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Kapitel 71

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Am gleichen Abend saß Julia an Sebastian gelehnt da und sah gemeinsam in ihrem Zimmer mit ihm fern.

Ihre Eltern waren am Vormittag aus dem Urlaub zurück gekehrt und hatten den Schrecken ihres Lebens erlitten als sie vom Unfall der Tochter erfuhren und ihr Gipsbein sahen. Erst nach und nach hatten sie sich beruhigt nachdem Julia ihnen versichert hatte dass der Bruch bereits heilte und sie sich auf dem Wege der Besserung befand.

„Ich muss mal zur Toliette,“ sagte Julia und erhob sich. Mit Hilfe ihrer Krücken humpelte sie aus dem Zimmer.

„Soll ich dir helfen?“, erkundigte sich Sebastian sich besorgt und seine Freundin konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Sebastian, wenn du nicht da bist muss ich auch Pipi machen! Das geht schon!“

„Wenn du meinst,“ antwortete Sebastian und griff nach der Fernbedienung. 

Sie hatten sich eine Musiksendung angesehen, jedoch die dort auftretenden Boybands mochte er ganz und gar nicht.

Er blieb schließlich bei den Spätnachrichten aus Bayern hängen. Bald würde er nach Hause fahren und er unterdrückte nur mühsam ein Gähnen. Gelangweilt sah er dabei zu wie ein rundlicher Mann in Lederhosen gezeigt wurde der sich seit Monaten mit seinem Nachbarn über eine Viehweide und einen Grenzzaun stritt. Der Bericht endete und als nächstes gab es einen Beitrag über einen Friedhof in München.

Die Aufnahmen stammten vom Mittag und mit einem Mal war Sebastian hellwach. 

„Auf diesem Friedhof gab es einen Fall von Vandalismus! Er scheint vom Pech verfolgt zu sein! Nach drei Todesfällen allein im letzten Dezember wurde in der vergangenen Nacht eine Statue aus dem 18. Jahrhundert zerstört! Auch eine Grabstatue wurde beschädigt! Die Polizei geht nicht von einem Zusammenhang mit den Todesfällen aus zumal diese eine natürliche Ursache hatten....“, sagte ein Reporter der auf dem Friedhof vor den Überresten einer großen Statue stand und sich einen Regenschirm über den Kopf hielt.

Sebastian hörte Schritte auf dem Flur und schaltete schnell auf einen anderen Sender. Er wollte nicht dass Julia diesen Bericht sah.

„Wir haben damit abgeschlossen! Und sicherlich war Jonas nicht in München! Das war wirklich Vandalismus und die Todesfälle waren natürlich!“, dachte er und versuchte sich zu überzeugen. 

Leider gelang es ihm nicht und Julia sah ihm an dass etwas nicht stimmte als sie ins Zimmer zurück kehrte.

„Was ist los?“, erkundigte sie sich beunruhigt. „Du bist ganz käsig im Gesicht!“

„Ach nichts, da brachten sie nur gerade was in den Nachrichten! Es ging da um eine ziemlich schlimmen Raubüberfall....“, redete er sich heraus.

„Ach, das nimmst du dir zu Herzen?“, erkundigte sich Julia. „Da geht es um Wildfremde! Aber um Menschen die du kennst...“

„Julia, bitte fang nicht wieder damit an! Darüber hatten wir doch schon gesprochen! Wir haben nichts mehr damit zu tun und ab jetzt beginnt der Rest unseres Lebens! Zum einen will Jonas uns nicht dabei haben und er kommt jetzt allein zurecht! Und zum anderen haben wir wiederum das Recht auf ein normales, dämonenstatuenfreies Leben! Wir sind damals in etwas hinein gezogen worden was niemals hätte sein dürfen! Und jetzt sollten wir uns nicht mehr weiter darum kümmern! Vergessen wir es doch endlich! Sonst gehen wir daran kaputt!“, bat Sebastian sie ungeduldig.

„Das kann ich aber nicht!“, sagte Julia leise. 

Nein, vergessen würde sie niemals die beiden Henker die sie vor kurzem noch auf den Schulhof geschleift hatten. Sie würde auch niemals die schreckliche Statue über der St. Andreas Kirche vergessen. Konnte sie überhaupt jemals wieder an einer Statue, ganz egal wo sie stand, vorbei gehen ohne in Angst und Schrecken zu geraten? Würde sie solche Figuren bei Nacht nicht den Rest ihres Lebens meiden? Und würde sie jemals Gerrit vergessen? Sie erinnerte sich daran dass sie neben ihm gesessen hatte als er auf dem Sofa schlief nachdem sie ihn befreit hatten. Solche Sorgen hatte sie sich damals gemacht als er nicht essen wollte. Und jetzt war er wieder bei Direktor Engelmann und diesen beiden Ungeheuern und würde es vielleicht noch für Jahrhunderte sein bis ihn vielleicht eines Tages jemand tötete.....

