Sommertag Anfang September ging zu Ende. Gerrit hatte die Tische im Garten des Gasthofes abgeräumt und freute sich darauf, sich im Anschluss mit Lisa zu treffen.

„Gerrit!“, ertönte auch schon die Stimme seiner Freundin und sie winkte ihm von der Gartentür zu.

Gerrit stellte ein Tablett mit Gläsern ab und ging zu Lisa, um sie zu begrüßen, als eine alte Frau aufgeregt an ihnen vorbei ging.

„Das ist doch die Frau Mauser,“ sagte Lisa. „Du weißt schon, der gehört das Haus neben der Post. Was hat sie denn?“

„Keine Ahnung,“ sagte Gerrit und deutete auf das Tablett mit den Gläsern. „Ich bring die noch rein, dann können wir los!“

Lisa nickte und folgte Gerrit samt seinem Tablett ins Haus. Dort hörten sie jemanden aufgeregt in der Gaststube auf und ab gehen.

„Wenn ich es dir doch sage, es ist wieder so weit! Du glaubst es vielleicht nicht, du warst damals noch zu klein. Aber ich weiß es noch ganz genau! Vor dem alten Kirchturm im Wald hab ich es genau gesehen! Es war nur ein Tier. Aber so fing es damals auch an. Erst Tiere und dann....“, sagte eine Frauenstimme und gleich darauf hörten sie die beruhigenden Worte von Frau Huber.

„Jetzt beruhige dich schon, Alma! Vielleicht irrst du dich ja auch. Jetzt ist so viele Jahre gar nichts passiert. Sechzig Jahre ist das her. Damals waren die Amerikaner noch hier, kurz nach dem Krieg lief einer von denen ängstlich durch das Dorf. Meine Großmutter hat damals noch gelacht und gemeint, wenn er Geister sehen will, dann soll er sich Nachts mal den Franzl ansehen! Und mehrere davon hier in der Gegend? Auf der anderen Seite, man sollte es auch nicht außer Acht lassen. Aber vielleicht ist das Tier ja auch an einer Krankheit gestorben....“

„Das glaube ich nicht. Ich war damals zwölf Jahre alt, damals, im Jahr 1945. Und ich habe das nie vergessen können. Das war einfach zu schlimm. Ich hab damals den toten Förster gesehen und diesen toten amerikanischen Soldaten. Und dann waren diese Statuen weg, verschwunden. Wir dachten sie wären für immer fort. Aber sie stehen wieder da! Ich hab es genau gesehen, und davor lag das Reh!“, stellte Alma ängstlich fest und fügte noch ängstlicher hinzu: „Hoffentlich bin ich nicht die Nächste!“

Gerrit und Lisa betraten die Gaststube. „Was sagt sie da? Eine Statue?“

Frau Huber hob beruhigend eine Hand. „Regt euch nicht auf! Es stimmt wirklich, es gibt eine alte, verfallene Kirche, etwa fünf Kilometer von hier entfernt. Die steht auf einer Lichtung im Wald. Du hast sie vielleicht sogar schon gesehen, Gerrit!“

Gerrit nickte. „Ja, da war ich schon ein paarmal mit Lisa. Aber da war keine Statue. Und eine ungewöhnliche schon gar nicht. Das hätte ich auch bemerkt!“

Frau Huber nickte. „Genau! Da ist keine Statue! Da waren mal vier, ich erinnere mich nicht mehr wirklich daran, das war irgendwann, kurz nach dem Krieg, 1945. Da war die Kirche schon lange verfallen. Früher gab es da mal ein Dorf. Aber das wurde schon im dreißigjährigen Krieg zerstört. Und es gab wirklich vier Statuen, direkt an der Kirchenwand. Ich hab in irgend einem älteren Buch noch eine Abbildung davon, aber da waren es nur drei. Und vor den Statuen hat man tote Tiere gefunden und dann zwei Leute aus dem Dorf. Außerdem fand man da einen amerikanischen Soldaten. Die haben die Sache damals genau untersucht und sind zum Schluss gekommen dass er, auch wenn er noch jung war, an einem Herzleiden gestorben war. Und dann waren die Statuen von einem Tag auf den anderen weg, nicht zerstört, wie der Franzl oder die Dinger die Jonas....aber egal.“

Mit einem besorgten Blick auf Alma brach Frau Huber mit ihrer Erzählung ab. Fast hätte sie Jonas verraten.

Aber die Frau winkte ab. „Das mit dem Jonas ist doch ein offenes Geheimnis! Hier weiß doch mittlerweile jeder, das er das mit dem Franzl war! Grüß ihn mal nett, wenn du noch mal was von ihm hörst!“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!