Kapitel 32

105 7 0

Jonas und Jessica erreichten den Strand. Stürmischer Wind schlug ihnen ins Gesicht und Jessica drehte ihr Gesicht in die andere Richtung.
„Das ist ja saukalt hier!“, lachte sie und nahm Jonas Hand. „Komm, wir gehen bis zum Wasser hinunter!“
Jonas ließ sich von seiner Freundin, gegen den Wind, zum Meer ziehen.
„Schade dass wir die Schuhe nicht ausziehen und ins Wasser gehen können, aber dazu ist es bestimmt zu kalt,“ dachte Jonas mit Bedauern. „Im Sommer ist es bestimmt schön hier und man kommt sich vor wie am Mittelmeer!“

Der Strand war menschenleer, lediglich ein kleines Häuschen das in den Sommermonaten wohl als Kiosk diente befand sich dort. Jedoch jetzt war es geschlossen und es befanden sich keine Waren in den Regalen die Jonas durch eine Glasscheibe erkennen konnte.

„Lass uns ein wenig in die Richtung gehen!“, schrie Jessica gegen den Sturm an. Gemeinsam wanderten sie am Wasser entlang. Jedoch bereits nach kurzer Zeit waren sie fast vollständig durch gefroren und zu allem Übel begann es auch noch zu regnen.

Natürlich hatten sie keine Schirme dabei. Diese hätten ihnen bei dem Sturm auch nicht allzu viel genutzt, ein Aufspannen wäre unmöglich gewesen.
„Lass uns zurück gehen!“, rief Jonas und legte einen Arm um die Schulter seiner Freundin. 
Diese nickte und gemeinsam begaben sie sich in Richtung Deich. Dort waren sie ein wenig vor dem Wind geschützt und Jonas freute sich bereits auf das gemütliche Ferienhaus und einen starken Kaffee.

Jedoch alle Gedanken an das Haus und den heißen Kaffee verschwanden als sich Jessica an seinem Arm festkrallte. Denn sie näherten sich nun zwei Sockeln die direkt vor dem Deich aufgestellt worden waren......
.
„Die habe ich eben ja gar nicht gesehen!“, sagte Jessica und unterdrückte nur mühsam ein Zittern das nicht nur von der Kälte kam. 
Denn auf den Sockeln standen zwei steinerne große Hunde. Jonas griff nach der Hand seiner Freundin. Am liebsten hätte er sie hinter sich her gezogen und wäre mit ihr davon gerannt.

„Das darf doch nicht wahr sein!“, fluchte er in Gedanken während Jessica sich trotz ihres sichtbaren Unbehagens die Hundestatuen näher ansah.
„Die sind gruselig und unsagbar scheußlich! Eigentlich mag ich Hunde, aber was für eine Rasse soll das eigentlich darstellen?“, fragte Jessica leise.
„Ich weiß nicht, jedenfalls keine die ich kenne! Oder hast du schon mal Hunde mit Hörnern und so langen Zähnen gesehen? Außerdem reichen sie mir bestimmt bis zur Schulter! So groß sind Hunde normalerweise nicht!“, sagte Jonas genau so leise. 
„Jetzt müssen nur noch die Augen glühen und es ist perfekt! Warum muss mir das immer passieren in der letzten Zeit!“, fügte er in Gedanken hinzu.

Waren an diesem Strandabschnitt nicht bereits bei Dunkelheit Menschen ums Leben gekommen? Wurde dieser Teil des Strandes nicht von den Einheimischen gemieden?

„Ob es daran liegt dass ich der Auserwählte bin dass mir diese Dinger immer über den Weg laufen oder vielmehr dass mich mein Weg immer zu ihnen führt? Was denke ich hier überhaupt für einen geschwollenen Blödsinn? Wir sollten lieber gehen!“, dachte Jonas und zog seinen Freundin hinter sich her.
„Mir ist es kalt! Lass uns nach Hause gehen!“, bat er sie und schweigend machten sie sich auf den Heimweg.

Erst als ihr Ferienhaus in Sicht kam sprach Jessica wieder. „Jonas, diese Hunde waren unheimlich! Nicht dass du mich jetzt für blöd hältst, aber die sahen aus als kämen sie direkt aus der Hölle! Höllenhunde wäre der richtige Ausdruck für die Dinger! Wer stellt so was Hässliches in die Dünen?“
„Keine Ahnung! Jemand mit einem schlechten Geschmack! Aber lass uns nicht mehr daran denken! Ich mach uns jetzt erst mal einen Kaffee!“, antwortete Jonas und schloß die Tür zum Ferienhaus auf. 

Glücklicherweise hatten sie vor ihrem Spaziergang die Heizung aufgedreht und so war es angenehm warm.

Zufrieden kuschelte sich Jessica kurz darauf auf dem Sofa an Jonas und schaltete den Fernseher ein. Glücklicherweise gab es eine Satellitenanlage und so konnten sie sich einen deutschen Film ansehen. Jedoch an diesen verschwendeten sie beide keinen Gedanken.

