Kapitel 173

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Julia und Jonas betraten am nächsten Abend das Kino und stellten sich, nachdem sie sich die Karten besorgt hatten, an einer langen Schlange an.

„Warum müssen die alle da stehen? Können die nicht vorher was trinken? Und warum müssen die alle jetzt ein Eis haben?“, erkundige sich Julia spöttisch und Jonas grinste.

„Keine Ahnung. Es gibt schon komische Menschen! So was würden wir ja nie machen!“

„Nein, nie!“, bestätigte Julia und lachte.

Schließlich kam die Reihe an sie und Jonas reichte Julia einen Becher mit Cola während er selbst sich mit einem Wasser begnügte. 

„Das süße Zeug mochte ich noch nie sonderlich. Da bekommt man nur noch mehr Durst nach,“ sagte er und Julia erinnerte sich daran dass dies früher schon so gewesen war. Selbst bei seiner Getränkeauswahl hatte Jonas im Abseits stehen müssen. 

„Eigentlich Schwachsinn dass wir uns über so einen Mist lustig gemacht haben,“ dachte sie bedauernd. 

Aber zur damaligen Zeit hätte man sich über alles was Jonas tat oder nicht tat lustig gemacht und sie wunderte sich warum er überhaupt noch mit ihr raus ging und etwas unternahm was nichts mit Dämonen zu tun hatte.

„Hallo, Julia,“ erklang auf einmal eine Stimme hinter ihr und sie drehte sich um. Diana Gärtner, die sie das letzte Mal beim Klassentreffen im letzten Dezember gesehen hatte, stand mit Petra Junge, einer anderen ehemaligen Schulkameradin, hinter ihnen.

„Du bist auch hier?“, stellte Petra mit einem fassungslosen Geschichtsausdruck fest und warf einen Blick auf Jonas. „Mit....Jonas?“

„Ja, mit Jonas!“, stellte Julia fest und verdrehte die Augen.

Petra hatte immer zur großen Gruppe der beliebteren Mädchen gehört und auch wenn sie selbst sich niemals Gemeinheiten gegen Jonas ausgedacht hatte, so hatte sie doch stets fröhlich mit gelacht wenn dieser wieder einmal stolperte oder seine Hefte und Hausaufgaben mit Wasserfarben beschmiert waren.

„Na ja, Sachen gibt es,“ murmelte Diana eher gleichgültig während Petra wirklich fassungslos über das was sie sah zu sein schien.

Demonstrativ, auch um Petra zu ärgern, griff Julia nach Jonas Hand und dieser legte einen Arm um sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Nun weiteten sich Petras Augen vor Entsetzen während Diana sie hinter sich her zog. „Unser Film fängt an, bis denn!“

„Wir schicken euch eine Karte wenn wir heiraten!“, rief Jonas den beiden hinterher und sie sahen dass für Petra nun endgültig eine Welt zusammenbrach.

Jonas löste seine Umarmung und sah Julia spöttisch an. „Na, jetzt hab ich denen aber wirklich Angst gemacht. Und gleichzeitig habe ich deinen guten Ruf unter ehemaligen dummen Mitschülern ruiniert! Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, was?“

Julia grinste. „Petra mochte ich eigentlich noch nie. Aber ihre Mutter besaß diesen Kosmetikladen und da brachte sie immer Lippenstifte mit die sie ihr klaute und dann in der Klasse zum halben Preis verkaufte. Und die Lippenstifte waren wirklich klasse....“

„Vielleicht hätte ich auch irgend was verkaufen sollen, aber was? Vielleicht die Stiefmütterchen meiner Mutter?“, dachte Jonas belustigt und fragte: „Aber hat die Mutter das nicht irgendwann mitbekommen? Dass ihre Lippenstifte geklaut wurden?“

