Kapitel 101

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Viel zu früh, um sieben Uhr, klingelte Jonas Wecker und missmutig sah er auf das unschuldige Gerät. 

„Blödes Ding,“ murrte er und schaltete ihn aus. Sein Blick fiel auf die blonde junge Frau neben ihm.

Er gab ihr einen kleinen Kuss auf ihre Schulter. „Linda, aufstehen. Ich mach uns noch einen Kaffee und dann muss ich zur Arbeit!“

„Och, schade,“ antwortete Linda und hielt seinen Arm fest als er aufstehen sollte. „Wir sind doch erst gegen drei eingeschlafen. Ich bin noch müde. Und ich muss erst um neun bei der Arbeit sein. Warum machen wir es uns nicht noch mal ein wenig nett?“

„Ich kann es mir momentan aber nicht leisten unpünktlich zu sein. Ich muss gleich los!“, erwiderte Jonas und kurz darauf saßen er und Linda sich bei einer Tasse Kaffee gegenüber.

„Ich glaube nicht dass es Sinn macht dich zu fragen ob du anrufst, oder?“, erkundigte sich Linda und sah ihn fragend an.

Jonas dachte einen Augenblick nach. „Vielleicht. Vielleicht treffen wir uns ja auch noch mal im Blue Bird. Du bist doch öfters da?“

„Ja, fast jedes Wochenende. Aber dann bin ich wahrscheinlich mit meinem Freund da. Wenn der dabei ist kümmere ich mich nur um ihn. Tu dann besser so als kennst du mich nicht denn Paul ist sehr eifersüchtig!“

„Schon verstanden. Wenn Paul da ist ignoriere ich dich. Schade eigentlich!“, antwortete Jonas mit Bedauern. 

Er und Linda hatten sich am vergangenen Abend in der Disko Blue Bird kennen gelernt und waren nach ein paar Wodka Lemon mit einem Taxi zu seiner Wohnung gefahren.

„So was hätte ich früher auch nicht gedacht,“ dachte Jonas in einem Moment der Ernüchterung über den ersten One-Night-Stand in seinem Leben. Ihren Freund Paul hatte sie erst später erwähnt...

„Sag mal, machst du so was öfter? Paul betrügen?“, erkundigte sich Jonas. „Nicht dass ich dir das vorwerfen würde. Ich kann mich nicht beklagen. Aber der arme Paul...“

„Mach dir mal keine Gedanken wegen Paul. Er nimmt sich viel zu wenig Zeit für mich. Ich bin eigentlich auch nur mit ihm zusammen weil seinem Vater zwei Mietshäuser gehören und er die irgendwann mal erbt. Er ist ein Langweiler. Ganz anders als du!“

Linda erhob sich und setzte sich auf Jonas Schoß. Dann gab sie ihm einen Kuss. „Ich finde es irgendwie auch schade dass das einmalig gewesen sein soll,“ stellte sie anschließend fest.

Irgendwie hatte Jonas ein schlechtes Gewissen. War es wegen Paul? Oder am Ende gar wegen Jessica? Doch diese hatte die Beziehung beendet und er war ihr keine Rechenschaft mehr schuldig.....

Pünktlich betrat Jonas, nachdem er Linda vor ihrem Supermarkt in dem sie arbeitete, abgesetzt hatte seinen Arbeitsplatz.

Er nahm sich einen Stapel Listen und sah diese durch als Ingo sich zu ihm gesellte. „Morgen. Du siehst müde aus...hast du etwa wieder...“

Jonas schüttelte den Kopf. „Nein, hab ich nicht. Keine Dämonen. Seit damals nicht mehr. Als ihr alle über mich hergefallen seid und mich dafür beschimpft habt dass ich zwei Henker die schon wer weiß wie viele Menschen auf dem Gewissen hatten erledigt habe.“

„Jonas, du weißt dass das so nicht stimmt....“, verteidigte sich Ingo ungehalten und Jonas nickte. „Tut mir leid. Dass ich dir das an den Kopf werfe, du warst ja noch am fairsten in der ganzen Sache. Aber was letzte Nacht angeht, ich war nicht in irgend welche übernatürlichen Dinge verwickelt. Keine Dämonen. Ich war in der Disko, im Blue Bird! Ich musste einfach mal raus.“

„Ach so. Aber dass du so ein Diskogänger bist wusste ich noch gar nicht. Und dann mitten in der Woche,“ wunderte sich Ingo. 

