Kapitel 171

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Stefan hatte die Musik im Radio laut aufgedreht, trotzdem hätte er bei Nachfrage nicht sagen können welches Lied gespielt wurde. Zu sehr war er in seinen eigenen Gedanken versunken. Die Ereignisse der letzten Tage gingen ihm nicht mehr durch den Kopf während er über die Autobahn fuhr.

„Hoffentlich hat diese dämliche Frau Schneider Lucas wirklich nach Hause gebracht. Ich hatte eher den Eindruck als würde sie ihm am liebsten den Hals umdrehen. Irgendwie ist das ja auch verständlich. Aber auf der anderen Seite ist es schon gut dass sie nichts von einem verschwundenen dummen Teenager oder einem Toten in einer alten Fabrik in den Nachrichten gesagt haben. Das wäre mir doch ein wenig zu....heiß gewesen,“ dachte er missmutig und drehte die Musik noch lauter auf.

„Vielleicht sollte ich mal anrufen und mich erkundigen?“, murmelte er spöttisch doch irgendwie klang sein eigener Spott falsch in seinen Ohren.

Die letzten Tage hatte er in seiner Wohnung in Stuttgart verbracht. Halb hatte er damit gerechnet das entweder Jonas oder die Polizei vor der Tür stehen und ihn zur Rechenschaft ziehen würde. Doch niemand hatte sich bei ihm blicken lassen. Sicherlich waren sich auch Jonas und seine Familie darüber im klaren dass eine Anzeige zu viele Fragen nach sich ziehen würde.

„Und Jonas ist wohl doch zu feige um bei mir aufzutauchen. Oder aber er hat zu viele Skrupel,“ dachte Stefan und ärgerte sich über einen seiner Ansicht nach viel zu langsamen Autofahrer. Er überholte diesen und zeigte ihm den Stinkefinger was der andere Fahrer empört zur Kenntnis nahm.

„Bald werde ich bei diesem reichen Kerl ab kassieren. Ein Dämon der mitten auf einem Feld im schönen, idylischen Bayern steht und dort seit Jahren von Zeit zu Zeit Leute umbringt. Es stand sogar in der Zeitung, samt Foto. Das Ding scheint recht groß zu sein......aber dieser Bauer dem das ganze Land gehört dürfte genügend Geld und Interesse daran haben den Dämon los zu werden.....“, stellte Stefan einige Überlegungen an als er fluchte als die Autos vor ihm langsamer wurden. „Mist, ein Stau!“

Jonas saß mit Julia erneut in einem Café. Er hatte einen Augenblick mit sich gerungen ob er sie einladen sollte und fest damit gerechnet dass sie ablehnen würde. 

Aber er hatte das Treffen am Vortag mehr genossen als er selber zugeben wollte. „Ich muss verrückt sein. Ich verabrede mich tatsächlich freiwillig mit Julia Becker. Mit der Julia die mir Heftzwecken in die Schuhe gesteckt und Steine an den Kopf geworfen hat als ich acht war. Außerdem hat sie sich immer über mich lustig und mir das Leben zur Hölle gemacht. Eigentlich kann ich sie doch gar nicht leiden.....trotzdem will ich mit ihr einen Kaffee trinken gehen.“

Mit einem Mal grinste Jonas still in sich hinein. „Ich glaube das war ein wenig zu viel dämonische Energie für mich und ich fühle mich plötzlich von meinen natürlichen Feinden angezogen. Aber so lange ich nicht mit weiblichen Statuen ausgehe.....“

Er reichte Julia die Kanne mit der Milch die diese freundlich lächelnd entgegen nahm. Während sie sich Milch einschenkte wunderte sie sich über sich selbst. „Ich muss wirklich ein wenig verrückt sein. Das da vorne ist immerhin Jonas Schneider. Hätte mir jemand gesagt dass ich mich mal mit jemandem verabrede dem ich Steine an den Kopf geworfen habe, den hätte ich wahrscheinlich für vollkommen verrückt erklärt.“

Sicherlich, sie hatten im vergangenen Jahr schon häufiger etwas miteinander unternommen. „Mal überlegen, wir haben zusammen ein Grab ausgehoben, ein geheimnisvolles Schwert gefunden, gegen Dämonen gekämpft, sind zu einem mörderischen Herbergsleiter gegangen, sind im Museum in eine Schießerei geraten......“

Doch dieses Treffen war anders. Es hatte nichts mit Dämonen zu tun und auf den ersten Blick hätte sie fast wie ein gewöhnliches Paar gewirkt. 

Wobei Julia und auch Jonas den Gedanken dass sie jemals ein Paar werden könnten noch immer weit von sich schoben.

„Was macht eigentlich dein Bruder Lucas?“, erkundigte sich Julia mit einem Mal. „Ich habe ihn noch gar nicht in der Schule gesehen, seinen Freund Andy schon, aber ihn noch nicht.“

„Er ist momentan noch krank. Eine ziemliche Gehirnerschütterung. Die hat er übrigens Stefan zu verdanken. Solltest du ihn irgendwo treffen, dann mach lieber dass du weg kommst. Er hat sich einiges geleistet....“

Jonas berichtete Julia von den letzten Ereignissen und sie sah ihn fast schon fassungslos an. „Dass ihr beiden nicht die besten Freunde wart habe ich ja auch schon gemerkt, damals in Köln beim Museum. Aber dass er so was macht...“

„Ja, am liebsten würde ich zu ihm stürmen und ihm den Hals umdrehen. Aber bei ihm verhält es sich leider anders als bei den Statuen....“, antwortete Jonas mit einem wütenden Blick der Julia zusammen zucken ließ.

„Du hast dich irgendwie verändert,“ stellte sie fest. „Dass du nach allem was passiert bist anders bist als damals in der Schule ist ja klar. Aber irgendwie hast du dich auch in der letzten Zeit verändert.....“

„Ja, habe ich wirklich,“ antwortete Jonas und ließ es dabei bewenden. 

Gemeinsam verließen sie kurz darauf das Café und Julia blieb vor einem Plakat stehen. „Schau mal, ein neuer Film mit Johnny Depp! Den würde ich ja gerne sehen. Britta hat leider keine Zeit, sie fährt eine Woche an die Nordsee mit Dennis. Bevor das Baby kommt wollen sie noch mal ein paar Tage Urlaub machen. Hast du Lust mitzukommen?“

„Ja, ich komme mit! Ich werde Britta vertreten,“ antwortete Jonas mit einem schiefen Grinsen.

Er ging nur mit da ihre beste Freundin nicht konnte. Das hatte gar nichts zu bedeuten. Darüber waren sich beide klar.....

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!