Kapitel 85

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Bevor Jonas an einem regnerischen Dienstag Morgen zur Arbeit aufbrach genehmigte er sich noch eine Tasse Kaffee und schaltete das Frühstücksfernsehen ein.

Eigentlich interessierten ihn die Beiträge über Stars und Sternchen nicht sonderlich. Was Paris Hilton bei einem Besuch in New York trug und welche Farbe das Halsband ihres armen Hundes hatte interessierte ihn herzlich wenig. Auch die Tatsache dass einige Stars wieder einmal ihre Lebenspartner gewechselt hatten war ihm egal.

„Wenn ich solche Probleme hätte dann könnte ich mal wieder eine Nacht ruhig schlafen,“ dachte er spöttisch als das Frühstücksfernsehen beendet wurde und statt dessen die Nachrichten begannen.
Mit einem Mal konzentrierte er sich auf das Fernsehprogramm und widerstand nur mühsam dem Drang sich am Tisch festzuhalten....

„Die heutigen Schlagzeilen und Beiträge handeln von: 

„Steuerhinterziehung bei mehreren Politikern. Wo sind die Schwarzkonten? 
Trinkwasserprobleme in Hedenburg? Unerklärliche Todesfälle häufen sich!
Außerdem: Papageienplage in Zoo auf Gran Canaria! Wer nimmt Vögel bei sich auf?“, wurden die wichtigsten Themen der Sendung angekündigt.

Jonas ließ den Beitrag über die Schwarzkonten sowie über einen tragischen Autounfall über sich ergehen ehe ein Bericht über unerklärliche Todesfälle in Hedenburg erfolgte.

Gezeigt wurde ein Haus vor dem mehrere Polizeiwagen und Krankenwagen standen. Dann trat Ricky Becker, einer der bekanntesten Reporter des Fernsehsenders, vor die Kamera.
„Ich stehe hier vor einem Haus in dem kleinen, nur 20 Kilometer von Hamburg entfernten Dorf Hedenburg wo sich in der vergangenen Nacht Schreckliches ereignet hat. Zehn junge Leute feierten eine fröhliche Party und fünf von ihnen fand man heute morgen tot auf. Aber es handelt sich nur um den Höhepunkt mehrerer Todesfälle in der letzten Zeit. Es gab bereits weiterer Opfer die unter ähnlich mysteriösen Umständen zu Tode kamen!“

Einige Fotos wurden eingeblendet und Namen genannt.
„Die Toten wurden alle in einem Umkreis von 300 Metern gefunden! Die Anwohner sind natürlich entsetzt! So auch ein Nachbar der sich sonst seinem friedlichem Hobby, dem Sammeln von historischen Statuen widmet!“, sagte Ricky Becker.

Jonas zuckte zusammen als ein Bild eines Gartens gezeigt wurde. In diesem standen zwei Henkerstatuen, vor einer kniete Gerrit...
„Ich konnte kurz mit dem erschrockenen Nachbarn sprechen!“, sagte Ricky Becker nun und tatsächlich kam Friedrich Engelmann ins Bild der den Mund öffnete und zu schimpfen begann. Jedoch dieses wurde nicht gesendet. „Der arme Nachbar ist natürlich tief betroffen und erschüttert! Er war kaum zu einer Stellungnahme in der Lage. Auch die Mutter zweier Opfer war nicht dazu bereit!“
Nun wurde eine Frau gezeigt die sich auf zwei Sanitäter stützte die sie zu einem Krankenwagen führten.

„Niemand weiß woran es liegt dass so viele Menschen zu Tode kamen! Die Polizei hält sich mit Vermutungen noch bedeckt aber könnte es sich unter Umständen um Probleme mit dem Trinkwasser handeln? Wir haben mit Professor Wilhelm Zander von der Universität Hamburg gesprochen....“

Es folgte ein kurzes Interview mit einem älteren Herrn in einem schicken Anzug jedoch dieses verfolgte Jonas bereits nicht mehr.

„In Hedenburg hält sich der Kerl also versteckt! Und es ist in der Nähe von Hamburg! Der Beitrag ist noch nicht alt und hoffentlich sieht er nicht regelmäßig fern und haut ab!“, dachte Jonas und wollte, da der Beitrag beendet war, den Fernseher ausschalten. Jedoch der nächsten Beitrag erregte ebenfalls seine Aufmerksamkeit.

„Auf der Domplatte vor dem Kölner Dom wurde ein Kunstwerk der bekannten modernen Künstlerin Doris Bausemann beschädigt! In der letzten Nacht wurde es zerschlagen und mit Farbe beschmiert!“
„Das ist doch diese hässliche Ding an dem ich gestern noch vorbei gegangen bin,“ dachte Jonas grinsend. Das Kunstwerk hatte ihm ganz und gar nicht gefallen.

Ein Bild aus besseren Tagen wurde gezeigt. Es hatte sich um drei Mülleimer, darüber gespannte Müllsäcke und leere Flaschen und Dosen die  auf einer Schnur darüber gespannt worden waren gehandelt. Über all dem hingen an einer Art Galgen drei Plüschhasen.....

„Wer Hinweise zur Ergreifung der Täter geben kann soll sich bitte bei der nächsten Polizeistelle melden!“, forderte eine junge Reporterin die neben dem jetzt zerstörten Kunstwerk stand.
Die Hasen hatte man vom Galgen befreit und sie saßen jetzt neben den Tonnen die man zerstört und mit Farbe beschmiert haben.

