Kapitel 77

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Jonas und Lucas näherten sich Stuttgart. Die Umgebung wurde hügeliger und glücklicherweise herrschte nur wenig Verkehr auf der Autobahn.

„Was hast du eigentlich unserem Vater erzählt?“, erkundigte sich Jonas. 

Noch immer fühlte er sich nicht wohl bei dem Gedanken dass Lucas ihn begleitete. Andererseits hielt seine Gesellschaft ihn davon ab zu viel über dunkle Dinge nachzugrübeln.

„Ich habe ihm gesagt dass ich bei dir bin und bei dir übernachte! Das hat ihn nicht gestört, schließlich ist morgen keine Schule,“ antwortete Lucas und gähnte.

„Siehst du, du bist viel zu müde um mich zu begleiten! Du hättest wirklich in meiner Wohnung bleiben sollen! Oder am besten noch zu Hause!“, beschwerte sich Jonas.

„Jetzt bin ich aber da! Also finde dich damit ab! Und ich werde auch nicht bei einer Tasse Kakao auf dich warten während du mit Dämonen kämpfst!“, antwortete Lucas ungehalten.

„Aber du bleibst im Auto sitzen! Und das parke ich am Fuß des Berges dort drüben! Siehst du die Burg? Da muss man zu Fuß hoch gehen! Aber unten gibt es wohl einen Parkplatz! Dort drüben müssen wir glaube ich abfahren!“, sagte Jonas und deutete auf eine Burgruine die malerisch im Schein der untergehenden Sonne auf einem Berg stand.

„Na gut, ich bleibe im Auto und hoffe dass kein Dämon von der Burg herunter kommt!“, stimmte Lucas schließlich unzufrieden zu und dachte keinen Augenblick ernsthaft darüber nach sich daran zu halten. 

War Gerrit nicht auch sein Freund? Sie hatten sich gut in Raichelbach verstanden und mit einem Lächeln dachte Lucas daran, wie sehr Gerrit sich darüber gefreut hatte, als er an der Fleischtheke im Supermarkt seine Lieblingswurst entdeckte und es kaum glauben konnte als Lucas etwas davon kaufte....

„So einfach konnte man Gerrit glücklich machen! Und da soll dieser Widerling Sebastian noch mal sagen er wäre nicht einmal wirklich ein Mensch und man könne ihn einfach töten!“, dachte er wütend. 

„Wenn dieser Henker auf der Burg etwas mit Engelmann zu tun hat dann geht mich das auch was an, ganz egal was Jonas sagt!“

Zur selben Zeit bat Georg Hedwig in seine Wohnung. Er hatte sie nicht eingeladen und sie hatte ihren Besuch auch nicht angekündigt.

Wortlos drängte sie sich in seine Wohnung und nahm ungebeten auf dem Sofa Platz. 

„Die Farbe ist sehr dunkel! Musstest du ein blaues Sofa nehmen? Aber bestimmt hast du deinen Bastard, ich meine deinen Sohn mitbestimmen lassen!“, sagte sie zur Begrüßung.

„Da dir die Möbel und meine Wohnung nicht gefallen sehe ich keinen Grund dafür warum du hier sein solltest! Ich wollte mir gleich ein Fußballspiel ansehen! Lucas ist heute bei Jonas und da habe ich Zeit für so was!“, antwortete Georg unfreundlich.

„So so, du lässt also zu dass unser gemeinsamer Sohn sich noch immer mit dem Sohn dieser Anita mit der du mich betrogen hast abgibt! Ich wünsche nicht dass die beiden Kontakt zueinander haben! Das habe ich dir schon bei der Geburt deines kleinen Ergebnisses deines unbedachten Fehltritts gesagt!“, fuhr Hedwig ihn unfreundlich an.

