Kapitel 169

64 6 0

Hedwig saß gemeinsam mit ihrem Anwalt, Herrn Berg, in einem der Aufenthaltsräume der psychiatrischen Klinik in die man sie für sie vollkommen überraschend und gegen ihren Willen am Vortag eingewiesen hatte. Sie konnte es immer noch nicht glauben dass Georg, mit dem sie nun schon so lange verheiratet war, ihr so etwas antat. Sicherlich hatte sein Sohn ihn nach ihrer letzten Begegnung in der alten Fabrik gegen sie aufgehetzt. 

Würde Herr Berg ihr helfen können?

„Frau Schneider, wir müssen den Richter davon überzeugen dass Sie nicht krank sind. Dass Sie sich im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten befinden. Dann wird man sie sicherlich entlassen....oder aber ins Gefängnis bringen. Das kommt ganz darauf an!“, sagte der Anwalt den man ihr als Rechtsbeistand zur Seite gestellt hatte. 

Doch Herr Berg sah unauffällig auf seine Uhr. Hatte er es eilig? Interessierte er sich überhaupt wirklich für sie? Interessierte sich überhaupt irgend jemand für sie?

„Herr Berg, ich bin nicht verrückt! Das ist doch Blödsinn! Ich habe nichts unrechtes getan, warum sollte ich wegen einer Kurzschlussreaktion ins Gefängnis kommen? Ich wollte doch nur meine Ehe retten! Nicht ich sondern mein Mann hat etwas Schlimmes getan! Er hat mich verlassen,  nachdem er mich vor Jahren betrogen hat! So etwas musste ich mir bieten lassen. Ist es da nicht verständlich dass ich wütend war?“, sagte Hedwig aufgebracht und begann im Raum auf und ab zu gehen.

„Bitte beruhigen Sie sich, Frau Schneider,“ bat der Anwalt und blätterte in seinen Unterlagen. „Ihre Alkoholprobleme sind also durch den Stress entstanden.....nein, das ist der Fall Kunze....Sie sind die Dame mit den Schlaftabletten die sie ihrem Mann und ihrem Sohn in den Kaffee....“

„Er kennt meinen Fall nicht einmal! So was Unfähiges,“ fluchte Hedwig im Stillen. Sie hatte bereits ihre Schwester angerufen und um Hilfe gebeten aber auch Renate hatte ihr klar gesagt dass sie Hilfe brauche. Dass sie zu weit gegangen sei....

„Frau Schneider, nun schildern Sie mir erst einmal Ihre Sicht der Dinge,“ bat Herr Berg seine Mandantin die ihm als so genannte „Unterbringungssache“ vom Gericht zugeteilt worden war. 

Allzu viel Geld brachten diese Fälle ihm nicht aber jedem der gegen seinen Willen in die Psychiatrie gebracht wurde stand nun einmal ein Anwalt zu und diese Frau war nun wohl oder übel ihm zugeteilt worden. 

„Ich glaube fast schon die Dame gehört wirklich hier hin,“ dachte Herr Berg. 

Dies war nicht immer so bei diesen Fällen. Erst vor kurzem hatte er einem alten reichen Herrn geholfen den seine Familie entmündigen wollte um an sein Vermögen zu kommen. Der 85-jährige war für zurechnungsfähig erklärt worden und hatte Herrn Berg aus lauter Dankbarkeit im Anschluss mit einem weiteren Fall beauftragt, nämlich der Enterbung seiner Verwandten.

„Aber Frau Schneider ist anders,“ grübelte Herr Berg und sah aus dem Fenster. Draußen herrschte schönstes Wetter und eigentlich wollte er heute früher Feierabend machen um mit einem Kollegen in den Biergarten zu gehen. Doch nun konzentrierte er sich wieder auf die Mandantin.

„Also, wie hat es sich aus ihrer Sicht zugetragen? Sie haben immerhin ihrem Sohn Schalftabletten gegeben! Im Kaffee! Und dann hat ein inzwischen verstorbener Schuldirektor ihn angegriffen? Ein Herr Engelmann?“, erkundigte sich Herr Berg. 

Der Name Engelmann sagte ihm etwas, er hatte vor einigen Monaten die Eltern einer Schülerin beraten die den Direktor wegen Körperverletzung anzeigen wollten. Er hatte dem Mädchen die neuen Ohrringe von den Ohren gerissen.

Mittlerweile hatte die Schulbehörde die Nachricht erhalten dass der ehemalige Direktor ebenfalls in die Psychiatrie eingewiesen worden und an einem Magenleiden verstorben war. Daraufhin war das Verfahren natürlich eingestellt beziehungsweise hinfällig geworden. Und er hatte mit Frau Schneider gemeinsame Sache gemacht? Sagte dies nicht schon einiges aus?

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!