Und zu allem Übel war sie auch noch schuld daran. Ein kalter Windhauch wehte durch das gekippte Fenster und sie fröstelte. Was war mit Gerrit? War er im Augenblick lebendig? Fror er oder hatte er Schmerzen?

„Julia, bitte nicht nach grübeln! Bald ist dein Bein wieder in Ordnung und dann gehen wir beide einmal richtig schön aus! Wir haben es uns verdient! Wir gehen in einer dämonenfreien Stadt aus und leben wie ganz normale Menschen!“, unterbrach Sebastian ihre trüben Gedanken und gab ihr einen Kuss ehe er sich erhob. „Ich gehe jetzt! Es ist schon spät! Aber morgen bin ich wieder da!“

Sebastian verließ die Wohnung und stieg in sein Auto. Er drehte die Heizung auf und schaltete das Radio ein. 

„Wir dürfen uns nicht mehr verrückt machen! Es bringt doch alles nichts! Das ist nicht unsere Sache und selbst wenn wir Jonas helfen wollten, wie sollen wir das denn tun? Wir können nicht gegen Dämonen kämpfen! Ich wüsste schon gerne ob die Statue in München ein Dämon war! Andererseits möchte ich es wenn ich ehrlich bin eigentlich nicht wissen! Ich will nur mein altes sicheres Leben wieder haben dass ich hatte bevor ich damals Katja in der Disko kennen lernte...“

In der Tat plagten Sebastian in der letzten Zeit des öfteren Alträume in denen ihn dämonische Statuen verfolgten und er vor ihnen floh. Kurz bevor sie ihn packten erwachte er meist und war erleichtert darüber dass es nur ein Traum gewesen war. 

„Ich will davon nichts mehr wissen! Würde Julia doch nur aufhören davon zu sprechen! Sie fühlt sich schuldig wegen Gerrit! Aber er ist nicht einmal ein Mensch! Es wäre nicht einmal ein Verbrechen im rein juristischen Sinne ihn zu töten. Und sie kann doch nicht einmal etwas dafür dass der Direktor ihn wieder erwischt hat!“, dachte Sebastian und schaltete die Musik weiter während er durch die nächtlichen Straßen fuhr.

Als er an seiner Wohnung ankam stoppte er schnell seinen Wagen, sprang heraus und eilte in seine Wohnung. 

Dort befanden sich mittlerweile auf sämtlichen Fensterbänken Blumentöpfe mit Eisenkraut. Man konnte ja nicht vorsichtig genug sein auch wenn die Stadt nun dämonenfrei war....

Am nächsten Tag war schulfrei, ein Elternsprechtag stand an und Georg Schneider hatte sich auf den Weg zur Schule gemacht.

Lucas hatte ihn begleiten wollen jedoch er war am Morgen mit schrecklichen Halsschmerzen aufgewacht und hatte beschlossen im Bett zu bleiben.

Georg war schon eine Weile fort da erhob Lucas sich und ging ins Wohnzimmer der Drei-Zimmerwohnung in der er nun mit seinem Vater lebte. Er schaltete den Fernseher ein und sah sich das Frühstücksfernsehen an.

Mit mäßigem Interesse verfolgte er die neuesten Eskapaden einiger bekannter Popstars und Schauspieler bevor die tatsächlichen Nachrichten anfingen.

Jedoch dann verfolgte er einen Beitrag der ihn erschreckte. Offenbar hatte in München jemand auf einem Friedhof randaliert und einer kleinen Engelsstatue den Kopf abgeschlagen. Des weiteren war eine Statue die einen etwas merkwürdigen Engel darstellte in der Nacht von Sonntag auf Monat zerstört worden und die Polizei ging von Vandalismus aus. Außerdem waren auf dem Friedhof bereits häufiger Personen außerhalb der Gräber tot aufgefunden worden und der Reporter machte Witze ob vielleicht ein Fluch über dem Ort liegen würde....

„Was den Fluch angeht da ist da jetzt hoffentlich Ruhe! Aber wer um alles in der Welt hat diese Statue zerstört? War es eine Dämonenstatue? Eigentlich ist das doch ziemlich klar, oder? Und wer war es? Jonas war nicht da am Sonntag, auch noch nicht Abends.....Hatte er etwas damit zu tun? Ist er nach München gefahren und hat das Ding erledigt?“, grübelte Lucas nach und schaltete den Fernseher aus ehe er zurück in sein Zimmer ging und ins Bett kroch.

Sein Blick fiel auf das Eisenkraut das auf der Fensterbank stand. Er hatte auch im Wohnzimmer und in der Küche etwas davon auf die Fensterbänke verteilt. Georg hatte es zwar erstaunt zur Kenntnis genommen jedoch nachdem Lucas ihm erklärt hatte dass er es für den Biologieunterricht brauche sich nicht weiter dazu geäußert.....

„Ich muss mit Jonas sprechen und ihn fragen ob er das war mit dem Dämon.....“, dachte Lucas ehe er die Augen schloss und ein döste.

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!