Julia lachte. „Doch, hat sie. Und da bekam die arme Petra wirklich Ärger. Sie musste die alle ersetzen und anschließend im Laden ihrer Mutter aushelfen um das abzuarbeiten. Aber das fanden dann alle Mädchen irgendwie cool. So ein Laden kam uns früher wie das Paradies vor.“

„Ihr seid so einfach gestrickt,“ stellte Jonas fest und Julia nickte. „Männer aber auch! Schließlich mögt ihr es doch am meisten wenn die Mädels sich zurecht machen und gut aussehen! Manche von euch fressen uns danach aus der Hand. Das hat Katja immer wieder erlebt wenn sie raus ging und sich jemanden mit nach Hause nahm!“

Sie betraten den Kinosaal und kurz darauf begann der Film. Es handelte sich um eine belanglose Komödie und bereits kurz nach Beginn schenkte Jonas dem Film keine größere Aufmerksamkeit mehr. Statt dessen schloss er die Augen und dachte an die Ereignisse der letzten Zeit. 

Seine Mutter würde für lange Zeit in der psychiatrischen Klinik bleiben müssen. Sein Vater hatte sie besucht und sich mit ihr unterhalten. Auch mit dem Arzt hatte er im Anschluss gesprochen und dieser stufte Hedwigs Zustand als sehr bedenklich ein auch wenn sie sich in der Klinik bislang tadellos benommen hatte. 

Aber von einer möglichen Entlassung hatte der Arzt nichts wissen wollen.

„Wenigstens brauchen wir uns jetzt keine Sorgen mehr zu machen dass sie uns irgendwo auflauert! Es reicht dass Stefan so was machen könnte. Von den Dämonen mal gar nicht zu reden. Eigentlich haben wir nun eine Sorge weniger.....trotzdem ist sie immer noch meine Mutter. Aber vielleicht kann man ihr dort ja wirklich helfen!“, dachte Jonas während Julia über eine Szene aus dem Film kicherte.

„Wenigstens ihr gefällt der Film,“ dachte Jonas.

Sein Bruder Lucas würde am übernächsten Tag wieder, mit einer Woche Verspätung, zur Schule gehen und Jonas war erleichtert darüber dass Andys Mutter sich erboten hatte ihn und ihren Sohn zu fahren so lange sich Lucas noch nicht so wohl fühlte.....

„Wir müssen ein wenig vorsichtig sein. Nicht dass doch noch mal was passiert, so wie neulich......“, grübelte Jonas nach.

Er hatte, auch wenn er wusste dass dies seinen Eltern nicht gefiel, am Vormittag im Internet nach möglichen Dämonen gesucht. Doch er war, zumindestens im Umkreis, auf keine gestoßen. „Irgendwann müssen es doch mal weniger werden, die Welt kann doch nicht überfüllt mit ihnen sein,“ dachte Jonas und versuchte sich nun auf den Film zu konzentrieren.

Im Anschluss an den Film begleitete Jonas Julia nach Hause und brachte sie dort bis zur Haustür.

„Also ich fand den Film gut,“ sagte sie aber Jonas beschloss, ehrlich zu sein. „Ich weiß nicht so recht. Stellenweise war er ganz witzig. Aber entweder ich habe meinen Sinn für Humor verloren oder aber....“

„Jonas, du hattest noch nie allzu viel Sinn für Humor,“ lachte Julia und Jonas grinste. „Nein, ich konnte noch nie über die Sachen lachen die du komisch fandest!“

„Gehen wir trotzdem noch mal zusammen irgendwo hin?“, erkundigte sich Julia nach einer kurzen Pause.

Jonas nickte. „Ja, von mir aus gerne. Wo willst du denn hin? Ein anderer Film vielleicht? Oder hast du Lust essen zu gehen? Wir könnten zum Italiener gehen. Gleich hier in der Stadt, in der Nähe der St. Andreas Kirche ist einer. Da können wir uns ja jetzt auch Abends hin trauen!“

Julia stimmte zu. „Gut, was ist mit nächstem Samstag?“

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