„Bist du eigentlich einfach nur boshaft oder krank im Kopf? Das versuche ich schon die ganze Zeit seitdem du rein gekommen bist heraus zu finden! Jonas wird dieses Jahr einundzwanzig Jahre alt! Ich glaube nicht dass er sich von dir seinen Umgang vorschreiben lassen wird. Und ich freue mich dass sich meine Söhne gut miteinander verstehen!“, antwortete Georg und starrte Hedwig finster an. 

„Das sieht dir ähnlich! Weißt du eigentlich wie sehr du mich damals verletzt hast als du mich betrogen hast? Ich habe tagelang geweint und konnte mich nicht einmal richtig um Jonas kümmern! Ihn musste ich zu deiner Mutter schicken! Und weißt du eigentlich wie sehr du mich jetzt verletzt? Alle in der Nachbarschaft tratschen über uns! Sie wissen was damals passiert ist und dass du mich einfach verlassen hast!“, sagte Hedwig und stand kurz davor in Tränen auszubrechen.

„Wissen sie auch warum ich gegangen bin? Du hast unseren Sohn in große Gefahr gebracht und zugelassen dass dieser Verrückte ihn verletzt! Aber das war nur der Anstoß! Ich hätte es schon vor Jahren tun sollen! Und jetzt verlass meine Wohnung! Ich will mir deine Klagen nicht mehr länger anhören! Und noch eins, lass deine gehässigen Bemerkungen über Lucas! Er ist mein Sohn und ich dulde nicht mehr länger dass du ihn beschimpfst!“, erwiderte Georg und deutete auf die Tür.

„Georg, ich bin doch deine Frau! Komm doch bitte wieder zurück zu mir in unser schönes Haus! Soll denn alles was wir uns über die Jahre geschaffen haben umsonst gewesen sein? Ich werde mich auch bei Jonas entschuldigen und wenn du mir entgegen kommst und Lucas ins Heim....“, flehte sie Georg fast schon an jedoch er ließ sie nicht zu Ende sprechen sondern packte sie am Arm und schob sie zur Tür heraus.

„Ganz bestimmt stecke ich meinen Sohn nicht ins Heim! Und glaubst du vielleicht mit einer läppischen Entschuldigung sei die Angelegenheit mit Jonas aus der Welt geräumt? Mach dass du raus kommst!“, forderte er sie auf und schloss die Tür hinter ihr.

Hedwig klingelte noch zwei Mal, dann entfernten sich ihre Schritte.....

Jonas verließ den geparkte Wagen. Mittlerweile war es bereits fast vollständig dunkel.

„Also, du bleibst hier!“, sagte er ernst zu seinem Bruder und nahm sich sein Schwert sowie einen der Dolche mit. Diesen schob er sich unter seinen Gürtel. Glücklicherweise hinderte ihn dies nicht in seiner Bewegungsfreiheit. Schaden konnte es jedenfalls nicht eine zweite Waffe mit zu nehmen. Auch eine Taschenlampe würde er mitnehmen. Zwar war die Burg durch Strahler erhellt jedoch auf dem Weg dort hin befanden sich keine Laternen.

„Ich bleibe hier!“, versprach Lucas und lehnte sich im Sitz zurück. „Hoffentlich kommt der Dämon nicht hier runter!“

„Glaube ich nicht, die Toten wurden alle dort oben gefunden! Anscheinend kann er die Burg nicht verlassen,“ vermutete Jonas und machte sich auf den Weg zur Burg.

„Ich habe versprochen im Auto zu bleiben,“ dachte Lucas grinsend. „Aber ich habe nicht gesagt wie lange ich hier bleibe! Fünf Minuten gebe ich ihm, dann gehe ich Jonas nach! Ich weiß zwar nicht wie ich ihm helfen soll aber einfach hier bleiben und warten kann ich auch nicht!“

Fünf Minuten später nahm Lucas sich einen der verbliebenen Dolche und folgte seinem Bruder den Weg zur Burg hinauf. Er bemühte sich leise zu gehen, schließlich sollte niemand ihn entdecken. Weder der Dämon noch Jonas.....

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!