Jonas schüttelte den Kopf. „Bin ich auch normalerweise nicht. Aber hin und wieder muss es mal sein. Ist doch nicht so ungewöhnlich wenn man mit gerade einmal einundzwanzig Jahren von Zeit zu Zeit raus geht!

.“

„Ich sag ja auch gar nichts,“ murmelte Ingo und widmete sich nun seinerseits seiner Arbeit.

Kurz vor Beginn der Mittagspause klingelte das Telefon an Jonas Arbeitsplatz und überrascht nahm er den Anrufer zur Kenntnis. „Gerrit? Du? Was gibt es denn?“

Jonas hörte eine Weile zu was Gerrit ihm zu sagen hatte ehe er sich anschließend an Ingo wandte. „Du wirst es nicht glauben. Aber dieser Engel auf dem Friedhof war nicht der einzige Dämon....“

„Nicht? Wo gibt es denn noch welche?“, erkundigte sich Ingo erstaunt und erschrocken zugleich. „Ist man denn nirgendwo vor diesen Dingern sicher?“

„Nein, leider nicht. In München an einer Kirche stehen zwei Mönche. Die sollen angeblich Dämonen sein. Gerrit hat es bemerkt. Irgendwie scheint er einen Richer dafür zu haben,“ antwortete Jonas nachdenklich.

„Und, was wirst du jetzt machen? Allein nach München fahren und die Sache erledigen?“, erkundigte sich Ingo mit einem scharfen Unterton. 

„Genau das hatte ich eigentlich vor, ja. Obwohl ich mich langsam frage warum ich es überhaupt noch mache... die weiße Kirche von München. Ich geb erst mal was ins Internet ein. Vielleicht finde ich ja was darüber.“

Tatsächlich wurde Jonas fündig. „Die Statuen und die Kirche stammen aus dem Jahr 1835. Und früher gab es wohl mal ein paar Todesfälle, es gibt sogar eine Geschichte über zwei verfluchte Mönche die sich mit Magie beschäftigten und Dämonen beschworen die in ihre Abbilder fuhren. Aber seit den letzten 40 Jahren ist es ruhig geblieben. Entweder sie haben sich zur Ruhe gesetzt oder aber es waren wieder einmal Obdachlose die starben. Solche Leute finden ja keine Erwähnung. Aber früher wusste man noch dass man Nachts lieber nicht den Seiteneingang benutzen sollte wenn man zur Kirche gehen will. Aber wer glaubt schon noch daran?“

„Lass mal sehen,“ bat Ingo und las sich seinerseits ein paar Artikel unter der Rubrick Münchener Märchen durch.

„Wirklich unheimlich. Und wann willst du los fahren? Sofort?“, erkundigte sich Ingo nach Durchsicht des Artikels.

„Nein, das muss bis Freitag Abend warten und hoffen dass in der Zwischenzeit niemandem was passiert. Wenn ich am nächsten Tag arbeiten muss geht es leider nicht mehr. Ich darf nicht noch mal hier fehlen. Und du bleibst natürlich hier. Ich nehme dich ganz bestimmt nicht mit!“, antwortete Jonas und sah Ingo ernst an.

Dieser schüttelte den Kopf. „Auf gar keinen Fall. Ich weiß jetzt wo diese Kirche liegt und ich werde auf alle Fälle Freitag Abend dort in der Nähe auftauchen. Du kannst mich ja nicht hier in der Firma auf dem Klo übers Wochenende einsperren um es zu verhindern. Also kann ich auch direkt mit fahren!“

Jonas stöhnte. „Muss das sein?“

Ingo nickte. „Ja, das muss sein. Jetzt weiß ich was du vorhast und werde dich auf gar keinen Fall allein fahren lassen. Ob dir das nun passt oder nicht!“

Na gut. Aber du bleibst weit weg von dieser Kirche wenn ich da hin gehe. Sehr weit weg. Und du hältst dich auf alle Fälle raus!“, forderte Jonas seinen Kollegen ernst auf.

„Ist gut. Ich lese nur deine Überreste auf falls was passieren sollte. Dir eine Hand fehlt oder so!“, stimmte Ingo widerwillig zu.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!