Kapitel 157

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Es war bereits später Nachmittag und es herrschte schönstes Sommerwetter als Jonas und Lucas  die alte Kirchenruine die inmitten eines alten Friedhofes stand durchsuchten.

„Also Statuen gibt es hier keine,“ sagte Jonas nach einer Weile und Lucas nickte. „Ich habe auf dem Friedhof nachgesehen, allzu groß ist er ja nicht. Aber da sind auch keine Statuen. Nicht einmal kleine Engel stehen auf den Gräbern. Aber die Gräber sind auch alle schon recht alt, das jüngste stammt von 1915 so weit ich das sehen konnte!“

„Stimmt, und die Kirche ist eigentlich auch nur noch eine Ruine. Der Turm steht noch und ein bisschen vom ehemaligen Innenraum. Aber da ist kein Dach mehr drauf. Der alte Altar steht noch aber der zerbröckelt langsam. Ich habe mich mal kurz dagegen gelehnt und einige Brocken sind auf den Boden gefallen. Auf der Gedenktafel stand dass die Kirche irgendwann im 10. Jahrhundert auf einer älteren errichtet worden ist. Und dass sie seit dem ersten Weltkrieg nicht mehr genutzt wird da man kurz vorher eine neue Kirche gebaut habe. Die steht da hinten,“ sagte Jonas und deutete auf einen Kirchturm der über einige Häuserdächer ragte. „Die ist nicht kaputt!“

„Und was hat es jetzt mit den Todesfällen auf sich?“, fragte Lucas unbehaglich. „Eine Statue gibt es hier weit und breit nicht. Vielleicht sollten wir doch noch mal zwischen den Ruinen nachsehen?“

Sie betraten das Innere der dachlosen Kirche und sahen sich noch einmal um. Dies hatte Jonas bereits getan während Lucas draußen auf dem Friedhof nach einer möglichen Statue suchte. Aber vier Augen sahen nun einmal mehr als zwei auch wenn dieser Spruch sich dieses Mal nicht bewahrheitete.

„Der Boden ist total uneben,“ schimpfte Lucas und Jonas nickte. 

Der Fußboden bestand aus großen unebenen quadratischen Steinen und er selbst wäre bei seiner ersten Durchsuchung fast gestolpert. 

„Vielleicht ist ja was unter diesen Steinen,“ dachte Jonas gerade als ein älterer Mann der einen Blumenstrauß in den Händen hielt die Kirche betrat.

„Was macht ihr beiden denn hier? Hier herrscht Einsturzgefahr! Ich sage schon immer dass man hier ein Schild anbringen sollte aber wer hört schon auf mich! Ich habe auch schon an die Gemeindeverwaltung geschrieben. Vor allem Nachts sollte man hier nicht hingehen.....“, sagte der Mann unglücklich.

„Warum nicht,“ hackte Jonas nach. „Wegen der losen Steine?“

Der Mann nickte eifrig. „Ja, ganz genau. Die sind gefährlich. Die Kirche wird zwar Nachts angestrahlt aber man kann trotzdem stolpern und sich verletzten. Es hat erst vor kurzem einen Toten hier gegeben, das ist erst ein paar Tage her.“

Der alte Mann sah so unglücklich aus dass Jonas beschloss ihn weiter zu befragen. Er war sich sicher dass dieser sie aus einem Grund der nichts mit losen Steinen zu tun hatte davon abhalten wollte die Kirchenruine weiter zu besichtigen oder sie gar bei Nacht zu betreten.

„Das war nicht der einzige Tote, nicht wahr?“, erkundigte sich Jonas mitfühlend und der Mann zuckte kurz zusammen.

„Nein, war es wirklich nicht. Und wenn ihr beiden klug seid dann geht ihr jetzt fort und kommt nicht mehr nach hier. Ihr seid beide noch sehr jung und junge Menschen sterben hier viel häufiger als Alte. Er will die Jungen...“, sagte der Mann und nun wusste Jonas dass sie auf der richtigen Spur waren.