„Ich sollte jetzt eigentlich an Jonas denken und es mir mit ihm hier schön machen! Statt dessen muss ich immer an diese blöden Statuen am Strand denken! Wenn ich jemals eine Statue für einen Dämon gehalten habe dann die beiden! Und außerdem gibt es noch diese unheimlichen Geschichten darüber dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht!“, dachte Jessica und schmiegte sich enger an Jonas an.
Jedoch auch er war mit seinen Gedanken bei den Statuen. „Ich wollte mir hier ein paar schöne Tage mit Jessica machen! Statt dessen habe ich wieder Dämonen am Hals! Es ist doch ganz offensichtlich um was es sich bei den Dämonenhunden handelt. Jessica hat sie ganz treffend als Höllenhunde bezeichnet!“

Was sollte er nun tun? Die Sache auf sich beruhen lassen, den Strand meiden und in ein paar Tagen wieder nach Hause fahren?
Das wäre für ihn wahrscheinlich das vernünftigste gewesen. Doch würde er nicht für den Rest seines Lebens die Nachrichten verfolgen ob es Berichte über seltsame Todesfälle in dieser Gegend gab? Was war wenn im nächsten Sommer wieder mehr Feriengäste kamen die auch Nachts den Strand aufsuchen? Junge Pärchen in seinem und Jessicas Alter beispielsweise?
Die Einheimischen mieden den Strand zwar und vor allem bei Nacht. Doch taten dies nicht wahrscheinlich überwiegend die älteren Leute?'Wer von den Jungen glaubte denn noch an alte Gruselgeschichten? 
War es nicht unterlassene Hilfeleistung wenn er nichts gegen die Dämonen unternahm obwohl er die Möglichkeit dazu hatte?

„Vielleicht ist es ja wirklich kein Zufall dass immer wieder Dämonen meinen Weg kreuzen! Es ist ja nicht so als würde ich danach suchen! Die treffe ich ganz ohne mein Zutun! Wahrscheinlich würden sie irgendwann vor meiner Wohnungstür auftauchen sollte ich mich entschließen künftig nur noch dort zu leben und nie mehr hinaus zu gehen!“, dachte Jonas.

„Ich mach uns was zum Essen!“, sagte Jessica und erhob sich. 

Bald darauf saßen Jonas und Jessica am Tisch und aßen eine Pizza die sie in den Ofen geschoben hatten.
„Eigentlich sollte ich die nicht essen! Ich werde fett!“, lachte sie neckisch und hoffte auf Widerspruch. 
Dieser kam auch sofort. „Nein, du bist nicht zu dick! Du siehst toll aus!“, antwortete Jonas und lächelte sie liebevoll an.
„Das war die richtige Antwort!“, freute sich seine Freundin und gab ihm einen Kuss auf die Wange bevor sie im Bad verschwand um zu duschen.

Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und bis zum Abend saßen Jonas und seine Freundin vor dem Fernseher  und schauten sich eine Ratesendung an. 

Jedoch richtig konzentrieren konnten sie sich nicht. Beide waren sie in Gedanken am Strand.

„Warum muss ich nur dauernd an die Hunde denken? Ich will das doch gar nicht! Bestimmt bekomme ich diese Nacht Alpträume! Wenn ich ehrlich bin möchte ich heute Abend auch nicht allein sein und bin froh dass Jonas hier ist!“, dachte die junge Zahnarzthelferin und sah aus dem Fenster.
Der Wind hatte sich gelegt, dafür war nun Nebel aufgezogen. Hatte in den Unterlagen ihres Großvaters nicht gestanden dass sich die Dämonenstatue der St. Andreas Kirche häufig bei Nebel Opfer gesucht hatte?
„Schade dass ich nicht weiß wer die zerstört hat! Ich würde mich sicherer fühlen wenn derjenige in der Nähe wäre. Am besten im Ferienhaus nebenan! Aber da ist nur dieses alte Rentnerehepaar. Die sind beide um die achtzig und kämpfen ganz bestimmt nicht gegen Dämonen!“, dachte Jessica bedauernd.
„Von demjenigen den Opa laut seinen Unterlagen als den Auserwählten der die Dinger bekämpfen kann erkannt hat weiß ich nur die Anfangsbuchstaben. J und S! Das kann alles mögliche bedeuten, sogar auf Jonas könnte es zutreffen. Jonas Schneider! Oder auf meine alte Nachbarin, Jutta Schmitz!“, fügte sie in Gedanken noch hinzu.

Gegen elf Uhr am Abend gingen Jessica und Jonas zu Bett. Eigentlich hatten sie sich ihre erste gemeinsame Nacht anders vorgestellt. 
Nun genoss es Jessica sich einfach an ihren Freund zu kuscheln. „Ich glaub nicht dass ich mich heute Nacht auch nur zum Klo traue! Ich denke bestimmt die ganze Zeit diese Hunde würden neben meinem Bett stehen! Ich bin albern, nicht wahr? Jetzt lasse ich mir von so was schon die Urlaubsstimmung verderben!“
„Nein, du bist nicht albern. Ich glaube wir sind beide ein wenig müde von der Fahrt und von unserem Spaziergang! Morgen sieht die Welt schon wieder anders aus!“, versuchte Jonas seine Freundin zu trösten und gab ihr einen zärtlichen Kuss den sie erwiderte. 

Er legte einen Arm unter ihren Nacken und sie schmiegte sich an ihn an.

Schließlich verrieten ihre regelmäßigen Atemzüge dass sie eingeschlafen war. Vorsichtig zog Jonas seinen Arm weg und er schob Jessica ein Kissen unter den Kopf.

Dann erhob er sich, zog sich schnell an und schlich zum Schrank. Leider knarrte die Tür ein wenig als er sie öffnete und Jessica murmelte etwas im Schlaf.
Schnell holte Jonas sein Schwert aus seiner Reisetasche und verließ das kleine Ferienhaus.

„Ich werde dafür sorgen dass die Welt morgen anders aus sieht, Jessica! Ab Morgen braucht sich niemand mehr Gedanken zu machen wegen dieser Dämonenhunde!“, dachte Jonas und machte sich auf den Weg zum Strand.
„Außerdem hoffe ich dass ich noch etwas davon habe wenn die Welt morgen anders aussieht und diese Dinger zerfleischen mich nicht!“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!