Kapitel 3

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Am nächsten Morgen standen Jonas und Ingo auf dem Dorffriedhof von Raichelbach inmitten der anderen Trauergäste.

Die meisten gehörten zu Inogs Familie, aber bevor er sich in den Augen der Angehörigen und Freunde so merkwürdig benommen hatte, war Josef Steingruber Mitglied in mehreren Vereinen gewesen, und seine Vereinskameraden aus den umliegenden Ortschaften standen nun ebenfalls mit am Grab.

Wie Ingo es vorhergesagt hatte begann es, als der Pfarrer am offenen Grab noch einige Worte über den Verstorbenen sagte, in Strömen zu regen und eilig wurden mehrere Regenschirme aufgeklappt.

„Hast das gsehn?“, fragte eine ältere Frau die neben Ingo und ihm stehende Frau Huber. „Die Rosi hat einen rosa Schirm dabei!“

Frau Huber nickte empört. Sämtliche anderen Trauergäste besaßen passend zur schwarzen Kleidung auch schwarze Regenschirme.

Jonas blickte verlegen zum Himmel empor. Auch sein Schirm passte nicht so recht ins Bild, aber immerhin war er dunkelblau.

„Zum Glück hatte ich wenigstens noch schwarze Kleidung!“, dachte er. „Sonst würde sich Ingo bei so einem Bekannten hier wohl die nächsten zehn Jahre nicht mehr blicken lassen können!“

Auf der anderen Seite von Ingo standen dessen Eltern, sein Vater war blass und hielt sich am Arm seiner Frau fest. Immerhin war der Verstorbene sein älterer Bruder gewesen, und auch wenn sie in verschiedenen Teilen von Deutschland gelebt hatte standen sie sich laut Ingo sehr nahe.

Der Pfarrer beendete nun seine Rede und die Trauergäste gingen nach einander am Grab vorbei und warfen Blumen als letzten Gruß in es hinein.

„Der Franzl hat den Sepp geholt,“ murmelte jemand, und einige Leute nickten ängstlich, jedoch was Jonas überraschte war, dass sich in all die Trauer auch Wut zu mischen schien.

„Wie lange müssen wir uns das noch gefallen lassen?“, fragte ein älterer Herr mit einem schwarzen Hut und sah den Pfarrer an, der nur die Achseln zuckte.

„Was willst du da schon tun, Hans?“, fragte er unglücklich. „Niemand kann was gegen den Franzl unternehmen!“

„Das wollen wir ja noch sehen!“, murmelte Hans, während eine Frau, die ungefähr zehn Jahre jünger als Hans war, ihn am Arm packte und mit sich fort zog.

Im Anschluss an die Beerdigung fand im Gasthof „Zum Huber“ die Trauerfeier statt. 

Außer Jonas und Ingo waren auch dessen Eltern sowie eine Cousine der Eltern dort untergekommen.

Nun saß Jonas in mitten der Familie und Freunde des Verstorbenen, während Frau Huber mit einer jungen Bedienung Kaffee, Kuchen und Brötchen servierte.

Jonas saß an einem Tisch mit Ingo und dessen Eltern, doch eine Unterhaltung kam nicht so recht in Gange, da Ingos Vater die ganze Zeit über traurig vor sich hin starrte. 

„Es ist einfach schrecklich, wie es mit dem armen Sepp geendet hat!“, sagte die Mutter nun und griff nach der Hand ihres Mannes. „Aber du weißt ja, er war sehr nervös und schreckhaft. Denk nur einmal daran, wie sehr er sich über die arme Lisa an Weihnachten erschrocken hat. Sicherlich hat er sich auch in jener Nacht wieder über etwas aufgeregt und einen Herzinfarkt bekommen!“

„Herzinfarkt, so ein Schmarrn!“, tönte es vom Nebentisch herüber und Jonas erkannte Hans. 

„Wir wissen doch alle, wie der arme Sepp wirklich gestorben ist, aber keiner spricht es aus!“

„Bitte nicht so laut, willst du der nächste sein, den der Franzl...“, flüsterte seine Begleiterin ihm zu, jedoch der Mann schüttelte ihren Arm ab. „Es ist doch immer dasselbe!“, knurrte er.

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