„Also jetzt sieht es mindestens so kunstvoll aus wie vorher,“ dachte Jonas spöttisch ehe er den Fernseher endgültig ausschaltete. 
„Ich weiß jetzt wo Engelmann, Gerrit und seine Statuen zu finden sind! Leider muss ich heute zur Arbeit, ich kann nicht schon wieder fehlen! Aber morgen nehme ich mir frei! Egal wie! Und dann können diese beiden Henker sich auf was gefasst machen!“


Mehr als verärgert stand Friedrich Engelmann in seinem Garten neben seinen Statuen. Den Fernsehbeitrag in dem er vor kam hatte er nicht gesehen. Er mochte keine Fernsehsendungen und diese waren seiner Meinung hauptsächlich dazu geschaffen worden um junge Menschen noch mehr zu verderben als sie es ohnehin schon waren.

Moderne Medien waren ihm außerdem unheimlich und die Geschwindigkeit mit der sich das Fernsehen und das Internet entwickelt hatten machten ihm Angst. Auch Nachrichten wurden sehr schnell verbreitet.

„Ich weiß noch dass es vor neunzig Jahren niemand in Paris mitbekam wenn in Berlin ein Mord geschah!“, dachte er sehnsuchtsvoll an die alten Zeiten. 
„Damals war alles besser! Auch für mich und meine Diener wird es immer schwieriger unauffällig zu bleiben! Ich hoffe nur die senden nichts im Fernsehen über mich! Aber trotzdem sollte ich in den nächsten Wochen darüber nachdenken von hier fort zu gehen!“

Aber der eigentliche Grund seines Ärgers kniete oder vielmehr lag halb auf dem Richtblock zu Füßen seiner Henker. „Gerrit hat sich nicht vernünftig hingekniet! Wenn das nun jemand mitbekommt dass er seine Haltung dermaßen verändert hat! Zum Glück sieht kaum jemand einmal in meinen Garten!“

Zusammen gekrümmt lag Gerrit da und hatte die Augen geschlossen. Sonst waren diese nicht so einfach zu erkennen da er seinen Kopf beugte und nach unten sah.

Einige Flecken waren an seinem Hals, seinen Beinen und Armen zu erkennen. Auch auf seiner Wange befand sich ein Fleck.
„Blutergüsse! Konnten die beiden ihm seine Prügel nicht so geben dass nichts davon zu sehen war?“, fluchte der ehemalige Richter mit einem bösen Blick auf seine Statuen. „Wie ein Haufen Elend sieht dieser Verbrecher aus! Aber so lange es niemand bemerkt....
Er hat nur das bekommen was er verdient hat und davon noch viel zu wenig!“, dachte Friedrich Engelmann und schlug mit der Hand auf Gerrits andere, nicht verfärbte Wange.

Jedoch leider spürte der Versteinerte nichts davon, statt dessen hielt sich der Richter die Hand.
„Schon wieder eine Verletzung deinetwegen! Magengeschwüre, ein Bluterguss an den Rippen und jetzt meine Hand! Mit dir habe ich nur Ärger....“



Unterdessen war Jonas an seinem Arbeitsplatz angekommen jedoch wirklich konzentrieren konnte er sich auf seine Arbeit nicht.

Mit deutlichem Missfallen hatte sein Arbeitgeber auf den Wunsch nach einem Urlaubstag reagiert.

„Herr Schneider, das nimmt momentan wirklich überhand! Dieses eine Mal geht es noch in Ordnung! Aber so geht es nicht weiter!“, hatte der Chef zu ihm gesagt und Jonas finster angesehen.
„Ich habe es in der letzten Zeit mit freien Tagen wirklich übertrieben,“ dachte Jonas besorgt. „Aber was soll ich denn machen? Ich muss nach Hedenburg!“

Er hatte sich im Internet eine Karte des Ortes sowie eine Fahrtroute ausdrucken lassen. So schnell wie möglich würde er aufbrechen....

Das Telefon klingelte und widerwillig griff Jonas zum Hörer. Die Nummer kannte er nur zu gut....
„Hallo, was gibt es denn?“, fragte er schlecht gelaunt.
„Jonas! Ich bin es! Deine Mutter! Stell dir vor, ich habe vorhin deinen Vater bei der Arbeit angerufen und er hat einfach aufgelegt! Er sagte ich solle ihn und seinen kleinen Bastard in Ruhe lassen! Das gibt es doch gar nicht! Bin ich ihm so gleichgültig geworden? Und du rufst mich auch nicht mehr an...“, klagte Hedwig aufgebracht.

„Warum wohl nicht?“, fuhr Jonas sie an und wollte das Gespräch ebenfalls beenden. 

Sein Vater genoss ein vollstes Verständnis. Andererseits war sie trotz allem immer noch seine Mutter....
„Jonas, du musst mit deinem Vater reden! Wir waren doch eine glückliche Familie und alles ging seinen geregelten Gang auch wenn es mit dir immer Schwierigkeiten gab! Das musst du von deinem Vater haben! Lucas macht ja auch immer nur Schwierigkeiten! Ich habe übrigens seine Direktor im Fernseher gesehen! Er ist umgezogen! Das wusste ich noch gar nicht! Aber mit mir redet ja auch keiner...“

„Und ich auch nicht! Ruf mich nicht mehr an!“, sagte Jonas und legte auf. Gespräche mit seiner Mutter die ihm wieder nur Vorwürfe machte konnte er nun wirklich nicht gebrauchen.

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