„Er? Sie meinen eine Dämon, richtig?“ wagte er einen Schuss ins Blaue und der Mann wurde blass.

„Woher.....ich meine, was redest du da, Junge? Es gibt doch keine Dämonen...“

„Die gibt es und ich glaube wir brauchen nicht um den heißen Brei herum zu reden,“ sagte Lucas und Jonas nickte. 

„Wegen dem Dämon sind wir hier. Vielleicht können wir Ihnen ja helfen?“

„Wie sollen zwei Jungs da was mache können? Das haben schon andere versucht. Es gibt hier eine alte Legende, im Mittelalter sollen es immer wieder ein paar Ritter versucht haben. Aber sie alle fand man am nächsten Morgen tot oder aber der Dämon erschien gar nicht erst. Er kommt nicht immer sondern nur alle sieben Jahre und dann lockt er junge Menschen nach hier. Es heißt dass es hier früher schon spukte und dass hier ein böser Dämon umging, lange bevor diese Kirche erbaut wurde. Das steht sogar in unserer Dorfchronik. Früher war es üblich dass man alle sieben Jahre sieben junge Leute opferte, man brachte sie Abends, im Sommer nach hier und am Morgen fand man sie tot auf. Man nahm dazu meistens irgend welche Fremden oder Gefangene, es herrschten ja unruhige Zeiten. Dann setzte sich in der Gegend das Christentum durch und man erbaute die Kirche oder vielmehr die Kirche die vorher hier stand und irgendwann durch einen Krieg im frühen Mittelalter zerstört wurde. Nun brachte man niemanden mehr freiwillig nach hier aber es wurde nicht besser sondern eher schlimmer. Seither wütet der Dämon wahllos und jeder der sich hier Nachts aus dem Haus traut kann gerufen werden. Auch in den Häusern sind die Menschen nicht sicher und werden manchmal gerufen. Viele alte Leute schwören hier auf verschiedene Schutzmittelchen wie Knoblauch oder Eisenkraut oder dergleichen. Einiges scheint ein wenig zu helfen aber trotzdem gab es dieses Jahr schon Tote. So auch eine Freundin meiner Enkelin. Sie ist seitdem sehr traurig und hat Angst dass sie die Nächste ist. Ich habe ihren Eltern empfohlen sie weg zu schicken, am besten in ein Ferienlager weit weg von hier. Aber die Eltern denken das wäre ein dummer Aberglaube. Viele junge Leute glauben nicht mehr an den Dämon und tun es als Zufall ab dass hier noch immer Menschen sterben! Die Polizei hat die Kirche schon durchsucht nachdem ich sie gerufen habe aber die haben auch nichts gefunden und gemeint ich wäre alterssenil!“

„Das sind sie ganz bestimmt nicht,“ versicherte Jonas dem alten Mann. „Und wir glauben Ihnen. Alle sieben Jahre ist es so weit? Das hört man auch oft in Märchen, alle sieben Jahre geschieht etwas....“

„Ja, vieles was man in alten Märchen findet hat einen realen Hintergrund. Auch wenn das niemand mehr wissen will,“ sagte der alte Mann. „Ich heiße übrigens Herbert Beyer.“

„Herr Beyer, wir helfen Ihnen. Machen Sie sich bitte keine Sorgen mehr,“ bat Jonas den Mann. „Vielleicht hat der ganze Spuk hier morgen schon ein Ende!“

Herbert Beyer nickte und sie verließen gemeinsam die Ruine. Vor einem Grab blieb der alte Mann stehen und legte dort seine Blumen ab. 

„Das ist das Grab meiner Großeltern, die sind schon seit langer Zeit tot. Ich habe sie gar nicht mehr gekannt,“ sagte er.

„Stefan hätte dem Mann bestimmt auch angeboten zu helfen. Aber er hätte dafür bestimmt einiges an Geld genommen,“ dachte Jonas und sah sich noch einmal um. „Ich glaube das wird eine sehr harte und lange Nacht werden!“

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